Diese hyggeligen Dänen!

Zu Gast an der Südjütländischen Kaffeetafel in einem gemütlich-unaufgeregten Land

Von Kurt Sohnemann/Life-Magazin

Dorte Amelung, Frank Hansen, Sune Axelsen und Jesper Kock zeigen, was zur Kaffeetafel gehört. Foto: Sohnemann.

Sønderborg – Wie Tapas zieren kleine Brötchen, aus denen bescheiden Käsescheiben ragen, die Tische. Umrahmt werden sie von Kuchenstücken, die ein Fünfjähriger als portionsgerechtes Häppchen empfinden würde, liebevoll zubereitet und zu Hunderten auf den Tischen verteilt, mit Blaubeeren und Sahne gefüllt oder auch nur als fester Teig mit Zucker dekoriert. Jesper Kock und Sune Axelsen dekorieren die Tische mit ihrem Team, das für die Feier zuständig ist, die ein- bis zweimal jährlich in Sonderborg stattfindet – bei der Südjütländische Kaffeetafe, zu der sich im Laufe des Nachmittags Dutzende von Gästen einfinden, die miteinander reden, singen und eben die kulinarischen Besonderheiten genießen, für die es eine festgelegte Rezeptfolge gibt.

Schon Routine

Dem Anlass angemessen darf Altbürgermeister Abe Hansen die Tafel eröffnen. Er hat darin schon Routine, denn mit seinen über 80 Lebensjahren weiß er um die schier endlos scheinenden Anekdoten. Geschichten, die sich um diese 28 000 Einwohner zählende Stadt auf der Insel ranken, machen die Runde. Die weit über 100 Gäste lachen über die Pointen des Referenten, der beizeiten vom derzeitigen Amtsinhaber abgelöst wird, der sich ebenfalls in die Pflicht genommen fühlt, der Tafel seine Aufwartung zu machen.

Aus der Not heraus

Die kulinarische Einrichtung ist das Ergebnis der ehemaligen deutschen Belagerung Südjütlands nach dem ersten Weltkrieg bis 1920. „Wir haben damals nicht die Möglichkeit der Versammlung gehabt, also wurden Kaffeetafeln organisiert, auf denen dann die notwendigen Informationen verbreitet wurden“, klärt ein Historiker auf, der ein wenig Stolz auf die Findigkeit seines Volkes zu sein scheint. Dänemark hat sich nicht nur pfiffig in vielen Situationen verhalten, die nördlichen Nachbarn der Deutschen haben sich auch mehrfach die Krone für das glücklichste Volk aufsetzen lassen. In jüngster Vergangenheit ist die Eigenschaft, sich glücklich zu schätzen, und auch die damit verbundene Lebensgewohnheit als hyggelig bezeichnet worden. Ein typisch dänischer Ausdruck, der die Unaufgeregtheit in Verbindung mit Gemütlichkeit widerspiegelt.

Bloß keine Hektik

Schon auf dänischen Straßen verdeutlicht sich die hyggelige Lebensweise der Menschen an der Art, wie sie Auto fahren. Trifft man auf Verkehrsteilnehmer mit zerbissenem Lenkrad oder permanent links gesetztem Blinker, kann es sich in aller Regel nur um einen Gast aus Deutschland handeln. Der Däne hält sich mit wenigen Ausnahmen an die Verkehrsregeln und verbreitet auch nach Abstellen des Fahrzeugs keinerlei Hektik.

Kreatives Zeichen

Mittlerweile haben die Nachfahren der Wikinger auch in der Küche Zeichen für Kreativität gesetzt. Die Sterneküche hat längst Einzug in die Landschaft der roten Würstchen in Hamburger-Brötchenteig gehalten. Drei Gallionsfiguren der prämiierten Küche betreiben in Sønderborg  das „Huset Blom“. In der ehemaligen Villa wird das Food-Sharing-Konzept betrieben. Die Gäste teilen sich die aufgetafelten Speisen ungezwungen und genussreich. Die Küche versteht es, die alle 14 Tage wechselnde Speisenkarte kreativ zu bestücken.

