Beim Sultan

Eine Reise ins Morgenland Oman und durch die Weihrauchregion Dhofar im Süden des Landes

Von Günther Koch/Life-Magazin

Sultan Qabus ibn Sa’id Al Sa’id ist allgegenwärtig im Land. Foto: Koch

Salalah – Ein zauberhafter Name: Salalah! Der aus dem Arabischen übersetzt so viel wie „die Leuchtende“ bedeutet. Und der aus einem Märchen stammen könnte. Aus einem aus tausendundeiner Nacht!

Ankunft in Muscat

Wir sind im Oman. Es ist früh am Morgen. Und die Temperaturen erreichen jetzt schon 30 Grad. Auf dem Flughafen der im Norden am Golf von Oman gelegenen Hauptstadt Muscat hat der Betrieb gerade erst begonnen. Salalah! Salalah! Salalah! Als würde es nur diesen einen Ort geben im Land, weisen Mitarbeiter des Bodenpersonals Transitpassagieren des Oman-Air-Nachtflugs aus Frankfurt hilfreich Stempel für Stempel den Weg durch ein Labyrinth von Sicherheits-, Pass-, Visa- und Bordkartenkontrollen. Überall hängen Bilder von Qabus ibn Sa’id Al Sa’id an der Wand. Der Sultan ist der Herrscher im Oman. Er hat das einst weitgehend abgeschottete Land mutig und weltoffen in die Moderne geführt.

„Ein weiser Mann, ein guter Führer“

„Der Sultan ist ein weiser Mann, ein guter Führer“, findet ein älterer Omani, mit dem wir ins Gespräch kommen. In traditioneller Kleidung sitzt er neben uns im Flieger, die Kumma-Kappe auf dem Kopf, das weiße, knöchellange Dishdasha-Gewand an, Ledersandalen (mit aufgesetztem Porsche-Sticker) an den Füßen. Er kann sich noch an Zeiten bis in die 1970er-Jahre hinein erinnern, als Stadttore im Oman bei Einbruch der Dunkelheit geschlossen worden sind. „Das alles gibt es jetzt nicht mehr“, sagt der Mann. „Der Sultan hat uns eine Zukunft des Lichts geschenkt!“

Über die zerfurchten Ausläufer der Hadschar-Berge

Von der fruchtbaren Küstenebene um Muscat herum geht es über die zerfurchten Ausläufer der erdbraunen Hadschar-Berge. Ausgetrocknete Flussläufe, die wie das spektakuläre Wadi Bani Khalid in der Provinz Ash Sharqiyah mitunter Wasser führen, durchziehen schluchtenartig die Gebirge, die wie im Fall des Sonnenbergs Jebel Schams im Al-Achdar-Massiv Höhen bis immerhin über 3000 Meter erreichen. Unter uns breitet sich ockergelb  die Wüste Rimal al-Wahiba aus, setzt sich Richtung Süden in der steinigeren Jiddat al-Harasis fort, ehe von Saudi-Arabien aus ein großes Nichts in schier endloser Weite bis in den Oman hinein reicht: Rub al-Chali, 680 000 Quadratkilometer groß, fast menschenleer und deshalb „Leeres Viertel“ genannt, soll sogar die größte Sandwüste der Welt sein.

Etwas wohltuender am Arabischen Meer

Willkommen im Weihrauchland! Salalah in der Provinz Dhofar reibt sich bei unserer Ankunft noch den Schlaf aus den Augen. Auf dem Flughafen jedenfalls und auf den gut ausgebauten, in den letzten Abschnitten dicht mit Palmen bestandenen und von Grünstreifen umgebenen Straßen ins Zentrum unter anderem an den Stallungen der royalen Kavallerie des Sultans vorbei ist kaum was los. Selbst in den kleinen Läden, die sich mit bunter Werbung aneinanderreihen und deren Türen offen stehen, scheinen die meist indischen oder pakistanischen Besitzer mehr mit der Müdigkeit als mit der Hitze zu kämpfen, die hier im Süden direkt an der Küste am Arabischen Meer erträglicher ist als etwa in der Wüstenglut im Landesinneren oder im Sommer in Muscat im tropischeren Norden.

Sindbad oder die Heiligen Drei Könige?

Wir quartieren uns etwas außerhalb im erst 2016 eröffneten Al Baleed Resort ein. Was wir mit dem Oman verbinden, würde eine ausländische Mitarbeiterin gern wissen, die uns die weitläufige Pool-Villa-Anlage zeigt. Vielleicht Sindbad, von dem die Omanis glauben, dass Suhar im Norden die Geburtsstätte des mythischen Seefahrers ist? Oder eher die Heiligen Drei Könige, die der christlichen Weihnachtsüberlieferung nach als Weise aus dem Morgenland dem Stern von Bethlehem gefolgt sind – nicht nur mit Gold und Myrrhe im Gepäck, sondern auch mit Weihrauch, das durchaus aus dem Oman, einst eine bedeutende Handelsnation, den weiten Weg bis zur Anbetung an der Krippe Jesu gefunden haben könnte?

