Die Welt in Bildern

Ausdrücken will das der Künstler Harald Häuser.

Geboren in Marburg, studiert in aller Welt,wohnhaft im Hinterland.

Der Silberring wirkt elegant. Und recht groß für einen Mann. Harald Häuser trägt ihn seit vielen Jahren. Er ist Künstler. Geboren in Marburg, aufgewachsen in Paris und am Bodensee, wohnhaft in Kleingladenbach, tätig weltweit. Nie stellte sich ihm die Frage, ob er Künstler werden wollte. Harald Häuser ist ein Mensch, der die Welt und seine Wahrnehmungen in Bildern, Zeichnungen, Keramiken und Bronzen ausdrückt.
Schon als Schüler wird ihm das bewusst und er beschließt, einmal ein Künstler zu sein.  Zu Malen ist ihm schon immer ein Bedürfnis. „Nach der Schule habe ich gemalt, statt Hausaufgaben zu  machen“, aus einem inneren Antrieb heraus. „Um sich das Gefühl zu geben, dass es doch einen Sinn dahinter gibt“, erklärt er, während wir in seinem Atelier in Kombach nahe Biedenkopf sitzen. Rundherum Keramiken mit blauen Schriftzeichen, die gerade von einem Arbeitsaufenthalt in einer Keramikwerkstatt in Portugal stammen. Im Hintergrund eins der großen, farbkräftigen Bilder des Künstlers.
Mit 17 Jahren beginnt er mit Farben zu experimentieren und der Wunsch, die Kunstakademie in Karlsruhe zu besuchen, wird immer größer. 1978 entscheidet er sich für das Kunststudium in Karlsruhe, nachdem er in Konstanz bereits ein Studium der Politologie, Literaturwissenschaft und Linguistik begonnen hatte. Die Zeit in Karlsruhe prägt ihn, gibt Raum zur Entfaltung. Hier gründet Harald Häuser unter anderem mit den Künstlern Pehlke, Pelz und Scherrer die Künstlergruppe „Kriegfried“, die nicht nur in Stuttgart, Marburg und Paris ausstellt, sondern 1980 auf der Biennale in Venedig durch eine Performance für Furore sorgt.
In Karlsruhe trifft Harald Häuser 1984 auch auf die Frau, die fortan immer an seiner Seite ist. Die Marburgerin war für ein Wochenende zum Besuch einer Freundin in der Stadt.
Gudrun, seine Assistentin und Kritikerin, trägt Turnschuhe und serviert uns Gebäck. Und erzählt, wie es war, als sie sich kennenlernten. „Ich hab‘ zuerst seine Bilder gesehen und dann ihn. Und dann hat es mich gepackt.“ Sie lacht. Er lächelt. Schaut auf den Silberring. - Den kaufte seine Frau auf einem Flohmarkt in New York, eigentlich für sich selbst. 1992 war das, als sie eine Ausstellung im Deutschen Haus vorbereiteten. - Und erinnert sich an die erste Begegnung mit Gudrun: „Sie hat Fragen zu meinen Bildern gestellt, die mich total verblüfft haben. Unglaublich einfühlsam, habe ich gedacht“.

Das denkt er heute immer noch, wenn er am Malen ist und nicht weiterkommt und sie scheinbar beiläufig einen Blick auf die Arbeiten wirft.
 „Sie sagt etwas. Oft sind es Worte wie aus dem Unterbewusstsein, zum Teil Worterfindungen – und trifft den Nagel auf den Kopf.“  Dieser verstehende Blick von außen ist sehr wichtig für Harald Häuser.
Gudrun leidet den Schöpfungsprozess mit: „Vor allem, wenn ich merke, dass er sich über Monate an einem Werk quält“, sagt sie. Und meint Situationen, in denen er an einer Bildserie nicht weiterkommt, feststeckt im Gestaltungsprozess.
Gut zu verstehen, dass Harald Häuser dieser Frau 1985 nach Marburg folgt, seiner Geburtsstadt, in der er aber nie gelebt hatte. 1993 verlegen die beiden ihren Wohnsitz nach Kleingladenbach im Hinterland. „Hier kann man sich komplett auf die Arbeit konzentrieren“, sagt Häuser. So wie in der Städtischen Galerie in Weingarten am Bodensee, wo kürzlich die Keramiken zu sehen waren, die er in Portugal gefertigt hat. Versehen mit einer eigens von ihm entwickelten Zeichenschrift.
Kinder haben die Häusers nicht. Sie haben sich – und die Kunst. Pendeln zwischen Breidenbach, Markdorf am Bodensee, Mallorca, Paris, Savannah in den USA, Tunesien, Portugal und den  Ausstellungsorten auf der ganzen Welt.
Und immer wieder kommen sie zurück ins Hinterland, um im Atelier die Erfahrungen in die Arbeit einzubringen und um neue Herausforderungen angehen zu können. Gudrun bringt es auf den Punkt: „Wir sind unterwegs. Das ist unser Leben.“

von Tina Fischbach-Nispel/ Fotos:Brock


Vita Harald Häuser:

Harald Häuser wird 1957 in Marburg geboren.  
■ Von 1978 bis 1983 besucht er die Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe.
■ 1983 nimmt er an der Ausstellung „Germinations“ im Museum Fridericianum in Kassel teil.
■ 1994 stellt er bei der Ausstellung „Expressionism in German Art, a 20th Century Tradition“ in Atlanta, gemeinsam mit Kiefer, Fetting, Beuys  aus. Projekte mit den Goethe-Instituten Atlanta, Colombo, Paris und Tunis folgen.
■ 2013 werden Keramiken  in die Sammlung „Weltkultur/Globalculture“ des Badischen Landesmuseums aufgenommen.
■ 2012 illustriert er Gottfried Benns Novellenzyklus „Gehirne“(Molokoprint Verlag).
■ Seit Kurzem beschäftigt er sich mit der Erstellung von Bronzen, die seine Schrift-Zeichnungen dreidimensional darstellen


 

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