Schluck Unkraut hilft

Gelebte Gesundheit in einem Garten der Hoffnung in Wehrda

Der Kräutergarten in Wehrda ist Teil eines ganzheitlichen Konzepts. Foto: Dannemann

Marburg - Das Unkraut-Lebenswasser schmeckt mineralisch klar. Mit Gänseblümchen, Brennessel und anderen heilsamen Kräuter hat Ruth Pfennighaus einen erfrischenden Trunk zubereitet. „Die einfache Anwendung der heimischen Kräuter auf die verschiedensten Alltagsbeschwerden begeistert mich immer wieder“, sagt die Kräuterfrau.

Wiesen und Äcker sind so etwas wie Apotheken

Das Wissen über die  Heilkraft der Kräuter ist ihre Leidenschaft. „Unsere Wiesen und Äcker sind so etwas wie unsere Apotheken“, erklärt sie. Uraltes Erfahrungswissen soll der Kräutergarten in Wehrda in unmittelbarer Nähe des neu eröffneten Gesundheitshaus  vermitteln. Hoch oben bei der Diakonie im Marburger Stadtteil Wehrda in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses und der Arztpraxen pflegen Ruth und Dietmar Pfennighaus ihren Hoffnungsgarten als wichtige Säule ihres „Ge-hauses“. „Um uns herum wächst alles, was wir für den Alltag brauchen“, sagt die Kräuterfrau. Dieser liebevoll gestaltete Schau- und Lehrgarten ist ein Ruhepol der Begegnung – ein Garten der Hoffnung.

Abkürzung steht auch für ganzheitliche Entlastung

„Ganzheitlich umfassend die Lebensqualität verbessern - das ist unser Ansatz" , erklärt der systemische Berater und Seminarleiter des neuen Gesundheitshauses, Dr. Dietmar Pfennighaus. So stehe die Abkürzung "Ge" in der Kurzbezeichnung „Ge-haus“ nicht nur als Abkürzung für Gesundheit, sondern auch für ganzheitlich entlastet. Körper, Seele und unsere Beziehungen seien gleichermaßen im Blickfeld.

Praktische Erfahrungen wirken lassen

Alles ist praxisnah orientiert - vom Kräutergarten bis zu gesunde Ernährung, Bewegung und Themen rund um das Seelische und die Beziehungen. „Beispielsweise aktiv einen Konflikt anzugehen oder durch eine kleine Lebensstilveränderung auch mehr Freude am Leben zu gewinnen“, sagt Pfennighaus. Die Zusammenhänge werden in Kursen oder Beratung aufgedeckt und zugleich Möglichkeiten aufgezeigt, nachhaltig positive Veränderungen für die eigene Lebensqualität auf den Weg zu bringen. „Dazu haben wir uns mit zwölf miteinander verflochtenen Themenschwerpunkten breit aufgestellt“, sagt der Diplom-Supervisor. "Etwa mit motivierenden Impulsen, wie wir den Stress durchschauen und erfolgreich im Alltag fit begegnen und bewältigen können, um einfach effektiv zu entspannen", betont Pfenninghaus: "So fühlt sich das Leben leichter an.“

Ein zentrales Mosaiksteinchen

Für Ruth Pfennighaus ist der Kräutergarten ein zentrales Mosaiksteinchen im ganzheitlichen Konzept des Hauses. Für sie sind wilde Kräuter Alleskönner. Im Lehrgarten entfalten sie sich. Gelb blüht der Löwenzahn, in allen grünen Farbtönen wachsen Brennessel, Giersch, Gundelrebe, Spitzwegerich, Beinwell. „Das ganze Arsenal an Multivitaminen, Mineralien, Arzneistoffen verbirgt sich auf unseren heimischen Wiesen, im Gemüsebeet und zwischen den Sträuchern.“, erläutert die Kräuterfrau. Mineralisch lecker schmeckt das Wasser, das vom bunten Kräutersträußchen belebt wird.

Unkraut vergeht eben nicht

Pfennighaus schwärmt, wie wohltuend und aromatisch die natürlichen Kräuter in Smoothies, Suppen, Tees und als schmeckende Zutaten zu Salaten und im belebten Kräuterwasser wirkten. „Ein Büschel Spitzwegerich im flüssigen Honig vertreibt jeden Anflug einer Erkältung“, ist sie überzeugt. "Unkraut vergeht eben nicht." Pfenninghaus spricht lieber von Wildkräutern. „Schon mit Form und Ausdruck signalisieren uns die wilden Pflanzen ihre verborgenen Kräfte“, deutet sie auf das Lungenkraut, das einem Lungenflügel gleicht und als Heilkraut bei diversen Atemwegserkrankungen helfen soll.

Biblisches Wissen

Nicht umsonst findet der Besucher hier auch das Pflanzenwissen der Bibel. Ruth Pfenninghaus zeigt auf den schon im Alten Testament erwähnt Ysop: „Er wirkt krampflösend, appetitanregend, schleimlösend.“ Und der Funke springt über, wenn aus der Fülle der Wildrosenblütenblätter ein duftender Tee gebraut wird. Auch Kräuterführungen sowie Weiterbildung in Heilpflanzenkunde gehören zum Programm.

Text/Fotos: Thomas Dannenmann

2016

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