Beim Schiefer Franz

Mit Opel durch den winterlichen Lungau an einem sonnenreichen Kältepol Österreichs

Von Günther Koch/Life-Magazin

 

Ausgelassen traben diese Vierbeiner über die verschneite Wiese bei Thomatal. Foto: Koch

Thomatal – Von Salzburg auf der Autobahn A10 nach Süden. Erst an Hallein vorbei, dann Bischofshofen rechts und Radstadt links liegen lassen, weiter durch den Pongau und etwa bei Kilometer 100 Richtung Sankt Michael abbiegen. Wir sind im Lungau, wo es bei Opels Winterdrive diesmal um den Allrad-Country-Tourer der Flaggschiffbaureihe Insignia geht.

Von hohen Bergen umgeben

Ein herrlicher Tag Ende Januar. Es ist kalt, aber die Sonne scheint vom azurblauen Himmel. Auch Thomatal, das kleine 300-Seelen-Dorf auf gut 1000 Metern Höhe, bekommt von den wärmenden Strahlen etwas ab. Was nicht selbstverständlich ist in einer von hohen Bergen weitgehend abgeschirmten Region. Im Norden und Osten von Radstädter und Schladminger Tauern, im Süden von den Nockbergen der Gurktaler Alpen, im Westen von der Hafnergruppe in den Hohen Tauern. Ja, der Schiefer Franz kennt alle Gipfel, weil er aus dem Lungau mitten in Österreich stammt. Wir treffen den gebürtige Muhrer, Jahrgang 1954, mit Wollmütze und Bommel auf dem Kopf im Thomataler Winterfahrzentrum, wo er sich darum kümmert, dass die Pisten fürs coole Driften und Bremsen präpariert sind, beim herzhaften Essen am Mittag alles stimmt, Hüttenabende und Schlittenfahrt urig verlaufen und bei aller Sicherheit der Spaß bei Quad- und Buggytouren nicht auf der Strecke bleibt.  

Keine Angst vor Eis und Schnee

Nein, sagt der Schiefer Franz, Angst vor Eis und Schnee habe er nicht. Wie soll er auch? Der gelernte Fernmeldetechniker hat 1979 das erste Mal bei einem Eisspeedway-Rennen Gas gegeben, ist danach bei vielen internationalen Läufen an den Start gegangen, hat sogar sein Land bei Weltmeisterschaften vertreten. Auf ein Foto, das eingerahmt in der Einweisungs- und Verpflegungshütte des Winterfahrzentrums hängt, ist er besonders stolz. Es zeigt ihn in voller Montur mit Schutzhelm und Lederbekleidung in 45-Grad-Schräglage bei einem Rennen in Frankfurt/Main. „Hier hat sogar Sébastian Loeb unterschrieben!“ Der bekannte französische Rallye- und Automobilrennfahrer war offenbar einmal da.

Eher einfach, aber umgänglich

Wir kommen ins Gespräch über den Lungau und die Lungauer. Dass die Menschen hier zwar eher einfach seien, aber umgänglich und keine Sturköpfe. Dass sich witterungsmäßig zwar manches verändert habe, die Temperaturen im Winter aber doch noch immer deutlicher sinken würden, obwohl das Wetter nicht mehr so berechenbar, eher wechselhafter sei und man als einer der Kältepole in Österreich mit Temperaturen im Winter bis über minus 20 Grad Celsius trotzdem noch sonnenreich und weitgehend schneesicher sei. Dass die geographische Lage zudem die Region besonders vor Wind schütze, es kaum Nebel gebe, Luft und Wasser daher über eine gute Qualität verfügten. Und dass Traditionen durchaus noch gelebt würden. Zum Beispiel?

