Eine Gemeinschaft formen

mrlife im Gespräch mit Claudia Schnabel

Es passt zu Claudia Schnabel, dass sie sich nicht so recht entscheiden kann bei der Frage nach der Schlagzeile, die sie zukünftig am liebsten über Fronhausen lesen würde. Nicht, weil die 43-Jährige zu ungeduldig ist, oder gar möglichst alles auf einmal in der Großgemeinde mit 4.100 Einwohnern erreichen möchte. Nein, es stimmt ganz einfach mit ihrem Leitbild überein, mit dem sie vor gut zwei Jahren ihren Hut in den Ring beim Bewerben um den Chef(innen)-Sessel geworfen hat: „Eine Politik des Miteinanders zu pfl egen, aus Fronhausen wieder eine Gemeinschaft zu formen.“ Und zu diesem guten Miteinander gehören für sie eben auch entsprechende Rahmenbedingungen: Dass die Gemeinde ein neues Gewerbegebiet ausweisen kann, weitere Arbeitsplätze entstehen und Fronhausen weiter vor allem für junge Familien attraktiv bleibt. Dass Fronhausen und seine Ortsteile weiter wachsen, Jung und Alt gut zusammen leben können. Und dass es um die Finanzen der Gemeinde kontinuierlich gut bestellt ist - nicht nur einmal, wie beim zuletzt von ihr präsentierten ausgeglichenen Haushalt, dem ersten, für den sie sich  als Verwaltungschefi n verantwortlich zeichnet. Denn dass Geld zur Verfügung stehe, sei die Voraussetzung dafür, auch die Projekte umzusetzen zu können, die es anzugehen gelte: zum Beispiel die Umgestaltung des Festplatzes am Bahnhof in Fronhausen.
Dass die Menschen nicht alleine in ihren großen Häusern alt werden, zur Bewältigung dieser Herausforderung sei der Aufbau von Bürger- und Nachbarschaftshilfe notwendig – eines entsprechenden Angebots ehrenamtlicher Arbeit: sowohl für zu Betreuende wie für Menschen, die sich engagieren wollen. Während Claudia Schnabel sich ihre Gedanken über ihre Heimatgemeinde macht, liegt Hündin „Kaya“ still unter dem Schreibtisch im Rathaus. „Zuhause“, eine Bedeutung des Namens kommt nicht von ungefähr: Vor fast einem Jahr hat die rumänische Straßenhündin ihres bei den Schnabels gefunden. Die Gedanken gehen aber auch über die Grenzen der Großgemeinde hin aus: „Eine der größten Aufgaben wird es sein, wie wir mit den Gemeinden Lohra und Weimar interkommunal zusammenarbeiten können.“ Denn die Rathaus-Chefin ist sich sicher: Als kleine Kommune könne man sich den Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft nicht alleine stellen, „da würden wir nur an der Oberfläche kratzen“. Wie aus der gut funktionierenden Zusammenarbeit mit den Bürgermeister-Kollegen eine auf Gemeindeebene werden könne, darüber sei noch nicht entschieden. Ob beispielsweise als Gemeindeverwaltungsverband oder – gemeinschaft,  das würden Gremien und Bürger gemeinsam erarbeiten – wobei wir wieder beim Miteinander wären. Bei all dem will sie ihr „fundiertes Wissen aus der freien Wirtschaft nun für die Gemeinde einsetzen“. Und ein klein wenig Ungeduld legt sie dann doch an den Tag. „Es ist mir anfangs mitunter schon ein klein wenig schwer gefallen, die Verwaltungsabläufe nicht nur zu verstehen, sondern sie auch zu akzeptieren.“

Dass sie bei all dem als erste Rathaus-Chefin im Landkreis Marburg Biedenkopf mitunter im Fokus steht, ist Claudia Schnabel bewusst. Aber auch, dass ihre Wahl nach der von Kirsten Fründt zur Landrätin ein weiteres Zeichen gesetzt hat. Dass sich Frauen trauen, Führungsaufgaben zu übernehmen. Und dies, so ist sich die Fronhäuserin sicher, „anders als die Männer, zurückhaltender, aber dennoch zielorientiert“ – miteinander eben. Und  damit weitere Frauen sich politisch trauen, nach vorne zu treten, müssten sie vor allem die Angst ablegen, das öffentlich zu präsentieren, für das sie stehen.

Im Porträt:

Claudia Schnabel ist 43 Jahre alt und Mutter zweier Kinder (10 und 7 Jahre). Mit diesen und Ehemann Marc lebt sie in der Kerngemeinde, in der sie selbst groß geworden ist, in der auch ihre Eltern und Schwiegereltern leben. Bevor sie sich um das Amt der Bürgermeisterin beworben hat, war sie neun Jahre im Gemeindeparlament aktiv, zuletzt als Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses. Zunächst für die „Bürger für Fronhausen“, seit 2013 dann für die „Initiative Fronhausen“, die sich abspaltete, um „parteipolitisch unabhängig und bürgernah zu arbeiten“. Seit der Kommunalwahl im März 2016 ist die Initiative mit 9 von insgesamt 23 Sitzen stärkste politische Kraft im Gemeindeparlament. Beruflich führte der Weg Claudia Schnabel nach dem Betriebswirtschaftsstudium über die Controlling-Abteilungen eines Anlagenbauers und der Deutschen Bahn zu einem großen Marburger Unternehmen, wo sie zuerst in verschiedenen Funktionen im Finanzbereich und von 2011 bis zu ihrer Wahl zur Bürgermeisterin als Leiterin des Rechnungswesens tätig war.

von Manfred Günther

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