Voller Tatendrang

Für Norbert Schüren stehen die Stadtwerke an erster Stelle

 

Verleger, Kaufmann, Politiker, Stadtwerke-Geschäftsführer: Norbert Schüren. Foto: Brock

Eigentlich will Norbert Schüren nicht in der Öffentlichkeit stehen. Eigentlich, denn sein vielfältiges Wirken hat nicht nur die Universitätsstadt geprägt, ob als Verleger, Kaufmann oder Politiker (immerhin bis hin zum Staatssekretär mit Wirken in die Bundesregierung hinein) und seit nunmehr fast 14 Jahren als Geschäftsführer der Marburger Stadtwerke.

Mit niederrheinischem Akzent

Und eigentlich mag er es auch nicht, über die Vergangenheit zu sprechen. Denn der 61-Jährige lebt im Hier und Jetzt. Das wird auch beim Versuch deutlich, etwas via Google über den gebürtigen Mönchengladbacher herauszufinden. Über den Mann, der seinen niederrheinischen Akzent nicht verloren hat, auch wenn er längst in der Universitätsstadt an der Lahn heimisch geworden ist. Da wird er im Netz beispielsweise in einem Artikel über erfolgreiche Marburger Politikwissenschaftler erwähnt, aber eben erwähnt. Denn im Mittelpunkt dieses Werkes steht der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel. Ein paar Suchergebnisse dokumentieren seine Vergangenheit als Verleger und Geschäftsführer im Medienbereich, etwa auch Artikel im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Regionaler Ver- und Entsorger

Ganz wie bei Google stehen für den Mann, der seine Haare über Jahrzehnte mit einem Seitenscheitel à la Günter Netzer in Fasson bringt, die Stadtwerke an erster Stelle. Und wenn die Rede auf die Stadtwerke Marburg GmbH kommt, so die offizielle Bezeichnung des regionalen Ver- und Entsorger der Universitätsstadt, dann schwingt auch ein klein wenig Stolz in der Stimme mit. Kein Wunder, denn der Jahresumsatz hat sich mit mittlerweile mehr als 120 Millionen Euro in seiner Geschäftsführer-Zeit verdoppelt, das Eigenkapital mit 65,4 Millionen Euro fast verdreifacht wie auch die Zahl der Mitarbeitenden. Die Stadtwerke zählen mit nunmehr 650 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern in der Region.

"Immer Wert auf Innovation gelegt"

„Frühzeitig in die Erzeugung von Energie eingestiegen zu sein“, das ist für den Diplom-Politologen, der schon früh als Geschäftsführer im Medienbereich tätig war, ein Grund für den Erfolg. „Und dass wir immer Wert auf Innovation gelegt haben.“ So werde beispielsweise auf der Kompostierungsanlage in Cyriaxweimar selbst aus Speiseresten noch Energie für hunderte Haushalte gewonnen. Wurde vor fast 20 Jahren der biologische Abfall noch an der Luft in überdachten Mieten kompostiert, so wird heutzutage dort Biogas erzeugt, mit dem Haushalte im Stadtwald mit Strom und Wärme versorgt werden. Das Biogas aus Cyriaxweimar wird in einem Blockheizkraftwerk der Stadtwerke verstromt.

Zum Beispiel Breitband

Innovation bedeutet für Schüren aber auch, sich neuen Geschäftsfeldern zu öffnen. Zum Beispiel dem Breitband. Und wenn das Ganze dann noch mit Erfolg gekrönt ist, dann beginnen seine Augen ein klein wenig zu strahlen, wenn er dann doch einmal kurz zurückblickt: Dass die Stadtwerke vor wenigen Monaten den Innovationspreis des Verbands Kommunaler Unternehmen für Auf- und Ausbau des Breitbandnetzes erhalten haben. „Das Ganze ist bürgernah und schnell geschehen und macht deutlich, dass kommunale Unternehmen  auch Telekommunikation können.“

Zunächst als alternatives Projekt

Eigentlich hätte er während des Gespräches mit „mrlife“ zur Eröffnung der Buchmesse in Leipzig sein können. Als Repräsentant des Verlages, der noch immer seinen Namen trägt, den er Anfang der 1980er-Jahre zunächst als alternatives Projekt mitbegründet und dessen Geschicke er lange Zeit als Geschäftsführer geleitet hat. Eigentlich, wenn es Norbert Schüren nicht zunächst hauptberuflich in die Politik verschlagen hätte, bevor er das Angebot erhielt, Geschäftsführer der Stadtwerke zu werden. „Der Verlag ist in guten Familienhänden“, verweist der Ex-Verleger darauf, dass Ehefrau Annette seit 1995 die Geschicke des Verlages mit medienwissenschaftlicher Ausrichtung lenkt. Er stehe aber „gern mit Rat und Tat zur Seite“.

Noch immer politisch aktiv

Nicht nur eigentlich ist der Sozialdemokrat Norbert Schüren noch immer politisch tätig. Zwar längst nicht mehr hauptberuflich, sondern als Abgeordneter des Kreistags, als stellvertretender Fraktionssprecher und Leiter der Arbeitsgruppe Finanzen bei den Koalitionsverhandlungen mit der CDU auf Kreisebene, die derzeit in vollem Gange sind. Aber nicht nur dort hat seine Stimme noch immer Gewicht, sondern auch in Marburg, wo er lange Zeit Fraktionsvorsitzender der SPD war.

"Deutlicher Warnschuss"

Dass Rot-Grün die einstige deutliche Mehrheit im Stadtparlament mit der Kommunalwahl im März verloren hat, bezeichnet er als „deutlichen Warnschuss“. Und angesichts der Finanzlage samt notwendigem Kassensturz aufgrund von Steuerrückzahlungen ist er gespannt, was potenzielle Koalitionspartner der Sozialdemokraten anzubieten haben. „Nach dem Motto Freibier für alle ist weder der Haushalt der Stadt zu sanieren, noch lässt sich realistisch Politik propagieren“, rät Schüren bei allem Verständnis für das Soziale, nicht den Blick auf die Realität zu verlieren. Uneigentlich fühlt sich Norbert Schüren nach eigenen Angaben „fit und voller Tatendrang“. Und er freut sich schon jetzt auf den Beginn der Grillsaison. Denn Kochen zählt zu einem seiner wenigen Hobbys, die er der Öffentlichkeit preisgibt. Sein Lieblingsrezept? „Im Moment Spaghetti mit Garnelen.“

Manfred Günther/ Fotos: Uwe Brock

12. April 2016

 

 

 

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