Bis zu den Samson-Umzügen

Der Nikolaus etwa, der am 6. Dezember von Haus zu Haus zieht, begleitet von Guatselträgern, die Süßes verteilen, und Krampussen mit Zottelfell und Holzmasken. Die Palmbuschen genannte Zweige, die an den Einzug von Jesus in Jerusalem erinnern. Die Ratscherbuben, die von Karfreitag bis Karsamstag demnächst wieder mit Trommelratschen durch die Lande ziehen. Die Grawirlacheier, die mit speziellen Mustern gefärbt werden. Die Osterfeuer, die nach der Auferstehungsmesse in der Nacht zu Ostersonntag brennen. Das alte Paarspiel in Wölting, bei dem Mädchen und Burschen den neuen Gones-Gänserich ermitteln, Motto „Gones, Gones, kikeriki - des letzte Paarl her für mi“. Die Umzüge, die mit riesigen Samson-Figuren in zehn Lungau- und zwei angrenzenden Steiermark-Orten stattfinden, zuerst nach der Fronleichnamsprozession, danach noch öfter bis September.

Quartier beim Eggerwirt

Sankt Michael, wo wir uns beim Eggerwirt einquartieren, ist so ein Samson-Ort. Von der 3600 Einwohner zählenden Marktgemeinde am Fuß des Speiereck ist es bis zum Skigebiet Katschberg-Aineck und zum Katschbergpass nicht mehr weit. Die Mur bahnt sich hier ihren Weg weiter durch den Lungau. Wegen seiner Lage ist Sankt Michael zu einem nicht unwichtigen Verkehrsknotenpunkt geworden, über die Tauernautobahn A10 sowohl mit Salzburg in der einen wie auch mit Villach in der anderen Richtung angebunden.

(Schloss-)Grusel inbegriffen

Vorm Eggerwirt fragen wir einen Einheimischen, was man sich bei einem Besuch im Lungau anschauen wollte. „Burg Mauterndorf vielleicht, falls Sie die noch nicht kennen“, empfiehlt der offenbar historisch etwas bewanderte Mann aus dem Nachbarort Sankt Margarethen, der namentlich „aber nicht unbedingt“ genannt werden will, „das noch immer im Familienbesitz befindliche Schloss Moosham, das mit seiner Folterkammer an dunkle Mitttelalter-Zeiten erinnert, oder die Burg in Ramingstein mit dem für mich schönen doppeldeutigen Namen Finstergrün.“ Der ältere Lungauer weist auf einigen Wallfahrts- und Pfarrkirchen hin, „falls Sie sich dafür interessieren“. Auf den Friedhof in Lessach mit seinen sonst etwas ungewöhnlichen Truhengräbern. Auf die Josefshütte in Schönfeld „im leider etwas schlichten Gedenken an unseren bekannten Volkspfarrer Valentin Pfeifenberger“.

Bergbau und Kamera-Museum

Und auf einige Denkmäler auch technischer Art etwa in Form der Reste des Gold-, Silber, Nickel-, Kobalt-, Talk- und Arsenabbaus in der Region wie den Hochofen in Bundschuh, das 1780 aufgegebene Silberbergwerk in Ramingstein, die Erzwege dort und den durch die Zinkwand, „das angeblich höchstgelegene begehbare Bergwerk Europas“, sowie die Stollen beim Rotgüldensee. Im Gemeindeamt Zederhaus könne man sich schließlich im Kodak Kamera History Museum eine Ausstellung über 100 Jahr Entwicklungsgeschichte von Kamera und Filmgeräten bis hin zur ersten Detektivkamera anschauen. „Das müsste Sie doch eigentlich interessieren, Sie fotografieren doch auch, wie ich sehe!“

Entlang der Via Culinaria

Über kulinarische Spezialitäten haben wir uns schon vorher mit dem Schiefer Franz unterhalten. Der scheint jedenfalls auch gehört oder gelesen zu haben, dass sich der Lungau ebenfalls als eine Art Genussregion entlang seiner Via Culinaria für „Feinspitze, Naschkatzen, Bierverkoster, Schnapsfreunde, Käsefreaks, Fleischtiger und Hüttenhocker“ versteht, wie es tatsächlich in einer Broschüre über die Region heißt. Aber vieles davon sei nichts für ihn, ein echter Lungauer halte es lieber mit dem Schöpsernen: „Das ist wie Schweinsbraten, nur mit Fleisch vom Schaf“, sagt der Schiefer Franz, zieht seine Mütze noch etwas tiefer ins Gesicht, weil er nach draußen muss. Das Wetter soll umschlagen, statt Sonne soll es morgen Niederschläge geben. Es könnte Glatteisregen geben oder wieder Schnee. „Wir sind schließlich einer der Kältepole im Land!“       

