Die Eisenbergs

Sie sind weiter das Marburger Trainer-Duo für flinke Beine

 

Ein Trainer-Ehepaar, für das in vielerlei Hinsicht seinesgleichen gesucht werden muss! Empfang im roten Trikot des 1. FC Kaiserslautern, im Wohnzimmer ein Tischkicker und die neueste Ausgabe des „kicker“ - die Fußballzeitschrift, mit der Wilfried Eisenberg quasi aufgewachsen ist - gerade erst aus der Hand gelegt.  Wer den Mann mit diesem sympathischen Lächeln nicht kennt, käme zunächst keineswegs auf die Idee, dass er von einem Leichtathleten bis in die (Lauf)schuhspitze empfangen wird - und von einem Mann im Alter von 73 Jahren. Auch ist nach den Jahrzehnten in Hessen nicht mehr zu vernehmen, dass er in einem Dorf in der Pfalz aufgewachsen ist - „gelle, das hört man nicht“.
  Die Nähe zu Kaiserslautern und ein Vater  bei der  Bahn, „sportbegeistert, aber nicht selbst aktiv“, sorgten dafür, dass der Pfälzer Bub zum FCK-Fan wurde, dem Verein, der Mitte der 50er mit fünf Weltmeistern „das war, was heute der FC Bayern ist“.
  Längst sind diese glorreichen Pfälzer Fußballzeiten Vergangenheit, wie auch die eigenen, die des rechten Verteidigers Wilfried Eisenberg, der damals Rechter Läufer hieß. Zwei Jahre  spielte Wilfried Eisenberg Fußball, in der B-Jugend „als einziger Gymnasiast in der Mannschaft“.
  Bei seiner Schnelligkeit - immerhin 11,4 Sekunden über 100 Meter - wurde im wahrsten Sinne des Wortes etwas in eine andere, die richtige Bahn gebracht, auch privat: Denn inzwischen bei der Bundeswehr in Neustadt stationiert, lernte Leichtathlet Eisenberg seine Frau kennen, Leichtathletin Jutta. Über den Umweg der Mainzer Uni  und mit zwei Examensarbeiten in Fach Sport im Gepäck - Diplom und Lehramt - kehrte Wilfried zurück nach Hessen, wurde in Kirchhain Sportlehrer und Trainer, unter anderem auch der seiner Frau Jutta, einer erfolgreichen Leichtathletin, mit Bestzeiten von 12,1 Sekunden über 100 Meter oder  Bestweiten wie 5,66 Meter im Weitsprung. Einer Sportlerin, die auch heute noch bei Seniorenmeisterschaften erfolgreich ist - mit Titeln über 80 Meter Hürden, auf der 200-Meter-Strecke oder quasi im Vorbeilaufen den der Hessischen Meisterin im Kugelstoßen.
  Inzwischen ist das Ehepaar schon längst ein Trainerduo - seit nunmehr 35 Jahren. Und auch heute noch sind die 65-jährige Jutta und ihr Mann fünf bis sechs mal pro Woche unterwegs für den TSV Kirchhain, für die Leichtathletikabteilung des Vereins, deren Leiter Wilfried seit nunmehr mehr als 40 Jahren ist.
  Doch in Sachen Trainerdasein planen die beiden inzwischen nur noch von Jahr zu Jahr. Jeweils im Herbst falle die Entscheidung für das kommende, wobei klar sei, dass keiner ohne den anderen mehr als Übungsleiter tätig sein werde: „Jutta und ich sind ein Gespann. Wenn einer von uns beiden krank wird, dann ist Schluss.“
  Doch nicht nur für den Sport sind die beiden gemeinsam unterwegs: Am trainingsfreien Mittwoch wird italienisch gelernt, in der Volkshochschule. Und irgendwie hat das dann doch auch mit der Leichtathletik zu tun, denn schließlich findet fast jedes Jahr im Frühjahr ein Trainingslager der Kirchhainer Leichtathleten in Italien statt.
  „Des Geldes wegen tun wir das alles sicher nicht“, sagen die Eisenbergs, die zu einer Generation von Idealisten zählt, die es so künftig wohl nur noch selten geben wird: Übungsleiter, die weit mehr sind als Trainer und Betreuer. „So wie wir unser  Tun verstehen, musst du ein Allrounder sein“, sagen sie - wohlwissend, dass sie nicht nur als Trainer, sondern auch als Motivator und Seelentröster gefragt sind. Und wenn sie dann so über die Arbeit beim TSV Kirchhain berichten, ist deutlich zu spüren, dass sie noch immer Freude am Trainieren mit den Athleten haben, die sie fördern, fordern und pädagogisch begleiten, und dies auf eine besondere Art, wie Wilfried berichtet: „Wir pflegen auch den Kontakt zu den wichtigsten Angehörigen der Sportler, gehen auf sie zu - quasi als vertrauensbildende Maßnahme.“
  Ganz auch der Pädagoge, der Wilfried Eisenberg es über Jahre hinweg auch beruflich war. Der Oberstudienrat mit den Fächern Sport und Geschichte hat so manche Klasse bis zum Abitur geführt und dabei nicht nur den Sport in der Region, sondern auch an der Alfred-Wegener-Schule entscheidend mitgeprägt.
Die Erfolge der Eisenbergs sind zugleich die Erfolge ihrer Schützlinge. Gabi Lesch-Sewing beispielsweise, ein Talent, das einem als Trainer in einem Verein wie dem TSV Kirchhain nur einmal in seinem Trainerdasein begegne: 1988 Deutsche Meisterin über 800 Meter und Teilnehmerin an den Olympischen Spielen in Seoul sowie Dritte bei der Halleneuropameisterschaft.
  Eine von vielen Sportlerinnen in Kirchhain, die über die Schule und das Schulsportzentrum den Weg zum Verein fand. Die zunächst einer Basketballgruppe angehörte, bis zur Leichtathletik kam - entdeckt vom Trainerehepaar Wilfried und Jutta Eisenberg.
Bei einer Sportart hören bei den Eisenbergs allerdings die Gemeinsamkeiten allerdings auf – beim Fußball. Auch wenn der Kicker im Wohnzimmer für den Enkelsohn aufgestellt ist, so ist das Mitfiebern mit dem FCK auf dem grünen Rasen Männersache. Zwar nicht mehr mit dem Vater, sondern mit Freunden, aber im roten Trikot. Wenn im Mittelpunkt des Interesses auch der Wunsch nach optimaler sportlicher Leistung steht, so darf diese jedoch nicht als Selbstzweck angestrebt werden, sondern vielmehr als eines, neben anderen Mitteln, um den Sportler zu einer eigenständigen Persönlichkeit zu „erziehen“.
  In diesem Zusammenhang ist die Begeisterungsfähigkeit des „Lehrer-Trainers“ von besonderer Bedeutung. Denn wie man bereits in den Briefen Goethes an Eckermann nachlesen kann: „Nur von dem Lehrer sind die Schüler bereit etwas zu lernen, den sie auch lieben“, so Wilfried Eisenberg in der Broschüre „125 Jahre TSV Kirchhain“.

Life-Magazin/Manfred Günther

 

 

 

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