Sport ist nur für Profis - Irrtum!“

Kickboxen und Reiten sind die Hobbys der sportlichen Debora. Sie trainiert Kraft und Ausdauer als Grundlage.

 Fakten von Experten.

 „Sport ist Mord“, sagen die einen, und bezeichnen damit augenzwinkernd ihren inneren Schweinehund. „Bewegung ist Medizin“, erklärt der Marburger Herzprofessor Dr. Bernd Noll, „diese müssen Sie ja auch regelmäßig einnehmen.“ Aber es komme auf das richtige Maß an. Also wann tut Sport wirklich gut? Ist es zu spät, im Alter mit Sport anzufangen? Gilt die Formel maximale Herzfrequenz 220 minus Lebensalter für jeden - Ältere wie Jüngere? Schadet Joggen auf dem Asphalt? Rückenschmerzen kommen vom schwachen Rücken? Gar nicht leicht, im Dickicht der Mythen rund um das Thema Sport durchzublicken. Experten helfen weiter.

Das Hirn wird durchblutet

In einer aktuellen Studie haben französische  Wissenschaftler nachgewiesen, dass regelmäßige körperliche Betätigung bei Menschen über 65 Jahren positive Auswirkungen auf Körper und Geist hat. „Bewegungstherapie führt nachweislich zu gesteigerter Hirnaktivität und -durchblutung“, bestätigt der Marburger Kardiologe Professor  Dr. Bernd Noll. Bei Bewegung zählt jeder Schritt. Doch reicht das für einen Trainingseffekt?  „Ist die Belastung immer gering, mag das gesund sein, aber einen nachhaltigen Trainingseffekt erzielt man dadurch nicht“, erklärt der Kölner Sportwissenschaftler Dr. Philipp Zimmer. „Ein Training muss auch mal intensive Einheiten enthalten“, erklärt Personal Trainer und sportlicher Leiter Stefan Weil vom vita fitness in Marburg. Er vergleicht das Training mit einem Grill: „Das Ausdauertraining feuert unseren Grill an. Die gute Glut entsteht durch das Grundlagen-Ausdauertraining. Doch um Kraft und damit Muskeln aufzubauen und Fett zu verbrennen, holt man den Fön raus, entwickelt Hitze. „Also zwischen dem gemäßigten Joggen oder Radfahren auch mal intensivere, schnellere Einheiten einbauen“, erklärt der Coach.

Laufen muss gelernt werden wie das ABC

Wie hoch darf dann der Puls steigen. Stimmt die Formel 220  minus Lebensalter? „Die Herzfrequenz ist so individuell wie der Fingerabdruck eines Menschen. Hier kommt es auf den jeweiligen Trainingszustand an, die Abweichung kann bei plus minus 20 Pulsschläge pro Minute liegen“, erklärt der Marburger Leichtathletik Trainer Helmut Schaake. Deshalb sollten Anfänger sich beim Arzt grünes Licht geben lassen. Auch die Furcht, Laufen könne „auf die Gelenke gehen“, lässt sich wissenschaftlich entkräften. „Lauf-ABC-Übungen tragen ihren Namen zu Recht, denn wie das Erlernen des Alphabetes dem Lesen und Schreiben vorauskommt, sind Lauftechnik Übungen ein Basistraining zur Entwicklung eines kraft- und gelenkschonenden Laufstils“, sagt Lauffexperte Sven Hoffmann vom Laufshop in Marburg. Schadet Joggen auf Asphalt den Gelenken? „Heute wird der Schuh individuell auf Fuß, Bewegung und Körpergewicht angepasst, da kann  auf Asphalt problemlos gelaufen werden“, sagt Sven Hoffmann.

Bei Rückenschmerzen vordere Muskelkette strecken

Oft sind Muskelkrämpfe die Folge von sportlicher Belastung. Was fehlt dem Körper?„In den meisten Fällen fehlt die Dehnfähigkeit des Muskels“, sagt Trainer Helmut Schaake. „Jeden Morgen sich wie eine Katze strecken, sich dehnen“, erklärt die Pilatestrainerin Marija Markowitz aus Marburg. Das brauche unser Bindegewebe, um geschmeidig zu bleiben. Dehnen auch bei Rückenschmerzen oder sollte die Rückenmuskulatur gestärkt werden? „Irrtum, viele Menschen versorgen ihren Körper nicht mit den notwendigen Bewegungsanreizen. Das führt dazu, dass unsere vordere Muskelkette verkürzt ist und die Faszien verfilzen“, sagt Coach Stefan Weil. „Wir müssen wieder die vordere Muskelkette und die Faszien strecken und damit den ganzen Körper stärken.“

von Thomas Dannenmann

Joomla Plugin