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Hier findet Ihr regelmäßig aktuelle Buchtipps aus unserer Redaktion. Viel Spaß beim Stöbern.

Christian Hümbs: „Back dich um die Welt. 90 süße Rezepte gegen Fernweh“, 224 Seiten, DK Verlag, 24,95 Euro, ISBN 978-3-8310-4348-4

Backen 2Der bekannte und ausgezeichnete Patissier Christian Hümbs hat in seinem neuen Buch nationale Back-Klassiker und süße Trends aus aller Welt gesammelt. Die Kapitel widmen sich immer der jeweilige Nation und führen auf fünf Routen in 18 verschiedene Länder. Manche Rezepte lassen sich schnell und einfach backen, andere sind außergewöhnlich raffiniert und etwas anspruchsvoller. Dazu gehören nicht nur österreichische Mohnstriezel oder saftige Brownies, sondern auch niederländische Oliebollen oder japanische Mochis. Die Tipps und Kniffe von Christian Hümbs sorgen für gelungene Ergebnisse. Hintergrundwissen zu den Rezepten und zu den Kombinationsmöglichkeiten unterschiedlicher Zutaten steigern das kreative Vergnügen. Notizseiten am Ende des Buches bieten Platz für Gedanken und Anmerkungen.

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Über den Autor

Christian Hümbs gilt als einer der besten Patissiers Deutschlands und wurde mehrfach zum Patissier des Jahres ausgezeichnet . Er ist bekannt für seine Desserts, in die er Gemüse und Kräuter integriert und damit neue Geschmackserlebnisse kreiert. Er arbeitete auf der „Stromburg“ bei Johann Lafer und im Zwei-Sternerestaurant „La Mer“ sowie im Münchner Atelier im „Hotel Bayerischer Hof“ und in einem der ersten Häuser Zürichs – im „The Dolder Grand". Dem breiten Publikum ist Christian Hümbs vor allem als Juror der Sat1-Sendung „Das große Backen“ bekannt, wo er die Kreationen der Hobbybäcker, Promis und Profis genauestens unter die Lupe nimmt.

Unser Fazit

In Zeiten der schnellen Internet-Rezeptsuche legen wir bei Koch- und Backbüchern immer mehr Wert auf die Gestaltung und das Erlebnis, das sie bieten. Hümbs’ Buch hat da die Nase ganz vorn, weil es einfach Spaß macht, darin zu lesen, die wirklich schönen Fotografien zu den Rezepten anzuschauen und sich Inspirationen fürs nächste Backwerk zu holen. Der Aufbau ist gelungen, das Thema der nationalen Spezialitäten ist interessant und lässt uns passenderweise über den Tellerrand schauen.

John Strelecky: „Wenn du Orangen willst, such nicht im Blaubeerfeld“, dtv-Verlag, 144 Seiten, 9,95 Euro, ISBN: 978-3-423-35046-4

„Ich habe beschlossen, heute glücklich zu sein“: In Streleckys handlichem Neuling sind Einfälle, Erkenntnisse und Geschichten aus dem Notizbuch des Autors versammelt. Die Bemerkungen über nur scheinbar kleine, alltägliche Begebenheiten sollen helfen, Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu finden. Sie sollen inspirieren und zum Nachdenken über unser Leben anregen – und die bringen Licht in trostlose Stunden. Kostprobe gefällig?

Wenn du Orangen willst such nicht im Blaubeerfeld„Je mehr ich mich selbst verurteile, desto kritischer sehe ich auch andere Menschen. Erlaube ich mir dagegen, ich selbst zu sein, kann ich auch andere mühelos sie selbst sein lassen.“

„Das Leben geschieht nicht zufällig. Es geschieht aufgrund von Entscheidungen. Ich bin der Entscheider.“

„Je mehr Zeit ich mit Dingen verbringe, die mir gefallen, desto weniger sinnlos erscheint mir das Leben. Umgekehrt trifft diese Aussage genauso zu.“

Über den Autor

John Strelecky wurde 1969 in Chicago, Illinois geboren und lebt heute in Florida. Er war lange Jahre in der Wirtschaft tätig, bis ein lebensveränderndes Ereignis ihn im Alter von 33 Jahren dazu veranlasste, die berühmte Geschichte vom „Café am Rande der Welt“ zu erzählen. Das Buch begeisterte Menschen auf der ganzen Welt, stürmte die Bestsellerlisten und wurde in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Mittlerweile hat Strelecky weitere Bücher geschrieben, deren Botschaften dazu ermuntern sollen, das Leben nach eigener Fasson zu gestalten. Wenn er nicht gerade schreibt, ist er häufig mit seiner Familie auf Reisen in der Welt unterwegs.

