Wie ein Heiligtum

Im neuen Opel Crossland X von der Küste der Adria durch das Hinterland im Veneto

Von Günther Koch/Life-Magazin

 

Passt in die Region: Hausfassade an der Weinstraße „Strada del Prosecco“. Foto: Koch

Venedig - Wenn das Marco Polo wüsste! Dass die Stadt, in der der berühmte italienische Seefahrer, Entdecker und Reisende („Ich habe nicht die Hälfte von dem erzählt, was ich gesehen habe, weil keiner mir geglaubt hätte“) 1254 geboren worden ist, nicht mehr nur in ihrer Lagune zu versinken droht, sondern möglicherweise vorher schon an den Heerscharen von Touristen zu ersticken!

Lieber gleich in Richtung der (Wein-)Berge

Wir verlassen deshalb lieber gleich die Küste, fahren durchs Hinterland des Veneto in Richtung der Berge. Schriftsteller Stefan Maiwald, dessen Roman „Der Spion des Dogen“ 2016 veröffentlicht worden ist, begleitet uns. Für den Automobilbauer Opel, der hier gerade seinen neuen Meriva-Nachfolger Crossland X präsentiert, hat er einen eigenen Reiseführer zusammengestellt, Titel „Unterwegs in der Prosecco-Region“. Der weltbekannte Schaumwein, ausgezeichnet mit dem edelsten Gütesiegel, sei im Veneto so etwas wie ein Heiligtum. Ein solches Produkt dürfe, so jedenfalls Maiwald, nur aus der Provinz Treviso aus den Anbaugebieten Conegliano, Valdobbiadene und den Colli Asolani kommen.

Der römische Kaiser Claudius lässt im Jahr 47 des Herrn grüßen

Wir machen uns vom Flughafen Marco Polo aus nördlich auf den Weg, biegen bei Treviso östlich nach Roncade ab, wo auf dem Weingut mit dem ungewöhnlichen Namen „47 Anno Domini“ schon seit drei Generationen Prosecco produziert wird, sogar in veganer Version. Warum es übersetzt ausgerechnet „47 im Jahre des Herrn“ heißt? Weil Roms Kaiser Claudius damals eine Handelsstraße bauen ließ, die das Veneto mit den Gebieten jenseits des Brenners, dem heutigen Tirol und Bayern, verband, klärt Autor Maiwald auf. Auch 1970 Jahre später spürten die Winzer mitunter, wie bei der Lese der Duft der reifen Trauben hinaus in alle Welt ziehe …


Auf der „Strada del Prosecco“ von Conegliano bis Valdobbiadene

Auf der sich von Conegliano bis Valdobbiadene quer durch die malerische Gegend ziehenden „Strada del Prosecco“, laut Maiwald von allen Weinstraßen des Landes „nicht die berühmteste, aber sicherlich die romantischste“, ist in der Tat der Weg das Ziel. Schon gleich hinter Conegliano beginnen die eindrucksvollen Blicke auf die Weinberge.

Wo zahlreiche Palladio-Villen Weltkulturerbe sind

Richtung Farra di Soligo werden die Hügel höher und steiler. Zwei mittelalterliche Türme erheben sich: Die Torri di Credazzo stammen aus der Zeit der Langobarden, jenem kampfeslustigen Volk der „Langbärte“ aus Germanien, so Maiwald. Andere Bauwerke zeugten mehr von der Kunst als vom Krieg: Andrea Palladio zum Beispiel, der namhafteste Renaissance-Baumeister Italiens, habe rund um die „Strada del Prosecco“ 20 Villen hinterlassen, die sogar zum Weltkulturerbe gehörten.

Tizian-Fresken im Dom von Treviso

Zwischenstopp mitten im Prosecco-Paradies im Duca di Dolle in – was für ein Name! – Rolle di Cison di Valmarino. Der Ort gehört ebenfalls noch zur Provinz Treviso. Auch wenn in Treviso selbst nur wenige Kanäle (und gar keine Gondeln) zu finden sind, sei die Stadt doch ebenfalls architektonisch nicht weit von Venedig entfernt, findet Maiwald. Der eher beschauliche Ort habe lange unter dem Schutz der Seerepublik gestanden, bis Napoleons Truppen dem Idyll ein Ende bereiten. Wer Kultur schätzt, sollte sich im Dom San Pietro an der Piazza del Duomo umschauen und Tizians Fresken dort bewundern, rät Maiwald. Und wer es lieber gastronomischer mag: In der Enoteca Rossi in der Viale IV Novembre 62 soll es über 4000 Weine und, natürlich, eine „überbordende Auswahl an Prosecco“ geben.