Tropfendes Gold aus der Rinde

Fest steht: Schon vor zwei Jahrtausenden dringt die Kunde vom Wunderland im fernen Orient mit Bäumen, aus deren Rinde Gold in Form eines kostbaren Harzes tropft, bis zu den Römern vor. Tatsächlich ist das ebenfalls therapeutisch genutzte „heilige Räucherwerk“ in der Antike bis in fast alle Gegenden der alten Welt ein begehrtes und deshalb hochbezahltes Handelsgut, spielt in den meisten Religionen und Kulturen damals eine sehr wichtige Rolle. Noch heute gilt der Oman als größter Weihrauchproduzent.

In einer raffinierten Welt der Düfte

In den Dörfern und Städten der Provinz sei der Duft des luftgetrockneten Harzes allgegenwärtig, der Alltag ohne ihn undenkbar, steht über den Oman auf einer Seite der Tourismusorganisation des Landes im Internet. Von den für ihre „exquisiten Räuchermischungen aus Weihrauch, Myrrhe, Sandelholz und Blütenessenzen“ bekannten Dhofar-Frauen wird berichtet, dass sie die geheimen Rezepturen dafür nach wie vor an die Töchter weitervererben. Auf Salalahs altem Souk al-Husn, wo man uns bittet, nicht zu fotografieren, tauchen wir wenigstens für einen Moment in die raffinierte Welt der Dürfte ein, ehe wir versuchen, den Spuren der alten Weihrauchstraße zu folgen.

Auf alten Karawanenpfaden

Die Landroute beginnt früher nicht weit von Salalah bei Shisr, führt auf alten Karawanenpfaden westlich nach Shabwa im heutigen Jemen, biegt nördlich nach Medina in Saudi-Arabien und weiter nach Petra in Jordanien ab, um sich schließlich nach Damaskus in Syrien und Alexandria in Ägypten zu teilen, von wo aus die wertvolle Ware bis zum Mittelmeer und so letztlich auch nach Europa gelangt. Karawanen sind mittlerweile kaum noch unterwegs. Die Einsamkeit dagegen, etwa im Dhofar-Gebirge, ist geblieben.

Eines der letzten Refugien

Das Klima in den höheren Lagen ist angenehmer. Wir fahren und fahren, ohne dass uns ein anderes Auto entgegenkommt. Nur vereinzelt sind Zelte und Hütten mit meist leeren Viehpferchen davor zu sehen. An einer Wegweisung mit arabischer und englischer Schrift bleiben wir stehen. Geradeaus geht es nach Hagaif, links nach Ayoon. „Ein schöner Ort“, hat man uns im Hotel gesagt. „Sie finden da einen See und ein Tal, in dem noch der seltene Arabische Leopard umherstreifen soll!“ Im Reiseführer steht, der Oman sei zudem eines der letzten Refugien der Arabischen Oryxantilope.

Im Koran und in der Bibel erwähnt

Die vorgeschlagenen Routen führen uns außer ins Hinterland und ins Gebirge, wo rund 20 Kilometer nördlich von Salalah Grab und Mausoleum des im Koran als Nabi Ayup und in der Bibel als Hiob erwähnten Propheten zu finden sind, noch an der Küste entlang. Westlich auf der nach dem Sultan benannten Straße zu einem von der Brandung ausgehöhlten Fels, bei dem Meerwasserfontänen in regelmäßigen Abständen aus dem Boden schießen. Östlich nach Taqa mit seinem alten Fort, zum Wadi Darbat, wo sich im Sommer, wenn der Südwestmonsun Dhofar streift, ein Wasserfall über die mächtigen Felsklippen in die Tiefe der Lagune stürzt, zum antiken Weihrauchhafen von Khor Rori, dessen Ausgrabungsstätte Sumhuram Weltkulturerbe ist, in die Jebel-Samhan-Berge und in die mit Akazien und eben Weihrauchbäumen bestandenen Ebenen.  