Grundlage Entspannung

Vielleicht ist es auch die Landschaft, die Grundlage für Hygge ist, in der sich beruhigende Gewässer wie Ost- und Nordsee mit weiten Landschaften ablösen. Die Dänen haben neben ihren niedrig gebauten, niedlichen Städten offensichtlich Entspannung in ihre Lebensgrundlagen integriert. Wo lassen sich solche Momente am allerbesten genießen, als in familiärer Atmosphäre mit den angestammten Eigenarten? Besser als in einem Ferienhaus geht das nicht. Davon haben die Dänen Tausende zu bieten. Mit Kamin, Whirlpool und Sauna – natürlich wegen der Hygge.

Auf eigenen Füßen

Wer die Landschaft in vollen Zügen genießen will, nimmt sich das Fahrrad oder tritt der Natur auf eigenen Füßen näher. Da gibt es beispielsweise den Gendarmenpfad, der von Krusa kurz hinter der deutsch-dänischen Grenze bis Horuphav auf 74 Kilometern vorbildlich angelegt ist. Er bietet die Abwechslung der Landschaft in jeder Form und zieht sich einige Kilometer an der Ostsee entlang. Fahrradwege sind in Dänemark noch komfortabler ausgebaut, als es die Radler aus vielen anderen Ländern kennen. Mit einem Mittelstreifen ziehen sie sich über ausgewählte Routen durch Südjütland. Räder können übrigens in hochwertigen Ausführungen immer in der Nähe der Ferienhäuserparks gemietet werden, so dass es keinen Aufwand um den Transport geben muss.

Info (Süd-)Jütland

Jütland erstreckt sich im westlichen Teil Dänemarks auf der Kimbrischen Halbinsel von der deutsch-dänischen Grenze bis zur Landspitze Grenen nördlich von Skagen, ist im Westen umgeben von der Deutschen Bucht, im Norden vom Skagerrak und im Osten vom Kattegat und Kleinen Belt. Es bildet somit im Grunde das dänische Festland, während anderen Teile sich auf Inseln beziehen. Sønderjylland, also Süderjütland oder das südliches Jütland, ist ein älterer Begriff, bezeichnet zusammen mit Schleswig im Prinzip die gleiche Region. Südjütland umfasst demnach den Teil Jütlands zwischen Mitteljütland im Norden und eben Sønderjylland im Süden.

Info Sønderborg

Die Stadt an der Förde unweit der Grenze zu Deutschland bietet trotz der Zerstörungen im Krieg vor allem in den Nebenstraßen einige geschlossene Ensembles, vor allem zwischen Rathaus und Schloss sowie in der Kirchenstraße, zeichnet sich nicht zuletzt durch ihre Jugendstil-Architektur aus. Neben dem Schloss, zugleich Museum, samt Schlossmühle sind Marienkirche, Hafenpromenade, die Klappbrücke über den Alsensund und die Düppeler Schanzen sehenswert, Schauplatz des Deutsch-Dänischen Kriegs 1864. Sønderborg verfügt als beliebtes Touristenziel über einen Sportboothafen. Immer am zweiten Wochenende im Juli findet das Ringreiterfest statt, bei dem Reiter versuchen, mit einer Lanze einen kleinen Ring zu stechen. Information: Sonderjylland, Perlegade 48, 6400 Sønderborg/Dänemark, Telefon 0045-(0)-81824570, www.visitsonderjylland.de. Dänisches Fremdenverkehrsamt, Glockengießerwall 2, 20095 Hamburg, Telefon 01805-326463, www.visitdenmark.com.

Service Auto

Von Flensburg bis Sønderborg sind es mit dem Auto etwa 50 Kilometer. In Orten ist in Dänemark 50, außerhalb und auf Schnellstraßen 80, auf Autobahnen 130, teilweise aber auch nur Tempo 110 erlaubt. Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Zwei Straßenbrücken führen über den Alsensund. Auch von Flensburg aus verkehren regelmäßig Fähren nach Sønderborg, im Volksmund wegen der Fahrt über die Flensburger Förde gern Fördedampfer genannt. Nördlich befindet sich auf der Landzunge Arnkill zwischen Augustenborgfjord und Alsensund der Flughafen mit Verbindungen mehrmals täglich in die mit dem Auto etwa 230 Kilometer entfernte dänische Hautstadt Kopenhagen.

KoCom/Fotos: Kurt Sohnemann

3. April 2018

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