Muskel trifft Hackbrötchen

So schleppt der Profi Möbel

Ein Umzug von A nach B kann sich durchaus zu einer Mammutaufgabe entwickeln, ist eine logistische Meisterleistung, die es wohl in jedem Leben mindestens einmal zu bewältigen gibt. Wer bei diesem zeitaufwendigen Unterfangen die eigenen Nerven, die hilfsbereiten Freunde oder den Rücken schonen möchte, lässt die Profis ran an das wertvolle Mobiliar und die schwere Arbeit. Diese Entscheidung traf auch Familie Dörr aus Marburg, die es im Herbst vom Südviertel in die Nordstadt zog.   Um halb acht am Morgen steht der fünfköpfige Trupp des alteingesessenen Marburger Umzugsunternehmens HPS Transporte in den Startlöchern. Im Gepäck wichtige Hilfen für jeden Umzug: jede Menge Kartons, Spann- und Tragegurte und viel Muskelschmalz. Voller Arbeitseifer legen sich die kräftigen Jungs ins Zeug, stemmen über Stunden dutzende Kartons, Kleidersäcke,
Tische, Stühle, Kommoden und das große Sofa. Mal alleine, mal zu zweit nehmen die Mitarbeiter die unhandlichen Möbel in Angriff, an diesem sonnigen Herbsttag fließt der Schweiß schnell in Strömen. „Es ist hart, aber es spart das Fitnessstudio“, erklärt Ken Adjei-Musa und grinst, während er fast vollständig hinter mehreren Säcken, die er auf dem Rücken bugsiert, verschwindet. Ein dankenswerter Umstand für die Umzugshelfer: es gibt einen Balkon, zum Einsatz kommt somit der mobile Möbelaufzug, der bis zu einer Höhe von 21 Metern gefahren werden kann. Hin und Her wandern Möbel wie Mitarbeiter, die an diesem Tag zahlreiche Kilometer auf engstem Raum zurück legen.

Polster aus Plastik  

Über alles wacht Chef Helmut Sommer. Der erfahrene Umzugsprofi koordiniert die Aktion, bestimmt Reihenfolge und Lagerplatz dieser oder jener Stücke und ist überall gleichzeitig. „Beim Umzug sind wir vieles: Umzugshelfer, Inneneinrichter, Designer, einfach alles“, berichtet der große Mann mit einem Schmunzeln. Neben reiner Muskelkraft ist in seinem Job auch Feinarbeit und vorausschauendes Denken angebracht. Den zerbrechlichen Glastisch schraubt er sicherheitshalber auseinander, verteilt zahlreiche Rollen Plastikfolie. Allerhand aus Glas, jede Menge Spiegel und Deko-Elemente verschwinden hinter Luftpolsterfolie, landen sicher im Transporter. Es ist Mittag, kurze Pause, das Team stärkt sich mit Kaffee und Hackbrötchen. Teil eins des Umzugstages ist erfolgreich erledigt, die Wohnung wie leer gefegt. Gemeinsam geht es in den Norden Marburgs. Dort wartet gleich ein neues Problem: Die Wohnung ist nur durch eine enge Außentreppe erreichbar, Sträucher und Bäume engen die Laufwege ein. Egal, hartnäckig arbeiten sich die Fachkräfte nach oben. Die wertvollen, zerbrechlichen Möbel durch das Gestrüpp zu bugsieren, erfordert schon so einige Sisyphusarbeit. Kurzerhand wird eine Leiter zweckentfremdet und hält die herab hängenden Zweige in Schach, Problem gelöst. All die kleinen und großen Einzelstücke, die zuvor in den beiden LKW nach dem „Tetris-System“ ihren Platz fanden, landen nach und nach im neuen Familienheim. Der ein oder andere Stau am engen Eingang lässt sich nicht vermeiden, spontan werden die Kartons eben durch ein Fenster bugsiert, das spart Zeit. Generell ist die Aktion nur ein „mittelmäßiger Umzug“, bequem bei Tageslicht und ohne außergewöhnliche Hürden. Anders sieht die Sache da schon bei einem nächtlichen Auslandsumzug aus. Dann wird von früh morgens bis tief in die Nacht gearbeitet, „aber es ist ein klasse Job, man kommt ganz schön herum“, berichtet Ken zwischen zwei Gängen. Heute jedoch bleibt ihm das erspart. Es ist halb drei am Nachmittag, der letzte Stuhl findet seinen Platz in der neuen Wohnung, der Umzug ist geschafft. Scherben gab es keine an diesem Tag, bis auf einen blutigen Daumen, den sich der Chef beim Hantieren mit dem Cuttermesser einhandelte, sind auch die Fachkräfte unversehrt. Insgesamt dauerte die Aktion sieben Stunden, fast schon ein kurzer Arbeitstag. „Es hat sogar Spaß gemacht, ein guter Tag“, freut sich Christian Strerath gemeinsam mit der Familie über einen reibungslosen Umzug.

 

von Ina Tannert

 

 

 

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