Die Brötchengeberin

Der Prüfungsausschuss hat entschieden: Ruth Schäfer ist die beste Azubi-Bäckereifachverkäuferin Hessens.

Keine verkauft in Hessen so gut wie Ruth                        

Das Sortiment kennen und ein bisschen freundlich sein zum Kunden – mehr ist es doch nicht, was man beherrschen muss. – Wer das Berufsbild der Bäckereifachverkäuferin so einschätzt, liegt reichlich daneben.
Selber backen bei jeder Außen- und Raumtemperatur, parallel Kunden und Ofen bedienen, Ware bedarfsgerecht bestellen, Kaffee reichen, Milchschaum bereiten, die Ware ansprechend präsentieren, dekorieren, mehrmals um- und nachräumen – das sind nur Beispiele für einzelne Arbeitsschritte, die sich durch den Alltag von Ruth Schäfer ziehen. In ganz Hessen macht die 20-jährige ihren Job von allen Auszubildenden am besten und räumt ein: „Etwas Multitasking ist da schon nötig.“    
Die gebürtige Fischelbacherin, die im Anschluss an ihr gutes Abschneiden das Land Hessen beim Bundeswettbewerb in Weinheim vertrat und Vierte wurde, stammt aus einer Handwerkerfamilie. Erst kürzlich eröffnete ihr die Mutter, mit welchem Engagement sie schon als Kind an der Spielzeug-Registrierkasse hantiert habe. Das Interesse für den Verkauf von Ware fand nach ihrer Mittleren Reife eine perfekte Resonanz bei Schäfers Backstuben in Biedenkopf, einem Bäckereibetrieb mit derzeit 550 Mitarbeitern und 53 Filialen. Mit Franziska Fett steht den Auszubildenden dort eine eigene Betreuerin zur Verfügung, die praktisch rund um die Uhr nur für den Nachwuchs da ist.
Gemeinsam gearbeitet, gemeinsam gewonnen: Ruth Schäfer und ihre Ausbildungsleiterin Franziska Fett (rechts) sowie Jan-Patrick Wallentin, zuständig für Marketing bei Schäfers Backstuben. Jan-Patrick Wallentin von der Marketingabteilung der Biedenkopfer Bäckerei stellt zufrieden fest: „Wenn Menschen aufeinandertreffen, die ihren Job mit Herzblut und Engagement machen, sind gute Ergebnisse oft vorprogrammiert.“

Die Rückmeldung ihrer Ausbildungsleiterin und die Anerkennung der Inhaberfamilie Lichtenthäler bedeuten Ruth Schäfer viel. Eine angenehme Atmosphäre in ihrer Filiale „Alte Schmiede“ in Bad Laasphe und Kunden, die diesen Ort gutgelaunt verlassen, sind für sie gleichermaßen Ziel und Erfüllung. Ruth Schäfer beschreibt ihren Arbeitsplatz auch als Kommunikationspunkt, der durch Austausch innerhalb der Kundschaft aus dem Ort auch eine Drehscheibe für Neuigkeiten sei.
Der Anspruch an eine Verkäuferin gehe weit über das Backwarensortiment hinaus. So müsse man für den Umgang mit Menschen einen Blick entwickeln: Abschätzen, mit welcher Art von Kunden man es zu tun habe, entsprechend auf ihn eingehen, Anspannung abfedern, Wünsche erkennen. Auch Kundengespräche zu führen, sei prüfungsrelevant.
Die junge Frau, inzwischen stellvertretende Filialleiterin, wünscht sich eine höhere Wertschätzung des Berufsbildes Verkäuferin und eine andere Sicht auf das Handwerk. Der Gesetzgeber hat einen bedeutungsvollen Teil dazu vor kurzem umgesetzt: Das gute Abschneiden beim Landesentscheid öffnet der Hessensiegerin Ruth Schäfer die Tür jeder Uni. Sie könnte direkt studieren. Abitur gespart.

 

Text: Angela Heinemann/ Fotos: Rainer Waldinger

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