Unser Fazit

Es macht Spaß, Streleckys Denkanstöße zu verfolgen. Vor allem in Zeiten, in denen wir uns schlecht fühlen, können die kleinen Mutmacher helfen. Die Erkenntnisse dabei sind nicht immer neu - aber es gibt eben Dinge, die man immer wieder vor Augen geführt bekommen muss. Das Büchlein eignet sich daher auch wunderbar als Geschenk oder Nachschlagewerk für die Suche nach Zitaten für Glückwunschkarten.

Sebastian Fitzek: „Der erste letze Tag“, Droemer HC, 272 Seiten, 16 Euro, ISBN: 978-3-426-28386-8

Der erste letzte TagNormalerweise führt Fitzek seine Fans an dunkle Orte, seine Pageturner treiben die Spannung auf die Spitze, nicht immer ist die Handlung für schwache Nerven geeignet. Aber was ist bei Fitzek schon normal? Und so hat sich der deutsche Schocker-König im vergangenen Jahr an ein neues Genre gewagt: „Der erste letzte Tag. Kein Thriller“ vermerkt dieses Novum sicherheitshalber schon im Titel. Kein Thriller, nein, eine komisch-dramatische Erzählung von einem Roadtrip, bei dem die Hauptfiguren Livius Reimer und Lea von Arnim, zwei – natürlich – ganz unterschiedliche Charaktere, ein Gedankenexperiment wagen: Was geschieht, wenn zwei Menschen einen Tag verbringen, als wäre es ihr letzter? Sollte es noch Fitzek-Fans geben, die sich bislang noch nicht auf diesen Versuch eingelassen haben, können sie einen Blick auf die Leseprobe werfen.

Über den Autor

Sebastian Fitzek, geboren 1971, ist Deutschlands erfolgreichster Autor. Seit seinem Debüt „Die Therapie" (2006) ist er mit allen Romanen ganz oben auf den Bestsellerlisten zu finden. Mittlerweile erscheinen seine Bücher in sechsunddreißig Ländern und sind Vorlage für internationale Kinoverfilmungen und Theateradaptionen. Als erster deutscher Autor wurde er mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet und 2018 mit der 11. Poetik-Dozentur der Universität Koblenz-Landau geehrt. Er lebt in Berlin.

Unser Fazit

Fitzek bleibt seinem Stil treu – es gibt viel Komik und skurrile Begebenheiten, diesmal eben ohne Schreckensszenario, sondern mit einer Prise Nachdenklichkeit.

Ronja von Rönne: „Ende in Sicht“, dtv-Verlag, 256 Seiten, 22 Euro, ISBN 978-3-42328-291-8

Bittersüße Erzählung mit Sogwirkung

Tieftraurig, elegant und lakonisch erzählt Ronja von Rönne von zwei Frauen, denen der Tod als letzter Ausweg erscheint: ein unvorhersehbares, dramatisches, unangemessen komisches Lesevergnügen.

9783423282918 neuHella, 69, abgehalfterte Schlagersängerin, macht sich auf den Weg in die Schweiz, um dort zu sterben. Diese letzte Fahrt wird ihr alter Passat schon noch schaffen. Doch kaum auf der Autobahn, fällt etwas Schweres auf die Motorhaube ihres Wagens. Juli, 15, wollte sich in den Tod stürzen. Jetzt ist sie nur leicht verletzt – und steigt zu Hella ins Auto. Zwei Frauen mit der Sehnsucht nach dem Tod – doch wollen sie zusammen noch, was ihnen einzeln als letzte Möglichkeit erschien?

Über die Autorin

Ronja von Rönne, geboren 1992, ist Schriftstellerin, Journalistin und Moderatorin. 2015 las sie beim Ingeborg-Bachmann-Preis. Seit 2017 moderiert sie auf Arte die Sendung „Streetphilosophy“ und schreibt für die DIE ZEIT und ZEIT ONLINE.

