Auf der Great Ocean Road

In Down Under (II): Von Melbourne nach Portland / Bei Koalas und den Zwölf Apostel

 Von Günther Koch/Life-Magazin

Gigantisch präsentieren sich die Zwölf-Apostel-Felsen an der Great Ocean Road. Foto: Koch

Melbourne/Portland – Erste Etappe unserer Australien-Tour auf der Südroute quer durch dieses Land und diesen Kontinent. Sie führt uns mit verschiedenen Abstechern über rund 600 Kilometer von Melbourne nach Portland.

Ewige Rivalinnen

Melbourne ist als Hauptstadt des Bundesstaates Victoria mit rund vier Millionen Einwohnern nach Sydney, der ewigen Rivalin nordöstlich, die zweitgrößte Stadt im Land. Das Zentrum gruppiert sich um die Mündung des Yarra Rivers herum. Wegen der wechselhaften und nicht selten feuchten Wetterbedingungen ist sehr viel Grün in der Park- und Gartenstadt zu sehen, die weltweit als eine der Städte mit der höchsten Lebensqualität gilt. Zudem genießt Melbourne den Ruf, Handels-, Bildungs-, Sport-, Tourismus-, Kunstmetropole und gleichermaßen Hauptort zeitgenössischer wie traditioneller australischer Musik zu sein. „Für uns“, sagt die Rezeptionistin im Blackman-Hotel, aus dem wir gerade ausgecheckt haben, „ist Melbourne Kulturhauptstadt Australiens, auch wenn Sydney das berühmtere Opera House haben mag.“

An der Bass Strait entlang

Früh an diesem Samstagmorgen machen wir uns auf. Die vorgesehene Route führt zunächst an der Port Philipp Bay entlang; die riesige Bucht ist nur durch eine enge Öffnung, The Rip genannt, mit der Bass Strait verbunden, auf deren anderer Seite, rund 250 Kilometer vom Festland entfernt, die ebenfalls zu Australien gehörende Insel Tasmanien liegt. Weiter geht es überwiegend an der Küste entlang. Die Sonne hat’s schwer, sich am wolkenverhangen-dunklen Himmel durchzusetzen. Wir fahren hinter Geelong ab Torquay über Lorne die Great Ocean Road entlang zur Apollo Bay.

„Und es gibt sie doch!“

Bei der mehr als 240 Kilometer langen Straße bis Allansford noch in Victoria handelt es sich um eine der bekanntesten touristischen des Landes. Einer Studie zufolge sollen pro Jahr bereits bis zu 7,5 Millionen Besucher zur Great Ocean Road kommen, bis 2030 sogar noch 2,5 Millionen mehr. In Lavers Hill, gut 200 Kilometer von Melbourne entfernt zwischen Apollo Bay und Port Campbell nicht weit vom Cape Otway, machen wir Mittagsstation. Markus fährt bei uns im Auto mit. Er hat vor, später ein Buch zu schreiben, in dem er auch über diese Etappe berichten will. In seinen Notizen über den Melbourne/Portland-Trip hält er offenbar etwas erleichtert fest, nachdem er mittlerweile die Theorie vertritt, dass zumindest Kängurus nicht mehr existieren, weil er – bislang jedenfalls – keine gesehen hat: „Und es gibt sie doch!“

Vermutlich Siesta

Für Markus sind allein schon die Koalas im Nationalpark der Halbinsel ein guter Grund, dorthin zu fahren. „Wir tauchen ein in die Eukalyptus-Wälder von Cape Otway, wo – ich darf es vorweg nehmen – kein einziges Känguru zu sehen ist. Dafür aber zwei Französinnen, die am Straßenrand stehen und euphorisch in die Baumwipfel blicken.“ Auszug aus dem Dialog: „Habt ihr was gesehen? Koalas. Wo? Na, überall!“ Die putzigen kleinen Beutler, „die eben keine Bären sind“, hocken fast auf jedem zweiten Baum. „Vermutlich“, nimmt Markus an, „kommen wir zur Siesta-Zeit, doch immerhin sind nach unserer Rückkehr vom historischen Leuchtturm einige aufgewacht und glotzen uns verständnislos in die Kameralinsen.“

Die Königin lässt grüßen

Die „Zwölf Apostel“, aus dem Meer emporragende, ständig von der Brandung umtoste Felsnadeln, sind nicht nur eine der Hauptattraktionen an der dramatischen Steilküste der Great Ocean Road zwischen Princetown und Petersborough, sondern von ganz Australien. Wir passieren die hufeisenförmige Bucht von Port Campbell an einem Abschnitt der Küste, an deren Klippen, so lesen wir später in einem Australien-Führer nach, so manches Schiff zerschellt ist. Von Warrnambool, 1840 als Wal- und Robbenfänger-Station gegründet, heute mit nachgebautem Hafen und Schiffen aus viktorianischer Zeit versehen, folgen wir der Straße über Port Fairy und Narrawong nach Portland, wo wir im Mac’s übernachten, in dem – wir sind noch immer in Victoria – die namensgebende frühere Monarchin (1819-1901), Königin des britischen Empire, grüßen lässt. Der rund 9000 Einwohner zählende Ort gilt als älteste europäische Siedlung in Victoria.

Bis nach Adelaide

Mit diesem Beitrag setzen wir eine mehrteilige Artikelfolge über Australien fort, die uns noch zu Emus, Wombats, riesigen Hummern, Oldtimern sowie zur Old Tailem Town und nach Adelaide führt. Nützliche Informationen über Australien sowie über das Autofahren dort finden Sie am Ende des ersten Teils dieser Serie.

KoCom/Fotos: Günther Koch

13. Januar 2018

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