Im Anneliese Pohl Krebszentrum Marburg stehen Direktor  Prof. Thomas Wündisch und die Teams der eingebundenen Abteilungen für die Behandlung krebskranker Menschen nach den aktuellen medizinischen Leitlinien. Astrid Landau (links) ist im angeschlossenen Zweitmeinungszentrum Ansprechpartnerin für Patienten, wenn sie Fragen zu Diagnose oder Behandlungsablauf haben. Stiftungsmanagerin Arzu Kurt-Duran vom Vorstand der Stiftungen Anneliese Pohl und Dr. Reinfried Pohl weiß die Stiftungszuwendungen in guten Händen.

Leitende Hilfe auf dem Weg durch den Tunnel

Anneliese Pohl Stiftung fördert Krebsberatungsstelle und Forschung

Diagnose Krebs – das ist im Leben vieler Menschen eine Art Super-GAU. Verzweiflung, Hilflosigkeit, Desorientierung, Angst und Ohnmacht machen sich breit. Wie soll es weitergehen? Ende 2009 wurde die Anneliese Pohl Stiftung gegründet, um genau an dieser Stelle anzusetzen. Die Stiftung möchte betroffene Menschen beraten, ihnen psychologisch zur Seite stehen und Wegweiser sein zur bestmöglichen medizinischen Behandlung.
Der Gründer der Stiftung, Prof. Dr. Reinfried Pohl, hat die Erkrankung aus nächster Nähe erlebt. „Es war bitter für mich, als meine Frau Anneliese im Sommer 2008 einem Krebsleiden erlag,“ sagte er. Im Gedenken an sie nahm er ein Jahr später die Stiftungsgründung vor.
Persönlich Betroffene sind oft verzweifelt und hoffen darauf, dass die Medizin Wege findet, ihre Krankheit zu heilen oder wenigstens zurückzudrängen.
Prof. Dr. Reinfried Pohl, Gründer der Deutschen Vermögensberatung, Marburger Bürger seit seiner Flucht aus der sowjetischen Besatzungszone im Jahre 1948 und zugleich Ehrenbürger der Stadt Marburg sowie Ehrensenator der Philipps-Universität, hat zum Thema Krebs in Marburg mit der Stiftung mehrere Zeichen gesetzt. Aus Stiftungsmitteln entstand in der Marburger Leopold Lucas-Straße unter dem Dach der Hessischen Krebsgesellschaft die Anneliese Pohl - Psychosoziale Krebsberatungsstelle. Diplom-Psychologin Annekatrein Menges-Beutel und ihr qualifiziertes Team helfen Betroffenen und Angehörigen durch psychologische und soziale Beratung in Fragen der Krankheitsverarbeitung, Pflege, Rentenversicherung, Beruf und Rehabilitation. Krankheit bedeutet in vielen Fällen auch eine materielle Belastungsprobe, zu deren Bewältigung ebenfalls beraten wird. Mittel der Stiftung und der Krebshilfe ermöglichen, dass die Beratungsstelle von Betroffenen und Angehörigen kostenfrei in Anspruch genommen werden kann.
Die Beratungsstelle übernimmt zugleich Lotsenfunktion, wenn es Fragen zur Therapie gibt oder auch Zweifel daran. Das Anneliese Pohl Krebszentrum Comprehensive Cancer Center im Universitätsklinikum auf den Marburger Lahnbergen steht als zentrale Anlaufstelle für Krebserkrankungen bereit. Neuer Direktor ist seit September 2016 Prof. Dr. Thomas Wündisch. Die Anneliese Pohl Stiftung gewährt dem Krebszentrum Mittel für Wissenschaft und Forschung.

Eine zweite Meinung einholen

Für Patienten, die Zweifel an ihrer Krebsdiagnose oder der Therapieempfehlung haben, wurde mit Hilfe der Anneliese Pohl Stiftung ein so genanntes Zweitmeinungszentrum geschaffen. Im Anneliese Pohl Krebszentrum ansässig, werden hier Ergebnisse aus bildgebenden Untersuchungsverfahren wie CT oder MRT geprüft. Bei einem schnellstmöglichen Termin werden mit dem Patienten Erkenntnisse erörtert. Vertrauen entsteht, wenn die Therapieempfehlung des Erstbehandlers bestätigt wird. Wird eine alternative Therapieempfehlung ausgesprochen, kann die medizinische Versorgung des Patienten optimiert werden.
Mit dem Ziel, Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen immer weiter zu fördern, werden Spenden der Stiftung auch in moderne Technik investiert, zum Beispiel für die Beschaffung des „da Vinci-Systems“.  Dabei handelt es sich um eine in den USA weit verbreitete Roboterchirurgie, die hochpräzises chirurgisches Arbeiten unter optimalen Sichtbedingungen ermöglicht.  Zugleich dient das Gerät als Operationssimulator für die studentische Ausbildung.
Auch die Comprehensive Biomaterialbank Marburg (CBBMR) im Anneliese Pohl Krebszentrum wurde durch die Stiftung ermöglicht. Dort werden Biomaterialien wie Gewebe und Körperflüssigkeiten unter hohen Qualitätsstandards gelagert für künftige Forschungsvorhaben zur Verbesserung von Prävention und Therapie. Insgesamt stellte die Stiftung für da Vinci-System, Biomaterialbank und Zweitmeinungszentrum vier Millionen Euro an die Universitätsklinik bereit.
Das Schaffen besserer Bedingungen besonders für Medizinerinnen hat neben dem Augenmerk auf technische Ausstattung noch weitere Aspekte, wusste Prof. Dr. Reinfried Pohl, der 2014 verstarb. So setzte sich die Anneliese Pohl Stiftung schon vor einigen Jahren mit einem neuen Stipendienprogramm für die Förderung von Habilitandinnen am Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg ein – und tut es noch. „Die Anneliese Pohl-Habilitationsförderung wird jeweils gezielt auf die persönliche, berufliche sowie familiäre Situation der Antragstellerin angepasst,“ so Prof. Dr. Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin der Strahlentherapie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg.
Um die Wissenschaft weiterhin zu unterstützen, hat die Anneliese Pohl Stiftung aktuell eine Stiftungsprofessur am Institut für Molekularbiologie und Tumorforschung eingerichtet. Bei der Forschung unter Leitung von Prof. Dr. Rolf Müller, der gleichzeitig Prodekan der Philipps-Universität Marburg ist, geht es um Ovarialkarzinome, also Krebs der Eierstöcke. Ein übergreifendes Thema, das in Kooperation mit Prof. Dr. Uwe Wagner, dem Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, beleuchtet wird.
Es ist nicht die erste Stiftungsprofessur, die auf Stiftungsmittel der Gründerfamilie zurückzuführen ist. Dr. Jürgen Schäfer vom Zentrum für unerkannte Krankheiten des Marburger Universitätsklinikums, bekannt als „der deutsche Dr. House“, ist Stiftungsprofessor der Dr. Reinfried Pohl Stiftung. Sie fördert neben der Medizin auch den Fachbereich Rechtswissenschaften.
„Ich bin sehr stolz darauf, dass wir als Anneliese Pohl Stiftung und Dr. Reinfried Pohl Stiftung diese vielen Projekte realisieren können,“ so die Diplom-Politologin und Stiftungsmanagerin Arzu Kurt-Duran von der Geschäftsführung der beiden Stiftungen. In Anbetracht der Tatsache, dass in Deutschland jährlich 500 000 Menschen neu an Krebs erkranken, ein Engagement für die Allgemeinheit.

Text: Angela Heinemann

Fotos: Uwe Brock/Privat

 

 

 

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