Im Schatten des Vatikans

Mit Honda von Rom durch die Region des nördlichen Latium bis zum Lago di Bracciano

Von Günther Koch/Life-Magazin

An der Via Aurelia bei Kilometer 31,945 in der Nähe von Torrimpietra. Foto: Koch

Rom/Torrimpietra – Rom! Immer wieder Rom! Was diese Stadt nur hat, das sie so anziehend macht? Nein, nicht London, nicht Paris, vielleicht Lissabon, vielleicht Wien, Prag, Budapest. Und doch: Rom! Rom ist schließlich die Ewige! L’eterno!

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Orgie in Orange 

Der letzte Montag im Januar. Anflug auf Rom-Fiumicino bei schönster Abendsonne in einer wahren Orgie in Orange. „Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Anreise“, sagt die Hostess, die uns zum Shuttle begleitet. Spero tu abbia avuto un piacevole viaggio! Der Feierabendverkehr hat längst begonnen. Schon kurz nach dem Flughafen flackern in der Dunkelheit überall rote Bremsleuchten auf. Stau! Auf der Autostrada A90, der Grande Raccordo Anulare, eine Art Ringautobahn um Rom, muss es östlich einen schweren Unfall gegeben haben. Blaulichter blinken, Signalhörner tönen, Polizei- und Krankenwagen rasen Auffahrten rauf und Abfahrten runter. Ein Müllwagen nutzt die Chance, hängt sich einfach dran. Er hat schließlich ebenfalls ein Warnlicht an, das blinkt, wenn auch in Gelb. 

Über die Via Aurelia 

Wir müssen Gott sei Dank entgegengesetzt Richtung Vatikan, wollen aber nicht durchs Zentrum, sondern außen herum, stoßen schon bald auf die Via Aurelia, eine der großen Römerstraßen, die von Rom aus erst zur Küste und dann nördlich bis nach Pisa führt. Die Straßen in den Außenvierteln werden immer schmaler, die Mauern höher. Es geht über den Gianicolo, einen der Hügel der Stadt, der sich von Trastevere am Ufer des Tiber entlang bis zum Vatikan erstreckt. Wer jetzt den Borgo Santo Spirito oder die parallel verlaufende Via della Conciliazione nimmt, würde direkt auf den Petersdom stoßen. 

Giovanni sì, Benedetto no! 

Die Via del Gianicolo, wo wir uns im Hotel Melia Villa Agrippina einquartieren, auf dem Gelände des legendären Roms am Ort eines Palastes, in dem einst die Kaiserin und Mutter Neros  lebte, grenzt  direkt an den Kirchenstaat. Ob il papa, der Papst, wohl zu Hause ist? „Bei Johannes Paul II. aus Polen würde ich eher sagen nein, denn der war viel unterwegs“, betont der Mitarbeiter des Hotels, der uns beim Gepäckausladen hilft, „bei Eurem deutschen Papst Benedikt XIX. eher ja, der wollte lieber zu Hause bleiben.“ Giovanni Paolo also sì, Benedetto no! Und der Nachfolger, Papst Franziskus aus Argentinien? Der sei doch gerade erst in Südamerika und in Myanmar gewesen. „Sie sehen also, als Papst kann man die Welt erleben!” Vivere! Leben! 

Durch die Unterführung 

Nur wenige Schritte sind es bis zum Vatikan. Fünf Minuten vielleicht. Eine Unterführung durch – und schon ist man da. Selbst am späten Abend ist auf dem Petersplatz, der schon zum Vatikanstaat gehört, dessen Kolonnaden die Grenze zu Italien bilden, noch einiges los. Unübersehbar sind die Sicherheitskräfte, die sich selbst zu diesem Zeitpunkt noch auf dem riesigen Areal verteilen. „Das Risiko“, sagt einer der Carabinieri, mit dem wir ins Gespräch gekommen sind, „ ist einfach viel zu groß!“ Il rischio è semplicemente troppo grande! 

