Bei Larry, dem Lobster

In Down Under (III): Von Portland nach Adelaide / Auf den Spuren der Siedler

Von Günther Koch/Life-Magazin

Nostalgie (nicht nur) auf vier Rädern im Traktormuseum in Kingston, South Australia. Foto: Wehenmeyer

Portland/Adelaide – Zweite Etappe unserer Australien-Tour auf der Südroute quer durch dieses Land und diesen Kontinent. Der Weg führt uns diesmal über fast 600 Kilometer von Portland nach Adelaide.

Mit Tiefseehafen

Es ist Sonntag, aber an Ausschlafen nicht zu denken. Auch das Wetter scheint uns erneut nicht gerade zu verwöhnen, nachdem es am Tag zuvor schon bei unserer Tour auf der Great Ocean Road die Küste entlang und an den von der Brandung ständig umtosten Zwölf-Apostel-Felsnadeln vorbei meist regnerisch gewesen war. Portland gilt als älteste europäische Siedlung im Bundesstaat Victoria, zählt nur rund 9000 Einwohner. Der Ort liegt an der gleichnamigen Bucht und ist der einzige Tiefseehafen zwischen Melbourne und Adelaide. Neben Fischfang spielt das Schmelzen von Aluminium hier eine Rolle. Und Portland soll Sitz der größten Windfarm-Entwicklung auf der südlichen Erdhalbkugel sein.

Existenz bewiesen

Markus ist wie im Jagdfieber. Der Kollege, der plant, später in einem Buch auch über diese Tour zu schreiben, will es wissen. Nachdem die Existenz von Kängurus gestern doch noch bewiesen worden ist, als sich zwei ausgewachsene Exemplare in der Dämmerung an einem Waldrand angeblickt haben, als ob sie gerade beraten wollten, wo und wie man an diesem Samstagabend am besten auf und über die Piste gelangt, ohne überfahren zu werden, will er mehr für Australien typische Tiere sehen …

Wenigstens ein Wallaby

Wir fahren eine einsame Landstraße Richtung Kingston. Das „ideale Safari-Terrain“, findet Markus: „Rechts und links der Straße wuchert im Lower-Gleneig-Nationalpark dichtes Buschwerk, ein perfektes Versteck für große Tiere. Plötzlich kauert etwas Dunkles am Straßenrand, ein Känguru“, glauben wir alle zusammen, lebend, auch wenn es sich um die kleine Variante, ein Wallaby, handelt. Größere Artgenossen entdecken wir auch, aber leider meist schon tot, überfahren. Kein Wunder, wenn auch die scheuen Emus, straußenähnliche große Laufvögel, gleich Reißaus nehmen, sobald sie Autos sehen.

Vier-Tonnen-Lobster

Bei Kingston erreichen wir wieder die Küste. Und Larry, den Lobster, der aus Markus’ Sicht „bedrohliche sieben Meter hoch“ am Straßenrand neben einer Tankstelle mit angeschlossenem Restaurant steht, in dem wir zu Mittag essen. Eine bessere Werbung für sein Hummerlokal als mit dem vier Tonnen schweren Prachtkerl kann Murray Pitt, der Besitzer, gar nicht machen. Markus erzählt er, Larry habe als Touristenattraktion eigentlich auf dem Dach platziert werden sollen, „aber die Leute, die ihn gebaut haben, haben Inches und Feet mit Metern verwechselt“. Und so sei der Lobster eben dreimal so groß geraten wie geplant. Gut, dass der kleine Wombat, dem wir kurz danach am Rand einer Schotterpiste begegnen, Larry nicht zu Gesicht bekommt; der Beutelsäuger, der aussieht wie ein putziger Bär, würde sonst sicher vor Schreck tot umfallen …

In South Australia

Von Kingston fahren wir noch ein Stück am Meer entlang durch den Coorong-Nationalpark, ehe wir kurz vor Meningie etwas ins Landesinnere Richtung Lake Albert und Lake Alexandrina abbiegen. Meningie liegt bereits auf dem Gebiet von South Australia, dem Nachbarbundesstaat von Victoria, und direkt am Princess Highway. Inzwischen hat auch die Sonne im Kampf gegen die dunklen Regenwolken gewonnen. Andernfalls wären wir möglicherweise an Australiens größter Pioniersiedlung bei Tailem Bend einfach vorbeigerauscht. Peter Squires Freiluftmuseum Old Tailem Town erlaubt Einblicke ins harte Leben der frühen Siedler um 1860 bis hin zum dann schon etwas leichteren um 1960. Vor dem Areal sind alte Autos und Eisenbahnwagons platziert, dahinter rund 100 Gebäude und Stationen vom Postbüro über die Sattlerei und den Friseursalon bis hin zum Schlachthaus, alles liebevoll möbliert wie in damaliger Zeit.

Mit Mittelgebirgen

South Australia ist mit gut einer Million Quadratkilometer nach Western Australia, Queensland und dem Northern Territory der viertgrößte Bundesstaat in Australien noch vor New South Wales und Victoria. Mit 1,6 Millionen leben aber weniger als acht Prozent der 22,5 Millionen Australier dort, darunter 1,3 Millionen allein in der Hauptstadt Adelaide. Die Besiedlung geht auf die Briten zurück. Die Landschaft besteht aus Mittelgebirgen, teils aber auch aus eher trockenen Gebieten. South Australia hat es wirtschaftlich daher nicht ganz so leicht. Landwirtschaft und Bergbau – South Australia soll über 40 Prozent der weltweit bekannten Uran-Reserven verfügen – sind wichtig, der Finanzsektor wächst. Mehr als die Hälfte der Weine kommt von da, daneben werden vor allem Fleisch und Wolle exportiert.

Über Mount Baker

Von Murray Bridge ist es nicht mehr weit über Mount Barker bis Adelaide, wo wir uns im Rendezvous-Hotel (fünf Sterne, 202 Zimmer/Suiten, geschäftsmäßig-moderen, www.rendezvoushotels.com/adelaide) einquartieren. Mit diesem Beitrag setzen wir eine mehrteilige Artikelfolge über Australien fort, bei der wir auf der Südroute noch kurz die Stationen von Adelaide über Port Augusta, Ceduna, Eucla, Balladonia und Boorabbin bis nach Perth im Südwesten vorstellen. Nützliche Informationen über Australien sowie über das Autofahren dort finden Sie am Ende des ersten Teils dieser Serie.

KoCom/Fotos: Günther Koch

14. Januar 2018

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