Leseprobe

Juli war nicht tot. Zumindest noch nicht. Es regnete, und sie ärgerte sich. Regen war das Einzige, was sie nicht eingeplant hatte. Ihre Softshelljacke hielt, entgegen wilden Versprechungen des Herstellers, dem Wetter nicht stand. Sie zitterte vor Kälte. Wenn es wenigstens ein peitschender Regen wäre, einer, der jene große Entscheidung, die sie für den  heutigen Tag getroffen hatte, durch seine Unbarmherzigkeit und Wildheit nur unterstrich. Aber statt Pathos: Nieselregen. Kein undurchdringbarer, wütender Sturm, stattdessen: ein Sprühregen wie der, der im Lebensmittelladen Zucchini und Paprika frisch hielt. Eine Wetterlage, bei der sich ihr Vorhaben seltsam lächerlich anfühlte. Sie wischte sich mit dem Ärmel über die Augen und ließ das kleine, gestreifte Schneckenhaus zwischen Daumen und Zeigefinger kreisen. Unter ihr spiegelten sich die Scheinwerferlichter der Autos auf der nassen Fahrbahn. Keiner schaute hoch zu ihr.

Hier findet Ihr eine ausführliche Leseprobe

Unser Fazit

Wenn Benjamin von Stuckrad-Barre und Martin Suter ihren - positiven - Kommentar zu einem Buch abgeben, dann lohnt es sich, den Titel anzulesen. Im Fall von „Ende in Sicht“ bleibt es nicht dabei. Aus dem Anlesen wird ein Weiterlesen und schnell ein Fertiglesen. Eine große Stärke Ronja von Rönnes sind Szenen und Bilder, die - nicht immer ohne Pathos - bedeutungsschwanger sind. Dabei zeigt sich ein tragikomischer Blick aufs Leben, es geht um große und kleine Lügen und die Beziehung der beiden ungleichen, und doch ähnlich trostlosen, Frauen. Von Rönnes Ton gefällt wahrscheinlich auch einer etwas jüngeren Zielgruppe. Sie selbst ist 29 Jahre alt und geht mit ihrer eigenen Depression offen um.

Anna Maas: „Die Happiness-Lüge“, Eden Books, 240 Seiten, 16,95 Euro, ISBN 978-3-95910-314-5

Wenn positives Denken toxisch wird

„Positiv denken“: Ein Credo, das zunächst einmal gar nicht so schlecht klingt. Aber sobald daraus ein „Immer positiv denken“ wird, das Optimismus bis zum Umfallen fordert, baut es einen großen Druck auf: Für negative Emotionen ist kein Platz.

Vorderseite Buch Hapiness Luege

Wer es nicht „schafft“, optimistisch zu bleiben, hat somit versagt. Das ist das Prinzip der „Toxic Positivity“, dem sich Anna Maas in ihrem ersten Buch „Die Happiness-Lüge“ widmet. Die Journalistin untersucht, was wirklich dran ist an dem Zwang zum Glücklichsein. Anhand ihrer eigenen Erfahrungen und der Meinungen zahlreicher Expertinnen und Experten erklärt sie, warum eine positive Lebenseinstellung um jeden Preis oft nicht nur wenig hilfreich ist – sondern uns sogar schaden kann.

Über die Autorin

Anna Maas wurde 1988 in Remscheid geboren und wuchs in Oldenburg auf. Nach dem Abi studierte sie Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie TV-Journalismus in Hamburg und München. 2018 startete sie ihren Blog THINK FEM, auf dem sie über Gleichberechtigung, Mutterschaft und beeindruckende Frauen schreibt. Heute arbeitet sie freiberuflich für verschiedene Medien und lebt gemeinsam mit ihrer Familie in der Nähe von Hamburg.

Unser Fazit

Das Buch ist keine wissenschaftliche Abhandlung zum Thema – das ist für uns in diesem Fall ein Vorteil, denn die Mischung aus Sachbuch mit interessanten Experten-Interviews und vielen persönlichen Erzählungen der Autorin machen „Die Happiness-Lüge“ besonders lesenswert. Anna Maas’ Stil ist angenehm – genau richtig zum entspannten Eintauchen ins Thema. So erfahren wir vieles zur „Toxic Positivity“ und werden gleichzeitig unterhalten. Daumen hoch.

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