Nach Torrimpietra 

Am nächsten Morgen. Gianicolo, Via Aurelia. Raus aus der Stadt. Wir müssen schmunzeln, jeder Italiener scheint tatsächlich so zu fahren, wie er will. Am besten ist, man schwimmt einfach mit, lässt Verkehrszeichen Verkehrszeichen sein. Zwei Kollegen kommen uns schon wieder entgegen, haben offenbar eine Abzweigung verpasst. Die Strecke führt westlich auf der S(uper)S(trada)1 über Malagrotta, Castel del Guido und Aranova nach Torrimpietra, einem kleinen Ort, der noch zu Fiumicino gehört und dessen Name sich von Torre in Pietra ableitet, einem Schloss, zuvor eine Burg, aus dem 13. Jahrhundert. Honda stellt hier in der ehemaligen Gutsanlage Corte di Arenaro mit Ausfahrten ins Latium, der Region, die Rom umgibt, den überarbeiteten kleinen Jazz und den kompakten Civic mit neuem Diesel vor. 

Der Held von Palidoro 

Palidoro liegt an der Strecke. Ein Turm in dem Dorf, so hat es uns eine Frau des Servicepersonals erzählt, erinnert an eine Geschichte im Krieg im September 1943, als sich Salvo d’Acquisto, offenbar ein Unteroffizier, am 23. September 1943 freiwillig meldete, um von den Deutschen erschossen zu werden. Der Soldat soll damit 22 anderen Menschen das Leben gerettet haben, die sonst ermordet worden wären. „Un eroe“, sagt die Frau. Ein Held! 

Malerisch auf dem Tuff 

Ceri ist einer der malerischeren Ort in der Region. Er liegt, von Mauern umgeben, auf einem befestigten Tuffsteinplateau. Sehenswert ist die Kirche Madonna di Ceri auf einer antiken Stätte, wo Etrusker und Römer den Kult der Göttin Vesta verehrt haben sollen. Von Ceri ist es nicht mehr weit bis nach Bracciano, am gleichnamigen See etwa 40 Kilometer nordwestlich von Rom gelegen. Über der Stadt thront eindrucksvoll das mächtige Castello Orsini-Odesalchi. Die gegen Ende des 15. Jahrhunderts vollendete Burg, so heißt es hier, sei Drehort zahlreicher sogenannter Mantel- und Degenfilme früherer Jahre gewesen, weil sie laut Lexikon den „Prototyp einer spätmittelalterlichen Festung“ verkörpert habe.

Ehemals vulkanisch aktiv 

Nicht nur das: In dem Castello hat 1998 der aus Rom stammende Sänger Eros Ramazotti Michelle Hunziker und 2006, angeblich nach Ritus der Scientologen, der Schauspieler Tom Cruise Katie Holmes geheiratet – alles mit herrlichem Blick auf den Lago di Bracciano, den beinahe kreisförmigen See, im Schnitt neun Kilometer breit, der einen durch den Einsturz unterirdischer Magmakammern entstandenen Krater füllt. Grund: Bracciano liegt in einem ehemals vulkanisch aktivem Gebiet des Sabatino in den Sabatiner Bergen. Direkt am Ufer in Vigna di Valle, ist das Italienische Luftfahrtmuseum der Militärluftfahrt des Landes in verschiedenen Hangars untergebracht, nachdem der See selbst in der Vergangenheit neben zivilen auch von militärischen Wasserflugzeugen genutzt worden ist. 

Natürlich das Hühnerfest 

Über La Riccia führt der Weg nach Tragliatella Campitello. Einige Häuser, die nach dem Heiligen und Ordensbruder Franziskus von Assisi benannte Kirche, der Torre del Pascolaro, eine Bar, eine Arztpraxis, eine Kindergrippe, eine Grundschule, eine Grünfläche, ein Grill- und Picknickplatz, ein Fußballfeld, ein Springbrunnen – das ist alles, was zuletzt für das Dorf aufgelistet worden ist. Und, natürlich, das Freilandhuhn-Fest jedes Jahr im August. „Das“, findet die Frau aus dem Corte-di-Arenaro-Service in Torrimpietra, „haben die in Rom nicht – bei aller Ewigkeit!“ Loro non ce l’hanno a Roma – per tutta l’eternità! 

