Kirchhain

Der Gänsemarkt in Kirchhain

Historische Gegenpol zur Amöneburg

1146 wurde die damals „Werplohen“ (Hügel mit Bäumen) genannte Siedlung erstmals schriftlich erwähnt und als Neurodung charakterisiert. 1244 gelangte der inzwischen als Kirchhain bezeichnete Ort in den Besitz des Deutschen Ritterordens. Ein Jahrhundert später fassten die hessischen Landgrafen hier Fuß und entwickelten die Siedlung binnen kurzem zu einem wichtigen Stützpunkt in den Auseinandersetzungen mit dem Erzbistum Mainz. Dieses besaß ja mit der nur fünf Kilometer entfernten Stadt Amöneburg umfangreichen Besitz in der Region. Anschließend an den hochgelegenen Kirchhof wurde 1344 eine Burg angelegt. Kirchhain bekam wenig später Stadtrechte und erhielt eine stattlichen Befestigung, zu der einst über 20 Türme zählten. Die Bedeutung der hochwassersicher an und auf einem Basalthügel gelegenen Stadt lag in der Beherrschung des Ohmüberganges und der Kontrolle von Fernstraßen nach Frankfurt, Kassel, Leipzig und ins Rheinland. An die Traditionen als wichtige Landstadt erinnern das Fachwerk-Rathaus, errichtet 1450 und 1480, sowie einige repräsentative Bürgerhäuser.

Kirchhain - Ausflugstipp für Radwanderer: von Marburg aus eine Stunde hin, eine Stunde zurück.

Von der Stadtbefestigung blieb neben kurzen Mauerabschnitten vor allem der „Hexenturm“ erhalten. Weithin sichtbar überragt die Michaelskirche die Stadt. Die Hallenkirche entstand im 15. Jahrhundert und unterlag zahlreichen Umbauten. Bis ins frühe 19. Jahrhundert blieb der Deutsche Ritterorden in Kirchhain präsent. Der einstige Wirtschaftshof, der „Gillhof“, beherbergte von 1821 bis 1932 die Verwaltung des Kreises Kirchhain. Auch die nahe gelegene „Große Mühle“ mit ihrer verandaartigen Vorlaube befand sich ursprünglich in Ordensbesitz. Kirchhain war stets ein wichtiger Verkehrsknoten – damit im Zusammenhang standen die bedeutenden Viehmärkte, die hier stattfanden. Im beginnenden Industriezeitalter erhielt die Stadt Anschluss an die Main-Weser-Bahn von Kassel nach Frankfurt. Das mit der Streckeneröffnung 1850 errichtete Empfangsgebäude, ein Ziegelrohbau, steht noch heute und wurde kürzlich renoviert. Und die Verkehrszentralität der Stadt blieb selbst im „Fahrradzeitalter“ gewahrt: In Kirchhain kreuzen die Radfernwege R2 vom Oberlahntal in den Spessart und R6 von Waldeck ins Oberrheintal einander. Auf gut ausgebauten, fast ebenen Wegen lässt es sich leicht von Marburg nach Kirchhain radeln mit seiner lebendigen, rege frequentierten Innenstadt und einer Vielzahl von Fachgeschäften sowie Einkehrmöglichkeiten

von Dr. Lutz Münzer

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