Beim Anton aus Tirol

Mit Seat über das Hochplateau im Innsbrucker Land überm Inntal bei Leutasch und Seefeld

Von Günther Koch/Life-Magazin

Im Innsbrucker Land hoch über dem Inntal, hier bei Mösern. Foto: Koch

Leutasch – Von München aus und weiter an Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald vorbei liegt es quasi auf dem Weg. Noch ehe der Inn auf österreichischer Seite durch das Tal und die Stadt fließt, durchs Inntal und durch Innsbruck, denen er seinen Namen gegeben hat, geht es etwa in Höhe von Seefeld rechts ab – nach Leutasch in Tirol.

Gegenüber dem Zottlhof

Ein normaler Montag, Mitte Januar. Es hat ganz schön geschneit in den Tagen zuvor. Die Sonne strahlt von einem azurblauen Himmel über dem Innsbrucker Land. Die kilometerlangen Loipen, für die Leutasch bekannt ist, sind gespurt, die Skilangläufer zahlreich unterwegs. Im Ortsteil Moos, gleich gegenüber vom Zottlhof, schaut ein Mann, was auf dem vor ihm liegenden, aus Sicherheitsgründen überall von aufgeschobenen Schneewällen umgebenen Areal passiert: Die Volkswagen-Tochter Seat hat dort für ihre Snow Experience diesmal in Tirol eine Wiese als Slalomparcours präparieren lassen, um mit dem allradangetriebenen Leon ST Cupra 300 das „spanische Driften“ zu üben.

Vom Hochwanner zur Arnspitze

„Ich bin der Anton – auch aus Tirol“, stellt sich der Mann vor, schmunzelt und spielt damit darauf an, dass der als DJ Ötzi mit dem Song „Anton aus Tirol“ bekannt gewordene Gerhard Friedle, eigentlich gebürtig aus St. Johann, im nahen Seefeld wohnt, nachdem er sich dort schon zum Koch hat ausbilden lassen. Anton, der in Moos, blickt über das Hochtal von Leutasch, das sich am Wettersteingebirge entlang bis zur Leutaschklamm an der Grenze zu Deutschland erstreckt. „Da ist der Hochwanner-Gipfel, da die Dreitorspitze und da die Arnspitze, alles Berge über 2000 bis fast 2750 Meter hoch“.

Geschützt vor Fön und Kälte

Warum die Region, wie sie in Seefeld und Leutasch gern betonen, so schneesicher ist? Weil man nach Süden vor dem warmen Fön geschützt sei, erklärt Anton, nach Norden durch den Wetterstein vor der Kälte – und weil von Westen her die Schneewolken durch das Gaistal leichten Zugang hätten. „Deshalb – und wenn Sie im Sommer zum Wandern hierher kommen, ist das Klima dann auch nicht zu heiß, sondern eher mild.“

In der Olympiaregion Seefeld

Touristisch, das haben wir bei unserer Durchfahrt zuvor gemerkt, scheint vor allem in Weidach viel los zu sein. Kein Wunder, die Straße nach Seefeld verläuft durch den Ort. Es gibt eine Verbindung nach Telfs im Inntal, eine nach Mittenwald. Dass die Gegend so beliebt sei, nimmt Anton an, der selbst in der Hochtalhöhe von 1200 Metern lieber Motor- statt Wintersport mag, habe wohl auch damit zu tun, das man zum Tourismusverband Olympiaregion Seefeld gehöre. Gleich zweimal schon hätten die damals nach Innsbruck vergebenen Spiele hier Station gemacht. „Das war“, erinnert sich Anton an seine Jugendjahre, „1964 und 1976, es ging um Langlauf und Nordische Kombination.“

Mit dörflichem Charakter

Bei allem Trubel: Im Gegensatz zu manchen anderen Destinationen in Österreich und in den Tiroler Bergen hat sich Leutasch seit den 1960er-Jahren offenbar eher zu einem eher ruhigeren Feriengebiet entwickelt. Der dörfliche Charakter scheint vor allem Familien mit Kindern und ältere Urlauber anzuziehen. Zum Skilanglauf sollen fast 280 Kilometer Loipen zur Verfügung stehen. Wer alpin den Hang hinunterfahren will, kann das am 1360 Meter hohen Katzenkopf versuchen, wo drei Sessel- und zwei Schlepplifte immer wieder nach oben verkehren. In Leutasch selbst kann man sich in mehr als zehn Hotels, dazu in vielen Pensionen, Ferienwohnungen und Appartementhäusern einquartieren. Restaurants und Gasthöfe verbreiten alpenländisches Flair.

Kein Schweigen bei Ganghofer

Was es mit Leutasch und dem deutschen Schriftsteller Ludwig Ganghofer (1855-1920) auf sich hat, den man insbesondere durch Heimatromane wie „Das Schweigen im Walde“ oder „Der Jäger von Fall“ kennt? In der Schule habe er gelernt, sagt Anton, dass der in verschiedenen bayerischen Orten aufgewachsene Förstersohn unmittelbar neben der heutigen Tillfußalm in Leutasch ein großzügig ausgebautes Jagdhaus namens „Hubertus“ bewohnt, im Gaistal zusammen mit anderen ein Jagdrevier mit über 20 000 Hektar gepachtet und neben München auch in Leutasch Persönlichkeiten wie Ludwig Thomas, Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss bewirtet habe.