Info Lungau I

Die 1020 Quadratkilometer große Talschaft im Südosten des österreichischen Bundeslandes Salzburgs zählt 20 500 Einwohner in 15 Orten, gilt klimatisch als weitgehend windgeschützt und sonnenreich, aber auch als Kältepol und deshalb ziemlich schneesicher. Der Tourismus spielt eine große Rolle. Im Tamsweg-Bezirk, zu dem die Region politisch gehört, hat es zuletzt pro Jahr 1,3 Millionen Übernachtungen gegeben. Zusammen mit den Kärntner Nockbergen ist der Lungau als Biosphärenpark ausgewiesen, zu dem auch der Naturpark Riedingtal Zederhaus und die Sport- und Freizeitregion Preber gehören. Bekannte Skigebiete sind Katschberg-Aineck, Grosseck-Speiereck, Fanningberg und Obertauern. Die Region verweist auf 150 Loipenkilometer, 500 Kilometer Routen für Mountainbiker und Radwege für Familien, auf 60 Bergseen, Almsommer, Bauernherbst und Mariapfarr als Erholungs- und Entspannungsort mit Vital- und Wellnesscenter.

Info Lungau II

Wir waren in Sankt Michael im Hotel Eggerwirt Spa & Vitalresort (Vier-Sterne-Superior-Niveau, 80 Zimmer/Suiten, alpenländisch-behagliche Einrichtung, www.eggerwirt.at)  untergebracht, können dessen Michaelistuben-Restaurant mit Gourmetküche empfehlen, deren Basis regionale Produkte sind. Zu deren Besonderheiten gehören Lungauer Eachtling-Kartoffeln, das Schöpsernes genannte Schafaufbratln, serviert eben mit solchen Kartoffeln, Krenkoch-Meerrettich und Grantn-Preiselbeeren, dann Hasenöhrl mit Sauerkraut, Brettljaus’n mit Lungauer Speck, Brennmuas, Tauernroggenbier, Bienenhonig, Kaiserschmarrn, Bauernkrapfen, Lungauer Rahmkoch oder Almmarzipan. Österreich ist Weinland, die Steiermark nicht weit, aber edle Tropfen werden auch im Lungau, etwa in Sankt Michael oder Mauterndorf, angebaut. Zum Abschluss des Essens gehört Edelbrand. Information: Ferienregion Salzburger Lungau, Rotkreuzgasse 100, A-5583 Sankt Michael, Telefon 0043-(0)-6477-8988, www.lungau.at.              

Service Auto

Von Salzburg sind es über den Radstädter Tauernpass oder durch den Tauerntunnel der Tauernautobahn A10 bis Sankt Michael 110 Kilometer, von da nochmals 15 Kilometer bis zum Thomataler Winterfahrzentrum (www.winterfahrtraining.at) in Fegendorf. In Österreich herrscht Vignettenpflicht auf Autobahnen. In Orten darf 50, außerhalb 100, auf Autobahnen Tempo 130 gefahren werden. Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Die Reise in den Salzburger Lungau fand im neuen Opel Insignia Country Tourer statt, der zu Einstiegspreisen ab 34 885 Euro jeweils zweimal als Turbobenziner mit 165 und 260 PS und 170 und 210 PS mit Front- oder Allradantrieb bei den Händlern steht. Mit der Bahn könnte man über Bischofshofen oder Radstadt anreisen und mit dem Postbus oder bei Abholdienst weiter nach Sankt Michael fahren. Die nächsten größeren Flughäfen Salzburg, Klagenfurt oder München sind 100, 120 oder 290 Kilometer entfernt. Die Reise in Österreich fand im neuen Opel Insignia Country Tourer statt, der je zweimal als Turbobenziner und Turbodiesel mit 165 bis 260 PS zu Einstiegspreisen ab 34 885 Euro bei den Händlern steht. Mehr

KoCom/Fotos: Günther Koch

12. März 2018

 

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