Gesund alt werden

Gesund alt werden: Wie hier in Lohra hat das Projekt des Landkreises richtig Freude bereitet.

Gesunde Region und Stadt ganz oben auf der Agenda

Etwas für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger unternehmen: Das haben Städte und Gemeinden sowie Landkreise und Regionen auf ihrer Agenda. Der Landkreis hat für drei seiner Projekte den hessischen Gesundheitspreis erhalten. Darunter: Gesund altern im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Die Gemeinde Lohra wurde dabei zur Modellgemeinde dieses Projekts gewählt und ist Teil der Präventionsaktivitäten in der Gesundheitsregion gewesen. Ziel der Initiative ist es, alternde Menschen dabei zu unterstützen, so lange wie möglich gesund, aktiv und selbständig leben zu können. Dies soll über niedrigschwellige Bewegungs- und Gesundheitsangebote für ältere Menschen im Quartier erreicht werden.
In Marburg ist jetzt das Programm „Gesunde Stadt“ auf den Weg gebracht. Auch dort gab es bereits ein vorbildliches Modellprojekt für gesunde Kinder und Erwachsene in benachteiligten Stadtteilen – ebenso erfolgreich: Mit knapp 50 Netzwerkpartnern erreichte „Marburg mittendrin“ rund 1.100 Kinder und ihre Eltern in den Stadtteilen Richtsberg, Stadtwald und Waldtal. Das vom Bundesernährungsministerium geförderte Projekt lief 2011 aus.

Arme leben kürzer

 „Arme Menschen leben in diesem Land 14 Jahre kürzer als reiche“, kritisierte Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und lieferte eine wesentliche Begründung für das nun startende Projekt. In Schweden liege der Unterschied dagegen bei nur zwei Jahren.
Ellis Huber, ehemaliger Präsident der Berliner Ärztekammer, schilderte während der Auftaktveranstaltung  eindrücklich wie Städte und Gemeinden gesundheitsförderliche Lebensbedingungen schaffen können. Der Arzt ist ein ausgewiesener Kenner regionaler und kommunaler Gesundheitspolitik und gilt als medizinischer Querdenker. Für die Universitätsstadt sei die Aufgabe angesichts von Marburgs Rolle in der Medizingeschichte und den zahlreichen Studierenden natürlich eine besonders passende Herausforderung, erklärte er.
 Ausgehend von der sogenannten Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation solle „Gesundheit für alle“ zur treibenden Kraft in Städten und Dörfern werden. Huber stellte ein Beispiel aus dem Kinzigtal vor, wo sich 73 Ärzte, drei Krankenhäuser und andere Dienstleister zu einer integrierten Versorgung zusammengeschlossen haben, die sich vor allem die soziale Prävention auf die Fahnen geschrieben hat. Bereits nach neun Jahren zeigte sich, dass die Versicherten durchschnittlich 1,4 Jahre länger leben als Menschen aus einer vergleichbaren Kontrollgruppe. Zudem ist das Konzept preiswerter für die Kassen, die deshalb zu Kooperationen mit den Kommunen bereit sein. 
Ein Beispiel für eine Erfolgsgeschichte ist auch die kommunale Gesundheitsförderung im baden-württembergischen Michelfeld, wo Kitas, Schulen, Kirchen und Vereine mitarbeiten. Nach zehn Jahren leben dort mehr Kinder und mehr Einwohner. Die Folge sind höhere Steuereinnahmen und mehr Betriebsansiedlungen.
Insgesamt gebe es viele kreative Ideen, wie man kommunale Gesundheitsförderung voranbringen könne, so Huber. Er träume davon, dass Gesundheitsförderpläne in den Städten so intensiv diskutiert werden wie Bebauungspläne.
 
Gesundheit in den Fokus zu stellen, sei auch in Zeiten knapper Kassen möglich, betonte dabei Dr. Thomas Spies. Nach den Sommerferien soll gemeinsam mit Bürgern darüber diskutiert werden, welcher gesundheitsfördernde Weg künftig für Marburg passt. „Denn das Leben der Menschen findet zu allererst hier vor Ort statt.“

Text/Foto: Manfred Günther

 

 

 

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