mrlife-Chefredakteur trifft Andreas Kümmert auf dem Open-Flair Festival in Eschwege.

Viel zu schade für das Fernsehen

Andreas Kümmert gastiert auf Open Flair

Ich sitze auf dem Open-Flair-Festival vor einer kleinen Bühne, auf der ein kleiner Mann Gitarre spielt und singt. Daneben sitzt ein großer Mann kerzengerade an einem Keyboard. Was machen die für einen Sound? Ich bin musikalisch in den 60ern sozialisiert. Und plötzlich treten sie auf, die von Woodstock, die aus England – die Stones, die Kinks, Jimi Hendrix. Der kleine Mann röhrt wie Joe Cocker, zuckt auch so ungelenk die Arme. Spielt Blues-Rock-Riffs wie Hendrix. Oder singt er doch wie Steve Winwood, oder doch wie Van Morrison? Zumindest seine schwarze Brille schiebt er mit dem Zeigefingerknöchel immer wieder so hastig hoch wie Van Morisson seine Sonnenbrille. Es ist Blues-Rock wie wir ihn von diesen Leuten kennen, den hier der kleine Mann zusammen mit seinem Keyboarder spielt. Die 500 Zuhörer, die vor der kleinen Bühne sitzen, hocken, stehen gucken anfangs ein wenig ratlos. Aber nur kurz, dann sind sie gepackt. Gepackt von Sound und vor allem vom Gesang des kleinen Mannes mit der wirklich großen Stimme. Das ist diese Stimme, die vor einigen Jahren die Juroren von Voice of Germany von den Sitzen gefegt hat. Die haben sich alle umgedreht, als er Rocket Man von Elton John interpretiert hat.

„Ich bin Andreas und komme aus der Nähe von Würzburg“, hat er damals erklärt. Im Sturmlauf hat er den Wettbewerb dann gewonnen. Auch die Ausscheidung zum Grand Prix de Eurovision. Aber da wollte er nicht hin. „Das traue ich mir nicht zu“, hat er vor einem Millionenpublikum erklärt. Und jetzt sitzt er beim Open Flair in Eschwege und fasziniert das Publikum mit Liedern und Balladen, die an beste Rockmusik vergangener Jahrzehnte erinnert. Aber nicht nachgespielt – klar, das kann er auch. Vieles neu komponiert in alter Manier. In bewährter Manier. Die 500 Leute vor der Bühne – vielleicht waren es auch 1.000 – hat er alle gepackt. Die alten, die jungen. Gute Musik packt nun mal. Allemal die Musik von Andreas Kümmert, dem kleinen Mann aus dem Frankenland. Der mit der ganz, ganz großen Stimme.

von Günter Gleim

 

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