Auf stattlichem Sporn

Rauschenberg schon seit 750 Jahren im Besitz der Stadtrechte

 

Am oberen Rand der alten Stadt, weithin sichtbar, befindet sich die Kirche. Foto: Gleim

Rauschenberg - Die Stadt zählt zu den im mittleren Deutschland so zahlreichen kleinen Städten, welche im hohen Mittelalter als Instrumente der Herrschaftssicherung und Wirtschaftsförderung gezielt gegründet wurden. 1266 verlieh Graf Gottfried V. von Ziegenhain der schon länger bestehenden und bereits 1250 als Stadt bezeichneten Siedlung nach einem Stadtbrand die bereits für Amöneburg gültigen Stadtrechte. Warum ausgerechnet Rauschenberg?

Zu Abtei Fulda gehörig

Rauschenberg gehörte der Abtei Fulda, also ebenso wie die Amöneburg einem geistlichen Herrn. Die Ziegenhainer Grafen waren Lehensträger der Äbte. Mit dem Aussterben der Ziegenhainer Grafen 1450 ging Rauschenberg in den Besitz der hessischen Landgrafen über, zwei von ihnen sind nach Jagdunfällen in Rauschenberg gestorben. Ansatzpunkt der Stadtentstehung, optisch gut nachvollziehbar, bildete ein stattlicher Bergsporn, der sich zur Anlage einer Burg eignete. Unterhalb davon schloss sich die Stadt am Hang Richtung Wohratal fast nahtlos an. Die später zum Schloss umgebaute Burg wurde 1646 zerstört. Nur Reste blieben inmitten eines parkartigen Waldes erhalten. Von einem nach der Zerstörung noch aktivem Schlossgeist, einer hilfreichen weißen Jungfrau, wird berichtet.

Ein Stadttor noch erhalten

Weithin sichtbar ist die Evangelische Pfarrkirche, deren älteste Teile aus der Zeit der Stadtwerdung stammen. Das Gotteshaus weist eine beeindruckende Inneneinrichtung auf, darunter einen Flügelaltar aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts. Rauschenbergs Rathaus, 1557/58 errichtet, ein stattlicher dreigeschossiger Fachwerkbau, beherbergt bis heute die Stadtverwaltung. Charakteristisch für den Marktplatz sind zahlreiche, teils repräsentativ gehaltene Fachwerkhäuser. Teile der einstigen Stadtbefestigung umsäumen den mittelalterlichen Stadtkern. Das Schlosstor – neben der Kirche – blieb als einziges Stadttor erhalten.

Mit weiten Ausblicken

Der geringe Abstand zu den Nachbarstädten Gemünden (14 Kilometer) und Kirchhain (6 Kilometer) sowie die Lage am Ostrande des siedlungsarmen Burgwaldes begrenzten die Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt. Kaum 2000 Menschen leben hier. Nicht nur das historische Kleinstadtambiente lässt einen Besuch reizvoll werden. Es gibt ein gemütliches Freibad, ein inhaltlich breit konzipiertes Heimatmuseum (Anmeldung über die Stadtverwaltung unter Telefon 06425-92390) und Einkehrmöglichkeiten. Bei guter Aussicht lohnt ein Gang auf den „Sosenberg“ nordöstlich der Stadt, 326 Meter hoch mit mehreren weit reichenden Ausblicken.

Text/Fotos: Günter Gleim

2016

 

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