Viele Kirchen und Kapellen

In der alten Dorfschule in Kirchplatzl, die aus dem Jahr 1950 stammt, ist heute das Leutascher Ganghofer-Museum untergebracht. In den ehemaligen Klassenräumen stellt es das Leben des Dichters, die Jagd in Leutasch und die Dorfgeschichte dar. Es heißt, 20 Jahre lang soll Ganghofer überwiegend im Gaistal gelebt, gejagt und einen guten Teil seiner Werke verfasst haben. Ob er wohl auch in die Kirche gegangenen ist? „Bestimmt“, sagt Anton, „wir haben eine in Oberleutasch, eine in Unterleutasch und sicher noch an die 20 Kapellen.“ Auch führt der Jakobsweg durch das Leutaschtal, bekannt ebenfalls für seine mit barocker Lüftlmalerei verzierten Häuser.

Mit Fackeln zur Ropferstub‘m

Über dem Wettersteingebirge ziehen im Laufe des späteren Nachmittags erste dunkle Wolken auf. Gut, dass wir nach den „spanischen Drifts“ den Großteil unserer Tiroler Tagestour durch verschneite Täler selbst in höhere Lagen rund um Leutasch schon hinter uns haben. Bereits für den nächsten Tag ist wieder Schnee vorhergesagt, leider ohne Sonne. Für die Kollegen, die nach uns kommen, wird es nicht leicht, im Flieger wieder von Innsbruck aus nach Hause zu starten. Zwölf Kilometer sind es bis Mösern, wo wir uns im Hotel Nidum einquartieren, abends mit Fackeln über dem Inntal in Telfs-Buchen in die Ropferstub’m, einen alten Bergbauernhof aus dem 19. Jahrhundert, marschieren.

„Oft alles zugleich“

Da stellen sich die Musiker vom Tyrolean Music Project einmal mehr auf ihren Sprung in den musikalischen Farbtopf ein. Klanglich kleckern und schütten sie, pinseln und patzen. Mal im satten Grün irischer Wiesen. Mal im frischen Blau des Golfes von Neapel. Mal im flüchtigen Pinselstrich eines pastellfarbenen Musettewalzers. Mal voll des Kontrasts von Tag und Nacht eines leidenschaftlichen Tangos. Mal ausgelassen und übermütig. Mal nachdenklich und melancholisch. „Doch oft“, so beschreiben sie es selber, „alles zugleich.“ Auch die Tiroler Almen über dem Inntal und Innsbruck fehlen dabei nicht. 

Info Leutasch I

Der 2300-Seelen Ort in Österreich liegt im Innsbrucker Land, ist bekannt vor allem als eher ruhiger Wintersportort. Bis zur Landeshauptstadt Innsbruck sind es etwas über 30, bis Mittenwald kurz hinter der Grenze nach Deutschland nur rund 15 Kilometer. Die gesamte Gegend liegt auf einem Hochplateau, Leutasch selbst auf fast 1140 Metern. Am Zirler Berg bei Buchen und Mösern geht es steil zum 600 Meter tiefer liegenden Inntal ab. Das Klima hier am Nordrand der Alpen hat Mittelgebirgscharakter. Das Freizeitangebot ist umfangreich, reicht vom klassischen Skisport über Wandern bis zum Klettern. Es finden sich neben Bergen auch einige See in der Umgebung. Bekannt ist die Geisterklamm. Es gibt die Erlebniswelt Alpenbad Leutasch und die Kneippanlage Salzbach.

Info Leutasch II

Wir waren in Mösern im Hotel Nidum (keine offizielle Qualifizierung, etwa Vier-Sterne-Plus-Haus, 57 Zimmer, legere Atmosphäre in gehobenerem Ambiente, www.nodum-hotel.com) untergebracht. Zur Einkehr können wir die in einem alten Bergbauernhof eingerichtete Ropferstub’m in Telfs-Buchen hoch über dem Inntal empfehlen. Sie sollten dort wie bei Oma das urige Reindlessen probieren zunächst mit Kareespeck, Tilsiter-, Bergkäse, Kaminwurz, frisch geriebenem Kren, Sauergemüse, Verhackertem und Bauernbrot, danach Schweinsbraten, Spinat-, Serviettenknödel, Sauerkraut und Kasspatzln sowie zum Schluss Blaubeer- und Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster. Dazu schmeckt herzhaftes Bier mit Obstbrand hinterher. Österreich ist ebenfalls für gute Weine bekannt. Information: Tourismusverband Olympiaregion Seefeld/Tirol, Büro Leutasch, Weidach 320, A-6105 Leutasch/Österreich, www.seefeld-com/leutasch-tirol. 

Service Auto

Von München bis Leutasch sind es über Garmisch-Patenkirchen und Mittenwald mit dem Auto 120 Kilometer. Per Bahn kann man bis Garmisch oder Seefeld anreisen, von wo aus Busse nach Leutasch verkehren. Der nächste Flughafen ist Innsbruck in 30 Kilometern, es folgen München in 165 und Salzburg in 195 Kilometern. In Österreich herrscht Vignettenpflicht auf Autobahnen. In Orten darf 50, außerhalb 100, auf Autobahnen Tempo 130 gefahren werden. Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Die Reise in Tirol fand im kleinen Seat-SUV Arona statt. Zudem standen der Sportkombi Leon ST Cupra 300, das kompakte SUV-Modell Ateca und der Leon XPerience im Offroad-Look zur Verfügung.

KoCom/Fotos: Günther Koch/Seat

3. März 2018

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