Arzu Kurt (2. von links) von der Anneliese Pohl-Stiftung verfolgt den selbstbewußten Vortrag von Noah Kaletsch (rundes Ausschnittfoto) in der Besprechung zwischen Schülern und Lehrkräften.  Der 17-Jährige ist Schulsprecher der Mosaikschule und Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr.

Zur Mobilität anleiten und die Selbständigkeit fördern

Die Mosaikschule macht ihre Schüler fit für den Alltag

Als die Mutter des heute siebenjährigen Dario der Geburt ihres Sohnes entgegensah, wusste sie bereits um ihre große Herausforderung. Die Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft hatten ergeben, dass Dario behindert sein würde: Trisomie 21. Down-Syndrom.  Dario ist heute ein fröhlicher Junge und Schüler der Mosaikschule in Marburg. „Ein Sonnenschein“, berichtet Schulleiterin Christina Czech.
Die bewusste Entscheidung von Nicole Preuss für ihr Kind brachte für sie vor knapp acht Jahren eine Welle von Überlegungen, Abwägungen und Entscheidungen in Gang. Eine Welle, die nicht abebbt, auf der man mitschwimmen und sich den Herausforderungen stellen muss. Diese Einstellung machte die alleinerziehende Mutter stark, damit umzugehen, dass ihr Sohn besondere Hilfe, Unterstützung und Förderung braucht. „Aber ich habe auch viel, viel Freude,“ sagt sie.
Nicht selten kommen Kinder mit Down-Syndrom gleichzeitig mit Herzfehler zur Welt. So auch Dario. Nach drei Operationen ist er heute herzgesund. Ein Schilddrüsenmedikament kompensiert eine Unterfunktion. Was bleibt, ist der Entwicklungsrückstand.
Um Dario so normal wie möglich aufwachsen zu lassen, entschied sich seine Mutter für einen integrativen Kindergarten. Gute Förderung und viele Therapien halfen dem Jungen, den Alltag so eigenständig wie möglich zu bewältigen. Verschiedene Schulen, die sich mit dem Thema Inklusion auseinandersetzen, hatte sich Nicole Preuss angesehen, bevor sie die Mosaikschule als bestgeeignet für ihren Sohn bewertete.  „Es sind das sehr gute Konzept und die Atmosphäre,“ befand die Mutter bei der Entscheidung. „Der Umgang mit den Schülern, die Professionalität der Teams und gute Ergebnisse bei externer Evaluation“.

„Wir leiten zu Mobilität an, lehren Selbständigkeit und vermitteln Wissen“, beschreibt Schulleiterin Christina Czech das Aufgabenspektrum ihrer Einrichtung. Die staatliche Schule mit 50 Mitarbeitern ist eine Förderschule mit Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung. 68 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 5 bis 21 Jahren besuchen die Schule, die in der Großseelheimer Straße in Marburg beheimatet ist. „Viele haben das Down-Syndrom, manche zusätzlich eine Seh- und Hörbehinderung oder befinden sich im Grenzbereich zwischen geistiger Behinderung und Lernbehinderung.“ Zu den Regelschulen Sophie von Brabant-Schule und Käthe-Kollwitz-Schule besteht eine enge Kooperation. Hier wird auch inklusiv gearbeitet.

Auch autistische Schüler oder solche, die sehr schwer körperbehindert sind, betreut das Team. Einzelne Schüler leben mit Epilepsie, Magensonde und sind noch nicht sauber. Für diese Herausforderungen stehen 17 Förderschullehrer, sechs Referendare, sechs Erzieher mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung und sechs Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Jahres bereit. Da mehrere Schüler einen Migrationshintergrund haben, sind bisweilen Übersetzer erforderlich. Das Team komplettieren Integrationshelfer, Hausmeister und die Mannschaft der hauseigenen Küche. Die Sekretärin ist das Herz der Schule und Schnittstelle zu den Eltern.

Alle Mitarbeiter wissen, dass sie die Eltern enorm entlasten. Außerhalb der Schulzeit von 8 bis 15 Uhr sind sie es dann, die ihre Kinder daheim versorgen. Umso wichtiger ist die Sicherstellung der schulischen Arbeit, die nicht nur Wissen, sondern auch Alltagsfähigkeiten vermittelt: Eine Tasche vollständig packen, selbständig Bus fahren – soweit es körperliche und geistige Fähigkeiten zulassen. Ihr Leben sollen sie - irgendwann - so selbständig wie möglich meistern.

von Angela Heinemann

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