Tierische Waldarbeiter

Letzte Holzrückepferde in der Region im Einsatz.

Die Sonne taucht das verschneite Gelände in ein flirrendes Mosaik aus Schatten und Licht. Ein Schnauben unterbricht die morgendliche Stille, es klirrt und kracht im düsteren Unterholz. Ein Ruf ist zu hören, „Heut! Komm!“. Stur stapfen Idefix und Empire zwischen den Kiefern hervor. Hinter ihnen an langen Eisenketten lange  Fichtenstämme. Fast klitzeklein dahinter Männer  in rotgrüner Arbeitskleidung mit langen Zügeln in der Hand. Der eine mit Helm, der andere mit Strickmütze. Wer ist hier wer? Und was machen die da im verschneiten mittelhessischen Wald? Idefix und Empire sind Kaltblüter. Jeweils gut 700 Kilogramm pure Kraft. Kraft, die von Forstwirtschaftsmeister Thilo Rinn und Forstunternehmer Uwe Weil gezügelt wird. Die zotteligen Rückepferde legen sich in die Riemen, ziehen meterlange Stämme zwischen den eng stehenden Bäumen hervor. Hinter den großen Tieren verschwinden die Menschen beinahe. Die Pferdeführer folgen ihren vierbeinigen Kollegen durch das Unterholz, geben Kommandos und wählen die wertvollen Rohstoffe aus. „Komm! Ha!“, ruft Uwe Weil. 

„Es gibt nichts Schöneres als mit Pferden im Wald zu arbeiten“ Thilo Rinn

Brav dreht das RheinischDeutsche Kaltblut nach links ab. Die beiden Forstunternehmer Uwe Weil und Thilo Rinn gehören zu den letzten Holzrückern in der Region, die noch traditionell zu Pferd in der Forstwirtschaft tätig sind. Unlängst hat schweres Gerät Einzug in die moderne Waldarbeit gehalten, eine Pferdestärke reicht nicht mehr. Moderne Effi zienz, doch hinterlässt die Technik ihre Spuren. Eine zunehmende Bodenverdichtung, ein enges Wegenetz und Flächenverlust sind die Folgen. „Das ganze Gelände leidet unter den Maschinen, der Wald hat an Qualität verloren“, kritisiert Uwe Weil. Er setzt wie sein Kollege auf ein kombiniertes Einschlagsystem in der Forstwirtschaft. Als tierische Arbeiter schleppen Pferde die Stämme zum Abtransport an die Rückegassen – emissionsfrei. Ein ökologisch sinnvolles und konkurrenzfähiges Arbeitsverfahren, finden die Pferdeführer. Bei vielen Waldliebhabern haben die tierischen Mitarbeiter Fans. Auch die Forstverwaltung weiß um diese schonende Ergänzung zur Maschine. „Die Kombination ist ideal, aber die Einsatzmöglichkeiten sind sehr begrenzt,“, relativiert Dr. Lars Wagner vom Forstamt Biedenkopf. Eine Zukunft der Rückepferde liegt nur in der reinen Vorarbeit zwischen Holzeinschlag und Endrücken. Sie bilden wohl das letzte Bindeglied zwischen Moderne und Tradition. Und die leben und genießen ihre idealistischen Halter sichtlich. „Ich liebe diese Arbeit einfach, ich setze mich auf keine Maschine mehr“, versichert Thilo Rinn. Mit geübtem Griff kettet er den letzten Stamm des Tages an das Geschirr. „Hopp! Vorwärts!“. Ein letztes Mal legt sich „Idefix“ ins Zeug und räumt den Weg frei.

von Ina Tannert

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