Wandern mit Münzer

Serie: Auf und um  die Amöneburg

Einmalig mit ihrer isolierten Lage inmitten einer Fastebene ist die Amöneburg in Deutschland. Gut 160 Meter beträgt der Höhenunterschied zwischen dem umgebenden, nach der Stadt auf dem Berg benannten Becken und ihr selbst. Nicht allein die Ungewöhnlichkeit des Berges macht den Reiz aus – hinzu kommen Geschichtsträchtigkeit und Schönheit des ihn krönenden Städtchens.
Schon in keltischer Zeit gab es hier eine befestigte Siedlung. Aus dem Jahr 721 datiert die erste schriftliche Erwähnung. Damals gehörte die Burg Amöneburg zum fränkischen Reich und Bonifatius, der aus England stammenden „Apostel der Deutschen“, begann von hier aus im hessisch-thüringischen Raum seine Missionstätigkeit. In Amöneburg selbst gründete Bonifatius ein Kloster. Burg und Kloster gingen in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts in den Besitz des Erzbistums Mainz über. Dem Kloster war kein langes Leben mehr beschieden. Die Bergfeste blieb fast ununterbrochen bis zum „Reichsdeputationshauptschluss“ 1803 in Mainzer Besitz, um dann an Hessen zu fallen. Amöneburg bildete den Mittelpunkt der Mainzer Territorien in Hessen. Im frühen 13. Jahrhundert erfolgte die Gründung der Stadt neben der um 1300 ausgebauten Burg.

Auch Otto Ubbelohde hat Amöneburg gut gefallen

Letztere verfiel nach Beschädigungen im Siebenjährigen Krieg 1762. Nur noch Teile der Burgmauer und der Stumpf des Bergfrieds erinnern an sie. Groß ist die Zahl der Gebäude in der Stadt aus der Frühneuzeit. Abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt wurde 1865 die Kirche des 1360 eingerichteten Kollegiatstiftes. Jedoch blieb der aus dem Spätmittelalter stammende Turm erhalten.
Amöneburg und seine unmittelbare Ergebung erschließt seit Neuestem der zertifizierte Wanderweg „Amanaburch-Tour“. Er berührt auch die an der Ohm gelegene Brücker Mühle. Hier fand um den Übergang über den Bach im September 1762 eine der letzten größeren Kampfhandlungen des Siebenjährigen Krieges statt. Der Friedenstein erinnert an den endlich geschlossenen Waffenstillstand.
Kein Wunder, dass die Stadt auf dem Berge dem Maler Otto Ubbelohde (1867-1922) bei seinen weltberühmten Illustrationen zu den Märchen der Brüder Grimm höchstwahrscheinlich als Motivvorlage diente, und zwar für das Märchen „Dornröschen“.

von Dr. Lutz Münzer/ Fotos: Waldinger; Dr. Münzer

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