Geburtstag des Sultans ist Feiertag

Es ist schon spät am Nachmittag. Aus den Lautsprechern eines Minaretts in Salalah ruft ein Muezzin zum Gebet. Auch im alten Stadtteil al-Hafah kehrt langsam so etwas wie Ruhe ein. Nicht weit entfernt davon steht der Sommerpalast des mittlerweile schon seit 1970 regierenden Sultans. Eine 2009 eingeweihte neue Moschee trägt seinen Namen. „Das sollten Sie vielleicht noch wissen, wenn Sie nach Salalah fliegen“, hat der ältere Omani gesagt: „Sultan Qabus ibn Sa’id Al Sa’id ist da geboren!“ Am 18. November 1940. Dieser Tag, den das ganze Land inzwischen als Nationalfeiertag feiert, habe „diese Stadt, die Leuchtende, nur noch leuchtender gemacht!“ Salalah!   

Info Oman I

Das Sultanat am Südostzipfel der arabischen Halbinsel ist etwas kleiner als Deutschland, aber nach wie vor nur sehr dünn besiedelt trotz der mittlerweile rund 4,5 Millionen Einwohner, darunter vielen ausländischen Hilfskräften. Hauptstadt ist Muscat im Norden des Landes mit im Großraum etwa 650 000 Einwohnern, dahinter folgt mit um die 200 0000 schon Salalah im Süden in der größten Provinz, in Dhofar. Berge, Täler, Schluchten, Wadis, Wüsten, Oasen und ein 3165 Kilometer langer Küstenstreifen mit Stränden meist aus Sand prägen das Landschaftsbild. Oman Air (www.omanair.com) bedient regelmäßig die rund 5000 Kilometer langen Strecken ab Frankfurt und München nach Muscat. Die Flüge dauern etwa sechseinhalb Stunden. Wer weiter nach Salalah mit dem nach Muscat zweiten internationalen Flughafen im Land will, der muss nochmal rund anderthalb Stunden zusätzlich einplanen.

Info Oman II

Zur Einreise ist ein Visum nötig. Der Zeitunterschied beträgt plus drei/zwei Stunden. Vorherrschende Religion ist der Islam. Gesprochen wird Arabisch, mit Englisch kommt man in den Zentren etwas weiter. Ein Rial Omani, wie die Landeswährung heißt, entspricht umgerechnet etwas mehr als zwei Euro. Im Winter liegen die Temperaturen im Norden bei 25 Grad, das Wasser ist angenehm warm. Im Sommer wird es über 40 Grad, im Inneren des Landes sogar bis zu 50 Grad heiß. Ausläufer des Monsuns streifen zwischen Juni und September die Südprovinz Dhofar, lassen sie ergrünen. Der Oman ist zwar ein ganzjähriges Reiseziel, als beste Reisezeit werden jedoch die Monate von Oktober bis März empfohlen.

Info Oman III

Wir waren in Salalah im Al Baleed Resort (fünf Sterne, weitläufige Luxusanlage, 96 Pool-Villen, 40 Zimmer/Suiten, direkt am Arabischen Meer gelegen, langer Sandstrand, Spa, www.salalah.anantara.com) untergebracht. Was die omanische Küche betrifft, besteht die meist aus Reis, Brot, Limonen, Datteln, Fisch, Hühner-, Ziegen-, Lamm- und Kamelfleisch. Spezialitäten sind Shoowa aus Ziegenfleisch mit Reis, Salat und Limonen sowie die mit Safran, Kardamom, Mandeln und Rosenwasser verfeinerte Süßspezialität Halwa aus Butterschmalz, Zucker, Mandeln und Stärke. Getrunken wird vor allem Kaffee oder Tee. Alkohol gibt es nur in Hotelrestaurants, -bars und privaten Clubs. Ihn in der Öffentlichkeit zu trinken, ist verboten! Information: Sultanat Oman, Tourismusministerium, c/o Interface International GmbH, Karl-Marx-Allee 91A, 10243 Berlin, Telefon 030-42088012, www.omantourism.de, www.oman.de

Service Auto

Mit dem Wagen im Oman ist ein Abenteuer für sich! Zwar sind die Hauptstrecken gut ausgebaut und außerhalb der Zentren herrscht kaum Verkehr, doch ist Vorsicht geboten, denn hinter jeder Kurve können plötzlich Kamele/Dromedare auf der Straße stehen, Esel und Ziegen die Fahrbahn überqueren, einem ganze Kuhherden ohne Aufsicht in voller Breite entgegenkommen. Und dann noch deren Hinterlassenschaften! Im Oman wird rechts gefahren. In Orten ist 40, auf Landstraßen 90, auf Autobahnen Tempo 120 erlaubt. Die Promillegrenze liebt bei 0,0. Wir waren bei dieser Reise im Oman im Rahmen der Fahrvorstellung des neuen Audi RS3 unterwegs. Sportback/Limousine, beide 400 PS stark, stehen ab August ab 54 600/55 900 Euro bei den Händlern.

KoCom/Fotos: Günther Koch/Tobias Sagmeister/Al Baleed Resort Salalah/Oman-Tourismus

6. Juni 2017

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