Heißes Eisen

Ausstellung von Ofenplatten im Landgrafenschloss.

Eine schwarze Platte, deren Aussage sich erst bei genauem Hinsehen erschließt – die biblische Geschichte der schönen Witwe Judith, die das Vertrauen des feindlichen Feldherrn Holofernes gewinnen konnte, ihn tötete und so die Israeliten vor einem übermächtigen Feind rettete. Seit Jahrhunderten inspiriert das Thema Künstler aller Gattungen. Zu finden ist es auch auf gusseisernen Öfen, einer Erfindung des späten 15. Jahrhunderts. Eine Ausstellung im Landgrafenschloss stellt noch bis zum 10. April die Vielfalt dieser Ofenplatten vor.
Mit der Reformation kamen biblische Darstellungen auf Öfen in Mode, auch weil damit ein Ziel Martin Luthers in Erfüllung ging: Gottes Wort und Werk immer vor Augen zu haben. Die Erzählung von Judith war eines der beliebtesten Motive. Sie galt als Heldin, die ihr Volk aus einer Notlage befreite. Während der Reformation wurde sie von Protestanten wie Katholiken vereinnahmt. Mal stand sie für den Kampf gegen die Fürsten, die die evangelische Sache bedrohten, mal für den Kampf gegen die Osmanen. Judith trägt Kleidung des 16. Jahrhunderts und auch die Waffen stammen aus dieser Zeit. Für den zeitgenössischen Betrachter wurden damit die aktuellen Bezüge noch deutlicher.

Biblische Motive auf Ofenplatten des 16. Jahrhunderts, Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Phillips-Universität Marburg, Landgrafenschloss Marburg, bis 10. April 2016

von Stefanie Funk/ Foto: Gleim

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