Die Frau für die Frauen

Marita Metz-Becker auf Spurensuche 

 

 

Marita Metz-Becker vor dem Haus der Romantik in Marburg

Auch im Westerwald können Karrieren beginnen. In dem Dörfchen Breitscheid, wo der berühmte Wind zwischen die Häuser fährt. In einem dieser Häuser ist Marita aufgewachsen. Die Tochter der Eheleute Metz. Er Schlosser. Sie Bürokauffrau. Am letzten Tag des Jahres 1953 ist Marita dort zur Welt gekommen. Wahrscheinlich hat es damals gerade wieder kalt geweht. 
Wer nun – gut 60 Jahre später – den Namen Marita Metz bei Google eingibt, der wird schnell auf eine Professorin Dr. Metz-Becker stoßen, von der mehr als 20 Bücher lieferbar sind. Auf ihrer Homepage www.metz-becker.de sind hunderte von Vorträgen, Stadtführungen und Lehrveranstaltungen aufgeführt, die sie in den vielen Jahren in Marburg geleitet hat. Metz-Becker heißt sie nun, weil sie sich als Studentin in Marburg in einen jungen Anwalt verliebte. Drei Töchter hat sie mit ihm.
Vor den Marburger Studienjahren hat die junge Westerwälderin in Giessen Pädagogik studiert. Nach dem Abschluss an der dortigen Fachhochschule machte sie in Marburg das Diplom. Das Marburg der 70er war natürlich für eine politisch aktive Pädagogin eine aufregende Welt. Hier entwickelte sich der Forschungsschwerpunkt, der sich durch die akademische Vita zieht: Frauen. Frauen, die aus purer Armut ihre Kinder umbringen. Frauen, die große wissenschaftliche Leistungen vollbringen. Frauen, die Frauen helfen: Hebammen. Die Frauenfiguren aus den vergangen 300 Jahren stehen dabei im Vordergrund.
Auch bei Marita Metz-Becker war es eine Frau, die 1982 entscheidende Weichenstellungen im Leben der damals jungen Ehefrau und Mutter mit ausgelöst hat: die Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Ingeborg Weber-Kellermann. Beide sind nach einem Vortrag ins Gespräch gekommen. Die Hochschullehrerin hat dann bei der Pädagogin und jungen Mutter das ohnehin vorhandene Interesse am „Geistigen“ so verstärkt, dass sich in den folgenden Jahrzehnten die akademische Karriere über Promotion und Habilitation im Fach „Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft“ entwickelt hat.
Rückblickend erscheint es Marita Metz-Becker mehr als folgerichtig, denn in dem klassischen Familienbild mit der entsprechenden Rollenverteilung hat sie sich nie so richtig zuhause gefühlt. „Mein Mann hatte wohl mit mir eine etwas sperrige Ehefrau“, sagt sie heute im Rückblick. Aber er hat ihre Karriere begleitet, sich gar selbst mit einer Promotion auf den familieninternen Wettbewerb eingelassen. Bis zur Habilitation ging es aber nur bei ihr.

Marburg verleiht das Stadtsiegel

Marita Metz-Becker lehrt als Hochschullehrerin regelmäßig in Marburg und war als Vertretungsprofessorin auch an anderen Universitäten tätig.
Das Haus der Romantik am Marburger Markt ist ohne das ehrenamtliche Engagement der Kulturwissenschaftlerin Metz-Becker nicht denkbar. Sie ist dort für das Veranstaltungsprogramm ebenso zuständig wie für die organisatorische Leitung des Hauses. mrlife hat sie auch dort getroffen, lässig stehend vor den Figuren, die auch mal für Marburg bedeutende Rollen gespielt haben. Mit Blick auf all das, was Marita Metz-Becker für Marburg bewegt hat, kann man sich gut vorstellen, dass sie auch einmal auf solchen Plakaten abgebildet sein wird.
Mit Ehrungen ist sie ohnehin überhäuft worden: Vom Otto-Ubbelohde-Preis und dem Frauenförderpreis der Philipps-Universität bis zum Historischen Stadtsiegel der Stadt Marburg.
Roman und Film „Die Hebamme“ gehen auf die Forschungsergebnisse zu ihrem Buch „Der verwaltete Körper, Die Medikalisierung schwangerer Frauen in den Gebärhäusern des frühen 19. Jahrhunderts“ zurück.
Kerstin Cantz, die Autorin des Romans, hat damals monatelang in Marburg mit den Forschungsunterlagen von Marita Metz-Becker gearbeitet. Dabei haben sich die Wissenschaftlerin und die Münchner Schriftstellerin angefreundet. Natürlich drängt sich da die Frage auf, ob sich die Professorin nicht auch mal auf das Feld der fiktionalen Literatur begeben will. Zu einer klaren Antwort wollte sie sich im Gespräch mit mrlife nicht durchringen. Man merkt ihr an, dass sie inhaltlich gern festen Boden unter den Füßen hat. Vielleicht macht sie es auch deshalb nicht, weil ihr mal jemand gesagt hat:
 „Schreib einen Roman, dann verdienste was.“ Das kann ja schließlich für eine Wissenschaftlerin ihres Zuschnitts kein handlungsleitendes Argument sein.
Wer sieht und hört, mit welchem Engagement Marita Metz-Becker über ihre Forschungsinhalte spricht, vor allem über die, die sie noch verwirklichen will, der sieht sie noch nicht auf ihrer langen Südseereise „auf den Spuren des Forschers Georg Forster“, die sie „wenn mal Zeit ist“ machen möchte.
Es sieht im Moment mehr nach einem kleinen Spaziergang durch das alte Marburg aus. Maximal nach einer Wanderung im Westerwald. Beim kalten Wind.

Text/Fotos: Günter Gleim

 

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