Im Reich der Globuli.

Auf die reingewaschene Information kommt es an.

Sie aktiviert die Selbstheilungskräfte des Körpers.Das wissenschaftliche Rätsel: Die Wirkung steigt mit der Verdünnung.

Teufelskralle – zigfach verdünnt – gepresst in kleine weiße Kügelchen – und das soll wirklich helfen? Gegen Schmerzen, Rheuma, Arthrose? So mancher schüttelt den Kopf und lächelt ein wenig. Andere schwören Stein und Bein auf die Wirksamkeit der Homöopathie. Diese sanfte Medizin ist erst rund 250 Jahre alt, umstritten wie keine andere alternative Heilmethode und zudem urdeutsch.
Es war Samuel Hahnemann, der die homöopathische Behandlung von Krankheiten ins Leben rief. In der Nähe von Meißen. Der wissenschaftliche Nachweis ihrer Wirksamkeit fehlt bis heute. Und dennoch bekommt sie immer mehr Anhänger, weil immer mehr Menschen gute Erfahrungen damit machen. Stefanie Mai, Homöopathin, Heilpraktikerin und Leiterin der Heilpraktikerschule Wegwarte in Marburg, hat schon zahlreiche Globuli verordnet. Davon gibt es reichlich. „So drei- bis viertausend müssten es sein“, sagt die fröhliche Frau im pinkfarbenen Rock.
Sie schaut sich die Menschen genau an, die zu ihr kommen. Zum Beispiel mit einem Schnupfen. Dann geht es für Stefanie Mai darum, wie der Schnupfen genau ist, wie das Sekret ausschaut, wann die Nase zu laufen begonnen hat, welche Symptome es noch gibt und vieles mehr. „Desto mehr ich weiß, desto besser kann ich ein homöopathisches Mittel heraussuchen, das genau passt.“ Es sollte möglichst viele der genannten Symptome beschreiben, um gut wirken zu können.

Selbstheilung ankurbeln

Das wiederum funktioniert nach dem Ähnlichkeitsprinzip. Steffi erklärt es anhand der Zwiebel. Sie bewirkt, dass Augen und Nase zu laufen beginnen. Genau darunter leiden Menschen, die eine Pollenallergie haben. In der Homöopathie wird ein Mittel verabreicht, das bei Gesunden die Symptome hervorbringen würde, die es bei Kranken lindern soll.
Das Mittel selbst setzt im Körper lediglich einen Reiz, der die Selbstheilungskräfte ankurbelt. „Ein gesunder Körper kann Einflüsse kompensieren. Nur, wenn die Lebenskraft aus dem Gleichgewicht ist, schafft der Körper es nicht mehr“, sagt Stefanie Mai. Der Reiz muss dementsprechend stärker sein als die Krankheit selbst. Das ermöglichen die Potenzen. Homöopathen verdünnen mit Lust und Leidenschaft.
Sie waschen sozusagen das Mittel so lange rein, bis nur noch die Essenz der Essenz vorhanden ist. „Die Information wird durch die Verdünnung immer reiner“, sagt die Heilpraktikerin und genau das ist es, was der Körper am meisten braucht. Klare Informationen.
Besonders bei Kindern schlägt die homöopathische Behandlung supergut an. Sie haben weniger innere Widerstände, als so mancher Erwachsene. „Alles, was akut ist, können Eltern meist selbst behandeln. Von chronischen Erkrankungen sollten sie die Finger lassen“, rät Stefanie Mai. 

von Tina Nispel-Fischbach/ Foto:fotolia

 

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