E-Bikes fürs Gelände

Fahrradfahren in einer neuen Dimension, elektrisch unterstützt

Seit Jahren suche ich nach einer Rundstrecke, die einmal rum durchgehend ein wenig Gefälle hat. Schließlich will man was tun für die Fitness. Vorige Woche hat mir Christoph Fuchs ein Gelände-E-Bike unter den Hintern geschoben: „Probier mal aus übers Wochenende“, hat er gesagt. Christoph Fuchs leitet die nigelnagelneue E-Bike-Abteilung von Kaphingst. Ich wollte für mrlife einfach nur mal gucken, was die da so alles haben nach dem riesigen Umbau. Als Spezialist in Sachen Mobilität macht Kaphingst nun auch in E-Bikes. Und wie: Ein Riesenangebot vom ganz normalen Straßenfahrrad mit elektrischer Unterstützung bis hin zum Mountain-Bike, mit dem man steilste Waldwege hochkommt.
Ich bin in Wehrda gestartet. Mit leichten Tritten über die Brücke nach Wehrda rein, über den Kreisel kurz Richtung Marburg und dann einfach rechts den Huteweg hoch zur Sparkasse. Ich brauchte noch Geld fürs Wochenende. Der Huteweg ist eigentlich recht steil für Fahrräder. Ist mir diesmal gar nicht aufgefallen. Das E-Bike unterstützt jede Pedalumdrehung so elegant, dass man das Gefühl hat, mit eigener Körperkraft zu fahren. Warum nicht rechts das Paradies hochfahren? Oben am Waldrand Gedankenspiel. Fahrradfahren in einer neuen Dimension. Und dennoch Fahrradfahren wie immer: vorne lenken, unten treten. Und wenn es nun ausgerechnet ein Mountain-Bike ist, dann will ich auch Mountain fahren. Kaum zehn Minuten später stand ich in dem alten Metallpavillon auf der Kirchspitze und blickte auf das im Frühdunst liegende Marburger Schloss. Ich war nicht erschöpft, kaum geschwitzt. Aber euphorisiert vom Ritt durch den Wald.

Panoramablick: Von der Kirchspitze

Panoramablick: Von der Kirchspitze

Nach bergauf kommt bergab. Das ist mit dem Fahrrad auch nicht immer ganz einfach. Wohl aber mit dem E-Gelände-Fahrrad, das so gut die Berge hochkommt. Mit kleinen Fingerhebeln lassen sich die Scheibenbremsen vorn und hinten mit wenig Kraft leicht dosieren. Es geht also ebenso leicht den Berg wieder runter, den man eben noch so leicht raufgefahren ist.
Später lade ich das Fahrrad in mein Auto und fahre nach Nordhessen ins Werratal. 300 Höhenmeter über dem Werratal liegt in der Nähe der ehemaligen Grenze der Plesseturm. Ich hebe das Fahrrad in Wanfried aus dem Kofferraum und stelle es eine halbe Stunde später an den Aussichtsturm auf der Plesse. Nochmal ein ganzes Stück höher als die Kirchspitze am Vormittag. Und die Talfahrt ging wieder ebenso einfach – zügig und sicher. Braucht der normale Fahrradnutzer so ein bärenstarkes Bike? Vielleicht nicht, aber mords Spaß hat es gemacht. Es muss ja nicht solch ein Spaß-Bike sein. Normale Straßenräder mit Motorunterstützung, also Pedelecs, sind in hohem Maße alltagstauglich und können gar „Ersatz für das Auto sein“, wie Ralf Finger vom Radwerk am Grün erläutert. Mit solch einem Pedelec könnten auch Untrainierte zum Beispiel auf die Lahnberge zur Arbeit fahren, ohne kaputt und verschwitzt dort anzukommen. Hans-Joachim Herbener von Zweirad-Herbener in Kirchhain sieht Paare mit unterschiedlichem Leistungsvermögen als Kunden. „So können sie gemeinsam auf Tour gehen, ohne dass einer immer hinterher fährt“. Allerdings empfiehlt er, „unbedingt eine Testfahrt mit dem E-Bike zu machen“. Dann merkt jeder schnell, ob das was für ihn ist. Der einschlägige Fachhandel, wie Herbener, Radwerk oder nun auch Kaphingst hält unterschiedliche Modelle für Probefahrten bereit.

Text/Fotos: Günter Gleim

 

 

 

Joomla Plugin