Gin, Gin, Ibiza!

Über das Wiederbeleben einer alten Brennerei-Tradition auf der Balearen-Insel

Von Günther Koch/Life-Magazin

Wichtig bei Gin-Tonic ist: Er muss ausreichend gekühlt sein! Foto: LAW

Ibiza – Wer hat schon gern mit dem Gesetz, englisch Law, zu tun? Dann schon eher mit einem Gin dieses Namens, hinter dem sich die Anfangsbuchstaben der Vornamen von Luna und Alexander von Eisenhart Rothe (47/46) und von Wolfgang Lettner (47) verbergen. Luna, eine Schriftstellerin erotischer Literatur, Alexander, ein reiselustiger Regisseur und Produzent, und Wolfgang, Restaurant-Inhaber auf Ibiza. Die drei Deutschen haben auf der Balearen-Insel eine alte Tradition wiederbelebt, die des Brennens.

Wer hat denn hier eigentlich früher was gebrannt?

Luna: In den vergangenen Jahrhunderten haben die Menschen hier in weit verstreut liegenden, autarken Fincas auf dem Land gelebt. Es war völlig normal, dass dort munter eigener Schnaps gebrannt wurde. Irgendwann wurde dies jedoch streng reglementiert. Und seither waren lediglich zwei inselansässige Familien im Besitz einer offiziellen Brennlizenz.

Und dann seid Ihr gekommen.

Wolfgang: Es war Neujahr 2013. Wir haben zusammen auf Ibiza gemeinsam gefeiert. Bei gutem Essen natürlich – und mit Gin-Tonic! Wir sind leidenschaftliche Gin-Liebhaber und teilen zudem unsere Liebe zu dieser Insel.

Über die ihr dann wahrscheinlich auch an diesem Abend gesprochen habt.

Alexander: Klar. Wir fanden es schade, dass die weltweite Berühmtheit der Insel sich weitgehend in ihrem Nachtleben, in ihrer Musik und in ihren Stränden erschöpft. Es gibt so viel mehr, das die Besonderheit Ibizas ausmacht.

Zum Beispiel?

Luna: Schwer zu sagen, wenn man nicht wie der Texter eines Reiseführers klingen will. Aber die Kultur ist geschichtsträchtig, das Licht besonders, die Landschaft an der Küste atemberaubend, die Natur nicht selten noch unberührt. Es gibt dichte Pinienwälder, Orangen- und Zitronenhaine auf fruchtbarer, roter Erde, Wiesen mit Frühlingsblumen und Wildkräutern soweit das Auge reicht. Und Wacholderbüsche!

Fehlt eigentlich nur der Gin.

Alexander: Genau! Wir haben damals wie auf ein geheimes Zeichen hin in unsere Gläser geschaut und uns gefragt: Warum gibt es eigentlich keinen Gin, der auf Ibiza hergestellt wird? Wäre es nicht fantastisch, einen eigenen Ibiza-Gin zu kreieren? Einen, dessen besonderes Aroma ihn vielleicht sogar zu einem Botschafter der Insel macht? Einen, für den erstklassige Botanicals aus lokalem Anbau verarbeitet werden, also pflanzlichen Zutaten, aus denen ein Gin destilliert wird, Kräuter zum Beispiel, Blätter, Samen, Wurzeln, Rinden, Beeren und Früchte.

Luna: Wir waren total begeistert von unserer Idee, einen Gin zu kreieren, der nach Sonne schmeckt und so lecker ist, dass man ihn nicht nur auf Ibiza, sondern auch in London, Paris, Manila oder New York gern trinkt!

Das war dann wohl die Geburtsstunde Eures LAW.

Wolfgang: War es! Und snser Gin soll ein Stück weit das Lebensgefühl Ibizas vermitteln. Er ist durch und durch inspiriert von unserer Wertschätzung für diese Insel.

Wie ging’s nach der ursprünglichen Idee denn weiter?

Luna: Danach hat die Zeit des Experimentierens begonnen. Monate über Monate haben wir in endlosen Nächten gemeinsam an der idealen Rezeptur eines Gins getüftelt, der unseren hohen Ansprüchen – frische, ausgeprägte Zitrusnoten, trockene Basis und reicher Körper – genügt. In geradezu alchimistischen Prozessen haben wir uns dann an die Destillation von Zutaten gewagt, die bis dahin wohl noch nie zuvor jemand mit Gin in Zusammenhang gebracht hat.

Euer Gin ist ursprünglich aus einem nichtkommerziellen Spaß entstanden. Ihr habt Euch dann das nötige Wissen angeeignet und destilliert selber. In was?

Wolfgang: Wie früher die Einheimischen in einer  traditionellen Kupfer-Alambic, die sogar extra für uns angefertigt worden ist, da Brennblasen in dieser Form, die seit dem Mittelalter unverändert ist, heute gar nicht mehr hergestellt werden.

Was ist das Besondere daran?

