Gesund im Mund

Gesund im Mund bis ins hohe Alter: Eine der ältesten Patientinnen in der Marburger Zahnklinik. Kursleiter OA Dr. Holger Gloerfeld (links) und Direktor Prof. Dr. Ulrich  Lotzmann betreuen mit  Studentinnen die über  90-jährige Patientin.

Lächeln reicht nicht  – das „Konzept 75+“ für die Zähne

„Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn‘s hoch kommt, so sind‘s achtzig Jahre, und wenn‘s köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen.“ So heißt es in der Bibel im Psalm 90. Inzwischen erreichen immer mehr Menschen sogar die Neunzig, doch scheint es mit zunehmendem Alter für nicht wenige sehr mühsam zu werden! Tatsächlich nehmen mit zunehmendem Alter die Zipperlein zu. Das sind in den Industrienationen nicht nur die mit dem natürlichen Alterungsprozess verbundenen physiologischen körperlichen Einschränkungen, sondern vor allem die Auswirkungen chronischer Erkrankungen. Die Statistik zeigt, dass über die Hälfte der Neunzigjährigen schließlich pflegebedürftig ist.
Mit Blick auf die Einschränkungen des Alters trifft man entsprechende Vorbereitungen. Öffentliche Gebäude und Verkehrsmittel, Arztpraxen sollen auch im Rollstuhl erreichbar sein,  Wohnungen werden seniorengerecht umgebaut. Doch wie ist es um das sogenannte „Esszimmer“, um die Mundgesundheit im Alter bestellt?
Untersuchungen zeigen leider, dass es besonders in den Mündern unserer hochbetagten, pflegebedürftigen Senioren einen großen Handlungsbedarf gibt. Man findet Karies, Erkrankungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis) sowie erneuerungsbedürftigen Zahnersatz. Die mit den genannten Krankheiten verbundenen krankmachenden Keime können auch Organe des übrigen Körpers schädigen und mangelhafter Zahnersatz kann eine gesunderhaltende vollwertige Ernährung erschweren. Oft ist die erforderliche, zeitaufwändige Sanierung von Zähnen und Zahnersatz in einer Zahnarztpraxis aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich.
Deshalb gilt es rechtzeitig an später zu denken, mit dem Hauszahnarzt das System „Mund„ unter die Lupe zu nehmen und mit Blick auf den „Neunzigsten Geburtstag“ zu bewerten. Welche Zähne sind zum Beispiel gefährdet, höchstes Alter nicht mitzuerleben, und was ist vorrausschauend rechtzeitig zu tun?
Wann ist rechtzeitig? Viele Patienten sind bis zum 80sten Lebensjahr mobil und können die Behandlung mit kleinen Einschränkungen gut bewältigen.
Und was ist zu tun? Wie die „vier Wände“ zu Hause ist auch der Mund seniorengerecht auszugestalten. Zähne und Zahnersatz sollen leicht zu reinigen, herausnehmbarer Zahnersatz leicht zu handhaben und bei weiterem Zahnverlust ohne großen Aufwand zu erweitern sein. Dabei gilt: „weniger ist mehr“, die Funktion steht im Vordergrund! Implantate zum Beispiel können zwar bei vollständiger Zahnlosigkeit im Unterkiefer sehr hilfreich sein, sind im Übrigen aber mit großer Zurückhaltung einzusetzen, herausnehmbarer Zahnersatz ist manchmal einer riskanten festsitzenden Versorgung vorzuziehen. Dieser Zahnersatz kann mit Halteklammern an den noch vorhandenen Zähnen fixiert werden.


Gute Lösung: Doppelkrone

Sind nur noch sehr wenige Zähne in einem Kiefer, gar einer Kieferhälfte verblieben oder würde eine solche Halteklammer ästhetisch stören, könnten unter anderem auch „Marburger Doppelkronen“ auf diesen Zähnen für einen sicheren Halt der „Dritten“ sorgen. Sie wurden von dem Marburger Prothetiker Prof. Dr. Klaus Lehmann aus den sogenannten Teleskopkronen entwickelt. Im Rahmen der Ausbildung unserer Studierenden haben wir die genannten Überlegungen unter dem Begriff „Konzept 75+“ zusammengefasst. Die Jahreszahlen Fünfundsiebzig und Neunzig stellen allerdings lediglich Anhaltspunkte dar, da die Lebenserwartung und das Nachlassen der körperlichen und geistigen Kräfte individuell sehr verschieden sein können.

von Dr. Holger Gloerfeld

 

 

 

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