Glaube versetzt Berge

Es müssen nicht immer Spritzen und Operationen sein. 

Malen bis die Seele lacht –  Spachteln, kratzen, reiben, schleifen und kreativen Kräften freien Raum lassen: Schöpferisches Tun bringt inneres Gleichgewicht

Ronja* leidet seit Jahren an einer psychosomatischen Störung. „Ich habe bereits alles Mögliche probiert“, erklärt die Marburger Studentin Von Schulmedizin bis hin zur Homöopathie, über Antibiotika und Rückenbehandlungen bis hin zur Gesprächstherapie. Ihre Heilpraktikerin hat sie auf Kunsttherapie aufmerksam gemacht. Kunsttherapeuten versuchen, mit künstlerischen Mitteln, die Emotionen ihrer Klienten sichtbar zu machen. Sie bringt Verschüttetes zu Tage und Gefühle und Erinnerungen werden freigesetzt. „Wenn der verspannte Rücken plagt, geht man zur Massage oder zur Krankengymnastik. Anders jedoch ist es, wenn es sich um seelische Verspannungen handelt“, sagt Kattrin Luchs. Sie bietet im Marburger Schwanhof Ausdrucksmal-Kurse und Kunsttherapie.
Über Krankheit, Stress, Aggression, Trennung oder Migration zu sprechen, fällt vielen Menschen schwer. Regelmäßige, professionell geleitete Kunsttherapiesitzungen machen selbstbewusster, offener und positiver. Aggressivität und Verstimmungen werden mit Pinsel und Farbe gelöst.
Nachdem Sabine* mit Chemotherapie und Bestrahlung ihren Brustkrebs bekämpft hat, suchte auch sie, auf Anraten ihrer Psychotherapeutin, den Malort auf, um die Gefühle, wie Trauer, Wut und Ohnmacht zu verarbeiten und wieder Lebensfreude zu entdecken. Und auch, um die Sprachlosigkeit, die sich mit der Diagnose Krebs eingestellt hat, anzuerkennen und zu überwinden. Sie erzählt, wie wohltuend und entlastend das Malen für sie ist. „Zu erleben, dass ich Dinge selber in der Hand habe, dass ich entscheiden kann. Ich entspanne während des Malens.“ Sie könne sich während des Malens auf die positiven Dinge des Lebens konzentrieren.

Ob Sonnen, Kleckse, oder Bananen – es wirkt

Sie hat die Ruder in der Hand. Und genau das ist es auch, was sie auf ihrem Bild verewigt hat: Sie, sitzend in einem Boot, auf einem Fluss, mit den Rudern fest in der Hand. „Wenn die Worte fehlen, drücken Bilder alles aus. Jeder darf so sein, wie er ist. Er ist absolut frei in seinen Entscheidungen.“
Dabei spielt es keine Rolle, ob Menschen und Tiere wie bunte Kleckse aussehen oder eine Sonne wie eine Banane. Es geht auch nicht darum, ob ein Bild „gut“ oder „schlecht“ gelungen ist. Vorgaben gibt es keine. Um Wertungen geht es nicht.
Sie lernen spielerisch, ihre eigenen Grenzen zu erweitern. Die Therapeutin lediglich als Begleitung. „Es ist eine Art Kooperation“, erklärt Kattrin Luchs, „anfangs werden gemeinsam Ziele formuliert. Mit den Bildern als Hilfsmittel, wird erarbeitet, was in einem steckt.“ Ronja ist sich sicher: „Kreative Therapieformen wirken. Ich bin stolz, etwas Schöpferisches vollbracht zu haben, mutig zu sein.“
* Namen geändert

von Tonia Simone Pöppler/Fotos: fotolia/Pöppler

 

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