Alexander: Sie kommt komplett ohne modere Messinstrumente aus, so dass das Ergebnis ausschließlich vom Finger- und Zungenspitzengefühl des Destillateurs abhängt. Jedes Mal wird die Komposition des Gins neu aufgebaut. Alles ist reines Handwerk, ein bisschen so, als würde man auf einem Musikinstrument spielen. Der Gin wird anschließend einzeln von Hand abgefüllt, etikettiert und versiegelt. So ist jede der stilvollen Apothekerflaschen mit ihrem Glasstopfen ein kleines Kunstwerk, auf das wir sehr stolz sind. In unserer Manufaktur produzieren wir in kleinen Mengen von wenigen hundert Flaschen pro Abfüllung.

Und was macht euren Gin aus?

Wolfgang: Er hat ein klares, ausgewogenes Aroma, ist inspiriert von der mediterranen Natur der Insel. In ihm vereinen sich die Gewürznoten eines traditionellen Gins mit ausgesuchten Zutaten wie handgepflücktem Phönizischem Wachholder, grünem Kardamom, Koriandersamen, Iriswurzel und spanischer Gurke. Dazu verarbeiten wir inseleigenes, reines Quellwasser. Mit dem wird der Gin auf seinen Alkoholgehalt von 44 Prozent eingestellt.  

Wachholder soll die Seele eines jeden Gins sein.

Alexander: Das ist tatsächlich so. Wir verarbeiten deshalb sogar gleich zwei Sorten davon. Während der Destillation sind es die Beeren des „Gemeinen Wachholders“. Darüber hinaus nutzen wir eine sanfte Möglichkeit, das Aroma des „Phönizischen Wachholders“ zu gewinnen, indem wir das kondensierte Destillat über die frischen Beeren fließen lassen, so dass es einen Hauch von deren würziger Note aufnimmt – für die Seele eines echten Ibiza-Gins.

Was kommt noch dazu?

Luna: Frische Zitrusschalen! Unmittelbar vor der Verarbeitung geerntet, finden ausschließlich unbehandelte Früchte ihren Weg in die Destille. Eine wichtige Zutat ist zudem unser heimlicher Star, die Kaktusfeige, deren leuchtend rotes Mark die fruchtige Note unterstreicht.

Und sonst?

Luna: Gibt es noch die Pimientos de Padrón...

Diese kleine, pikante Paprikasorte, die frittiert und mit grobem Salz bestreut in ganz Spanien als Tapa serviert wird?

Alexander: Genau die, deren grüne Schoten für gewöhnlich einen recht milden Geschmack aufweisen. Doch etwa jedes zehnte Exemplar ist höllisch scharf, was man ihm von außen aber nicht ansieht! Auf Ibiza, einst Insel der Piraten und Glücksritter, lieben wir es jedoch, wenn jeder Bissen zu einer Art Russisch Roulette wird. Also dürfen die kleinen, grünen Teufel auch in unserem Gin nicht fehlen, der übrigens durch die Destillation von Salz aus den berühmten Salinen Ibizas veredelt wird. So steckt in jeder Flasche sogar eine kleine Brise echter Meeresluft!

Wie trinkt man einen Gin-Tonic richtig?

Wolfgang: Zunächst auf das richtige Glas achten! Es sollte mindestens 500 Milliliter fassen. In Spanien werden hierfür meist Ballongläser verwendet, die sich sehr gut eignen. Viel Eis hineingeben – ein guter Gin-Tonic muss ausreichend gekühlt sein! Ein Streifen Zitronenschale hebt die Zitrusnoten stärker hervor. Orangenschalen verleihen zusätzliche sonnige Süße.

Und wie genießt man ihn auf Ibiza?

Wolfgang: Statt in einem Glas in einem glasierten Tonbecher, der den Drink länger kühlt und die Aromen sich besser entfalten lässt, während ein Stückchen Limettenschale für eine extravagant-fruchtige Note sorgt. Wer es stilecht mag, serviert seinen Gin-Tonic zusätzlich mit zwei Scheibchen Pimiento de Padrón.

Was ist, wenn man Gin mit Wermut, also einen Martini, mixt?

Alexander: Dann sollte der, übrigens einer der Bar-Klassiker schlechthin, gerührt und nicht geschüttelt sein, weil Rühren den Wermut sanfter auf die richtige Temperatur bringt. Beim Schütteln splittern winzige Stücke der Eiswürfel ab und der Drink verwässert. Das Verhältnis von Wermut zu Gin bleibt Geschmackssache.

Und wenn ich einen Gin eleganter genießen will?

Luna: Das funktioniert natürlich nur mit einem, der auch pur schmeckt. Den Gin dann einfach über einen großen Eiswürfel in einen Tumbler geben, einen Spritzer – nicht mehr! – Sodawasser hinzufügen, mit einem hauchdünnen Streifen Limettenschale garnieren. Und dann: Gin, Gin!

Information: LAW – Sprit of Ibiza S.L., Carretera Santa Eulalia, Km2, 07840 Santa Eulalia/Ibiza, www law.gin,com.

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KoCom/Fotos: LAW/Günther Koch

2. Oktober 2017

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