Men only: Männlichkeit aus dem Pumpspender?

Seit Kurzem gehöre ich zu  dem Club der Dreißiger. Der prüfende Blick in den Spiegel wird selbstkritischer und es stellt sich die Frage, ob etwas Creme alle Schaltjahre ausreicht. Kurz und gut: Ich bin in das große Becken der Beauty-Produkte gesprungen und habe einige getestet.

Beauty-Produkte speziell für Männer sind en vogue. Woran ich das festmache? Marken wie „Brisk“, deren „Frisiercreme für den Mann“-Geruch für mich untrennbar mit dem pomadigen Überkämmer meines Opas verbunden ist, bringen Gesichtscremes raus – sogar mit Malz-Extrakt (Hey, Männer, das ist quasi Bier! Im Gesicht!). Regalreihen sind reserviert für Männer, die so gar nichts mehr mit denen zu tun haben, die sich alle acht Wochen mal am blauen Tiegel bedienen und sich verstohlen den verbrannten Nasenrücken einreiben. Auffällig ist die Einfachheit, die Hersteller versuchen zu verkaufen – minimalis tische Optik, kein Chichi und immer wieder Bärte.

maennerproduktemaske„Ohne Gedöns“, wie beispielsweise auf der msk-Gesichtsmaske von Jean & Len zu lesen ist. Sie ist das einzige getestete Produkt, das meinen Ansprüchen in der Kategorie „Muss ich mich damit länger als 30 Sekunden beschäftigen?“ nicht gerecht wird. 10 bis 15 Minuten soll die Maske mit Tonerde und Aktivkohle auf dem Gesicht bleiben. Um Hautstress zu mindern und mit Vitamin E, Sheabutter, Soja- sowie Sonnenblumenöl und Glycerin für geglättete und weiche Haut zu sorgen. Beim Selbstversuch bleibt nach dem Abspülen mit Wasser leider nicht viel mehr, als das Gefühl, seiner Haut etwas Gutes getan zu haben.

Das 3-in-1-Bartshampoo für Bart, Gesicht und Haar passt schon eher in die oben genannte Kategorie. 3-in-1 hört sich doch gut an: Einmal drüberbügeln, fertig. Das ätherische Zedernholzöl sorgt für einen angenehm unaufdringlichen Männer-Duft. Womit wir beim nächsten Testkriterium wären. „Rieche ich nach der Anwendung, als wäre ich in einen Bottich Parfum gefallen?“ Glücklicherweise war das bei allen Produkten nicht der Fall, sonst wäre sicherlich das ein oder andere auch schon während der Testphase aus dem Bad-Schrank verbannt worden.


maennerproduktebriskDie Feuchtigkeitspflege von Brisk zieht schnell ein. Man läuft also nicht drei Stunden herum, als hätte man sich mit der Speckschwarte gepudert. Plus-Punkt. Allerdings passt der Werbeslogan „Work hard, Play hard, Pfleg zart!“ zumindest nicht bei meiner Gesichtshaut. Die fühlt sich nämlich nach dem Eincremen an wie ein harter 10-Stunden-Tag auf dem Bau. Alles brennt und zieht – riecht aber vielleicht angenehmer.

maennerprodukteseinzWeil es gerade modern ist und auch mein spärlicher Bart etwas Pflege abgekommen sollte, habe ich mir auch noch ein Bartöl von Bulldog Skincare ausgesucht. Das Öl mit Aloe Vera, Camelina und grünem Tee soll den Bart zähmen und ihn geschmeidig machen. Tut es auch, allerdings sorgt es nach einiger Zeit für Juckreiz. Auch wenn es angenehm frisch riecht, wird es wohl auf Dauer keinen Platz in meinem „Drive-In-Beauty-Parlour“ bekommen. Das Augenpflegegel von  SEINZ, der Männerpflege-Serie von dm, bringt mich im Test nicht wirklich weiter. Zieht schnell ein, fühlt sich gut an, allerdings ist der Leidensdruck bei den Lachfältchen um die Augen noch nicht so groß – das kommt wohl erst in der  übernächsten Dekade meines Lebens.

Einige Dinge fallen auf: die minimalistische Anmutung der Produkte, die einfache und schnelle Pfl ege versprechen, der komplette Verzicht auf Beauty-Chichi, die sehr dezenten Düfte und der Fokus auf natürliche Zutaten, der allerdings nicht bei allen konsequent durchgezogen wird. Es bleibt also die Frage, ob es nicht alter Wein in neuen Schläuchen ist – nur eben mit Zedernholz – anstatt Wild-Cherry-Duft.

Von Christian Lips, Fotos: Dr. Günter Körtner, mr//media, Hersteller


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