Caro-Kaffee zur Stulle

"Weihnachten muss nicht das perfekte Fest sein".

Der Diakoniepfarrer Ulrich Kling-Böhm (rechts)  im Gespräch mit mrlife.


In Krippenspielen darf etwas schief gehen, Kinder dürfen Kinder sein.

Es ist schon wieder Dezember und noch kein einziges ist Geschenk gekauft.Ist die Adventszeit als besinnliche Zeit zur Vorbereitung  auf ein besonderes Fest nur noch ein Traum?

Kling-Böhm: Das kommt darauf an, was die Menschen daraus machen, wie wichtig sie beispielsweise den materiellen Wert der Geschenke nehmen. Wenn sie diesem eine zu große Bedeutung beimessen und sich zudem noch von Äußerlichkeiten bestimmen lassen, dann können Weihnachten und die Zeit davor schnell zum Alptraum werden. Wer dagegen in der Adventszeit persönlich entspannt, Geschenke als das nimmt, was sie sein sollten – nämlich ein Zeichen persönlicher Zuneigung, für den kann die Weihnachtszeit ganz einfach Traum bleiben oder werden.

Welche Rolle hat das Weihnachtsfest noch in unserer  modernen Gesellschaft?

Kling-Böhm:  Als Pfarrer sage ich: Es ist das Fest der Feste. Die meisten Gottesdienste sind gut besucht, die meisten Menschen wissen, dass Weihnachten mehr als Geschenke und Schenken ist. Aber ich glaube, wir würden uns etwas vormachen, wenn wir davon ausgehen, dass die Mehrheit der Bevölkerung wirklich hinter dem steht, was eigentlich gefeiert wird. Dass Gottes Liebe und sein Licht Gestalt für uns annehmen. Die meisten nehmen es einfach als schönes Familienfest mit allem was dazugehört. Der Anlass gerät immer mehr in den Hintergrund.

Wie sehr beschäftigt Sie es, dass Menschen ein Fest feiern, dessen Bedeutung sie eigentlich nicht mehr bewusst sind oder machen?

Kling-Böhm:  Ich persönlich empfinde das als Ansporn. Denn wir als Kirche – auch als Pfarrinnen und Pfarrer, sind dafür verantwortlich, dass wir es nicht schaffen, die eigentliche Bedeutung des Festes den Menschen deutlich zu machen. Es ist mein Ansporn, die Botschaft dieses Festes so herunter zu brechen, so laut zu verkünden, dass Menschen, die es nicht mehr gewohnt sind die Botschaft zu hören, wieder neugierig werden auf das, was eigentlich Sinn des Festes sein soll.

Wie müsste die Kirche in der heutigen Zeit den Menschen erklären: Mit diesem Jesus von Nazareth ist etwas Besonderes geschehen – für uns, es ist ein Grund zur Freude, zum Feiern, aber auch  zur Besinnung?

Kling-Böhm: Ich denke, ein guter Schritt wird überall dort gemacht, wo Weihnachten sinnlich erlebbar wird, wo nicht nur die intellektuelle Botschaft rübergebracht wird oder einen Aufforderungscharakter besitzt. Dass nicht einfach gesagt wird: Jetzt seid doch alle mal nett zueinander, schaut doch mal auf die Armen und auf die Benachteiligten oder seid doch mal friedlich, sondern, dass das Weihnachtsfest erlebbar wird und mehr ist als nur ein frommer Brauch. Dass Gottesdienste gehalten werden, die alle Sinne ansprechen; Dass es etwas zum Riechen gibt, dass etwas zu hören ist, dass es einfach schön erlebbar ist, dass verschiedene Menschen zusammen kommen, dass nicht nur die obere Mittelklasse oder die mittlere Oberklasse im Gottesdienst erscheinen, sondern, dass tatsächlich auch Menschen aus allen Bevölkerungsschichten willkommen sind. Und dass es auch ein Rahmenprogramm gibt, welches dafür sorgt, dass am Ende des Gottesdienstes nicht einfach so nach Hause gegangen wird, sondern ein Miteinander über die Familie hinaus erlebt werden kann – und wenn es ein Glühweinstand vor der Kirche ist.

Welche Bedeutung hat die Weihnachtszeit für Sie persönlich?

Kling-Böhm:  Für mich persönlich ist Weihnachten eine Gelegenheit inne zu halten und von der Last des Alltags einmal ausruhen zu können. Ich empfinde es dabei als schöne Aufgabe, Weihnachtsgottesdienste vorzubereiten. Und ich bin froh, dass ich auch als Diakoniepfarrer Weihnachten mit anderen Menschen zusammen feiern  und ihnen etwas erzählen darf, was mir wichtig erscheint. Weihnachten ist für mich ein Fest, das ich gerne mit anderen verbringe und ich dabei versuche Menschen ein schönes Fest durch die Art und Weise zu bereiten, wie ich Gottesdienste gestalte. 


 Zur Person:

•  Ulrich Kling-Böhm ist Diakoniepfarrer in den Kirchenkreisen Marburg und Kirchhain.
•  Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Geschäftsführung im Diakonischen Werk berhessen sowie die Koordination und Begleitung der diakonischen Arbeit im Landkreis.
•  Der 49-Jährige hat sein Abitur in Treysa absolviert und in Marburg Theologie studiert. Er wurde 1993 in Schmalkalden ordiniert. 
•  Von 1993  bis 2007 war er Gemeindepfarrer in Fulda-Bronnzell. Als Mitglied des Kirchenkreisvorstandes und als stellvertretender Dekan des Kirchenkreises Fulda war er mit der Trägerschaft des dortigen regionalen Diakonischen Werks befasst.
•  Bis zum vergangenen Jahr war Kling-Böhm 
Gemeindepfarrer der Thomaskirche  auf dem  Marburger Richtsberg. Arbeitsschwerpunkte waren hier unter anderem Gemeinwesen- und Sozialarbeit und der Aufbau des Projekts „Richtsbergmobil“ in der aufsuchenden Jugendarbeit

Stichworte zu Weihnachten:

Essen an Heiligabend: Mittags ein Stück Brot und Caro-Kaffee - wie eigentlich jeden Tag -  abends kocht meine Frau, so lassen wir den Tag besonders ausklingen,  früher war das oft erst nach 23 Uhr. Bockwurst: Ja, ja, Kartoffelsalat und Bockwurst sind typisch.
Das kenne ich aus meiner Kindheit noch, weil es schnell gehen musste - erst Gottesdienstbesuch, dann  möglichst schnell Bescherung.
Geschenke: Kleinigkeiten wie in den vergangenen Jahren ein Buch über England oder einen Gutschein, den Watzmann zu begehen.

von Manfred Günther

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