Info Rom 

Italiens Hauptstadt am Ufer des Tiber zählt rund drei Millionen Einwohner. Sie kann auf über 3000 Jahre Geschichte verweisen, wird wohl auch deshalb die Ewige Stadt genannt. Der Vatikan als unabhängiger Staat bildet eine Enklave, ist Sitz des Papstes zugleich als Bischof von Rom, des Oberhaupts der Römisch-Katholischen Kirche und des Heiligen Stuhls. Rom verfügt – wo anfangen, wo aufhören? – über zahlreiche bedeutende Sehenswürdigkeiten etwa vom Kolosseum über Forum Romanum, Kaiserforen, Circus Maximus, Spanische Treppe, Trevi-Brunnen, Pantheon, Piazza Navona und Caracalla-Thermen bis zur Engelsburg. Altstadt, Petersdom und Vatikanstadt sind Welkulturerbe. Das mediterrane Klima gilt als sommertrocken und winterfeucht. Wir waren in Rom im Hotel Gran Melia Villla Agrippina (fünf Sterne, 116 Zimmer/Suiten, klassische Architektur, moderne Einrichtung, direkt am Vatikan, www.melia.com) untergebracht.   

Info Latium 

Die bald sechs Millionen Einwohner zählende, dennoch weitgehend ländlich geprägte Region, die Rom umschließt, liegt etwa auf halber Höhe Italiens an der Küste des Tyrrhenischen Meeres. Ihre Hauptstadt ist, natürlich, Rom. Zu den bekannteren Orten sonst gehören etwa Viterbo, Civitavecchia, Rieti, Frascati, Agnani oder Grottaferrata. Reizvoll sind die Albaner Berge, Vulkanseen wie neben dem Lago di Bracciano noch der Lago di Bolsena, die Campagna zwischen Meer und Apennin sowie das im Krieg zerstörte und danach wieder aufgebaute Kloster Monte Cassino in der Provinz Frosinone. Auch die Pontinischen Inseln gehören zum Latium. Die Küche gilt als eher bodenständig. An der Küste gibt es eher Fisch, im Landesinneren mehr Wildgerichte. Herzhaft sind die Spaghetti all’Amatriciana aus dem gleichnamigen Ort nordöstlich von Rom. Gute Weine kommen aus den Castelli Romani. Bekannt dürfte nicht zuletzt der Est Est Est genannte weiße aus Montefiascone sein. Information: Italienische Zentrale für Tourismus Enit, Barckhausstraße 10, 60325 Frankfurt/Main, Telefon 069-237434, www.enit.de.      

Service Auto 

Wer es tatsächlich wagen will: Von München sind es über den Brenner an Verona, Modena und Florenz vorbei über 900 Kilometer bis nach Rom. Für wen der Weg durch die Schweiz günstiger ist, sollte ab Zürich an Como, Mailand, Piacenza und Parma vorbei mindestens noch gut 855 Kilometer einplanen. In Orten ist in Italien 50, außerhalb 90, auf Schnellstraßen 110, auf Autobahnen Tempo 130 erlaubt. Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Maut ist auf etwa 80 Strecken im Land zu bezahlen. Der Flughafen Leonardo da Vinci in Fiumicino ist der größere der zwei römischen für Linienflüge, Ciampino der kleinere meist für Charterflüge. Rom ist als Hauptstadt zudem ein wichtiger Bahnknotenpunkt. Die Reise von Rom bis Torrimpietra fand in Hondas neuem 120-PS-Civic-Diesel statt, die weiteren Touren durch das Latium im überarbeiteten Kleinwagen Jazz.  

KoCom/Fotos: Günther Koch

7. März 2018

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