Staub der Vergangenheit längst abgeschüttelt

Wenigstens zum Übernachten kehren wir zur Küste nach Jesolo zurück, quartieren uns im Almar-Hotel ein. Die oberitalienische Adria beschreibt Autor Maiwald als ein „sandiges Paradies“, denn zwischen Grado, Lignano, Bibione, Jesolo und dem Lido di Venzia lockten kilometerlange, feine Sandstrände mit flacher, weitgehend kindersicherer Dünung, „die zudem allesamt nach Süden zeigen“. Die Sonne steht demnach fast immer direkt über dem Meer. Jesolo sei in Deutschland ein „beinahe ebensolcher Mythos wie Rimini“, betont Maiwald. Mit ihren im aufkommenden deutschen Wirtschaftswunder in den 1950er- und 1960er-Jahren frisch erstandenen Opel Kadett oder Opel Rekord seien die ersten Touristen über die Alpen hierher gereist, hätten sich in das Land verliebt. Fast fünf Millionen Gäste strömten immer noch jedes Jahr allein nach Jesolo. Der Staub der Vergangenheit sei dort „längst abgeschüttelt“ worden.

Im Schatten ein Gläschen zwischendurch

Zurück zum Wein. Zum Gläschen zwischendurch sagen die Menschen in der Region übrigens ombra, was übersetzt so viel wie Schatten bedeutet. Für diese wunderliche Bezeichnung liefert Stefan Maiwald gleich zwei Theorien nach: Denn entweder sei sie von den Arbeitern gekommen, die schon früh morgens hart anpacken mussten, um die Märkte zu beliefern, dann in der Mittagshitze eine Pause einlegten und im Schatten eine flüssige Stärkung zu sich nahmen. Oder sie stammt von apulischen Winzern, die auf dem Marktplatz ihre Rotweine verkauften und mit den Fässern, um sie kühl zu halten, dem Schatten des Markusturms folgten.

Nach einem alten Dialektsprichwort

Fest steht, dass Christus nach einem alten Dialektsprichwort aus dem Veneto dem, der keinen Wein trinkt, auch noch das Wasser wegnimmt. A ci non beè el vin, che Cristo el ghè toga anca l’acqua!

Info Veneto I

Die bei uns auch Venetien genannte Region in Norditalien ist mit knapp 18 500 Quadratkilometern flächenmäßig die achtgrößte im Land, liegt bei den Einwohnern mit rund fünf Millionen auf Platz fünf. Der Flug nach Venedig dauert von München oder Frankfurt aus eine gute Stunde. Vom Klima her geht es eher gemäßigt zu mit milden Wintern und nicht ganz so heißen Sommern. Beste Reisezeiten sind auch wegen der dann nicht mehr so vielen Touristen Frühling oder Herbst. Die Prosecco-Region an der Weinstraße „Strada del Prosecco“ wird im Norden von den Dolomiten, im Westen vom Gardasee und im Süden von der Adria begrenzt.

Info Veneto II

Wir waren in Jesolo im Almar (fünf Sterne, 197 Suiten/Zimmer, geschmackvoll-modern eingerichtet, direkt am Strand, www.almarjesolo.com). Für einen Ausflug ins Hinterland können wir in Roncade östlich von Treviso das Weingut 47 Anno Domini (www.47annodomini.it) und in Rolle di Cison di Valmarino in den Weinbergen des Prosecco- und Grappa-Landes die romantische Relais-Herberge Duca di Dolle (www.ducadidolle.it) empfehlen. Zu den kulinarischen Spezialitäten gehören Radicchio-Rosso-Gemüse, dicke Bigoli-Spaghetti und Moèche-Krebse. Im hügeligeren Hinterland werden eher weiße Weine wie Soave angebaut. Der Amarone zählt neben Barolo und Brunello zu den drei großen roten Italiens. Information: Italienische Zentrale für Tourismus Enit, Barckhausstraße 10, 60325 Frankfurt/Main, Telefon 069-237434, www.enit.de.

Service Auto

Mit dem Auto reist am besten über Innsbruck, Bozen, Trento, Verona und Padova an. Von München sind es knapp 500 Kilometer bis Venedig. In Orten ist Tempo 50, außerhalb 90, auf Schnellstraßen 110, auf Autobahnen 130 erlaubt. Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Wer die beschriebene Route nachfahren will: Vom Flughafen Venedig sind es etwa 25 Kilometer oder 20 Minuten bis Roncade, vom dortigen Weingut 47 Anno Domini ungefähr 90 Kilometer oder anderthalb Stunden bis Rolle di Cison di Valmarina und vom Relais-Hotel Duca di Dolle dort nochmals rund 90 Kilometer oder gut eine Stunde nach Jesolo. Die Reise fand im neuen Opel Crossland X statt, der als Benziner und Diesel mit 81 bis 130 PS ab 16 850 Euro zu haben ist.

KoCom/Fotos: Günther Koch

22. Mai 2017

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