Kunstherzen als Herzunterstützungssysteme sind keine Seltenheit mehr. Auf der Abbildung ist ein vielfach implantiertes System für Kinder zu sehen, das ein Berliner Unternehmen fertigt. Lieferanten von Kunstherzen für Erwachsene kommen häufig aus den USA.

Wenn das Herz schwächelt

Sprechstunde Moosdorf

Fällt es schwer, längere Treppen zu steigen? Bringt ein mittellanger Spaziergang Müdigkeit und nicht Erfrischung und Erholung? Überhaupt: Fühlen Sie sich häufig lustlos und müde?


Was liegt hier vor? Was ist zu tun?
Wenn Untersuchungen und EKG beim Hausarzt keinen Aufschluss über eine besondere Erkrankung geben, ist eine weitergehende Untersuchung bei einem Herzspezialisten zu empfehlen. Eine Ultraschalluntersuchung lässt erkennen, ob eine Herzschwäche vorliegt und ob es eine systolische oder diastolische Schwäche ist.

Systolische Herzinsuffizienz: Bei dieser Erkrankung wird das Blut nicht kräftig genug durch den Herzmuskel in den Körper gepumpt. Folgen sind schnelle Ermüdung nach geringen Belastungen und Atemnot. Auch Husten und rasselnde Atemgeräusche können auf Wasseransammlungen in der Lunge hinweisen.

Diastolische Herzinsuffizienz:Diese weist darauf hin, dass entweder der Herzmuskel weniger elastisch – steifer – geworden ist und sich nicht mehr so ausdehnen kann, dass genug Blut in die Herzkammern gelangt oder dass die Ausdehnung des Herzens in der Diastole durch einen verdickten engen Herzbeutel behindert wird. Verantwortlich hierfür können durchgemachte Entzündungen, also auch eine Grippe sein ebenso wie Tumormetastasen. Der Herzbeutel kann sogar fest mit der Herzoberfläche verwachsen und verkalken (Panzerherz). Grundsätzlich gilt: Wenn eine Ursache für die Herzschwäche erkennbar ist, ist sie zu beseitigen. Mangelnde Durchblutung der Herzkranzgefäße wird durch Erweiterung der Gefäße (Stent) oder durch Umgehung verschlossener Gefäße (Bypass) behoben. Erkrankte Herzklappen werden operativ korrigiert oder durch künstliche Herzklappen ersetzt. Für das Legen von Bypässen muss meist der Brustkorb vorn geöffnet werden; die anderen Eingriffe sind in vielen Fällen auch minimalinvasiv möglich.

Wenn die Ursachen für die Herzschwäche so nicht erkennbar und behebbar sind, sind zunächst medikamentöse Behandlungen zur Entlastung und Kräftigung des Herzmuskels das Mittel der Wahl. Dazu gehören natürlich auch Hinweise zur allgemeinen Lebensführung, die in vielen Fällen einen entscheidenden Anteil an der Genesung haben. Es nützt das beste Medikament nichts, wenn Fehlernährung und Suchtmittel wie Alkohol und Rauchen das Herz belasten. Wenn weder durch Medikamente und Lebensumstellung noch durch Operationen das Herz ein lebenswertes Leben mehr ermöglicht, besteht die Möglichkeit, es durch ein Spenderherz zu ersetzen. Das ist mittlerweile eine gängige und vielversprechende Operation, die allerdings durch die begrenzte Zahl von Spenderorganen oft nicht rechtzeitig möglich ist. In Deutschland werden pro Jahr etwa 300 Menschen mit einem Spenderherz versorgt. Sie haben anschließend eine gute Prognose über zehn bis zwanzig Jahre bei hoher Lebensqualität.
Eine weitere Alternative, falls eine Transplantation nicht in Frage kommt,  ist die Unterstützung des leistungsschwachen Herzens durch ein sogenanntes Kunstherz. Das ist eine weniger als  faustgroße Pumpe, die in den Brustkorb eingesetzt wird. Über ein Kabel wird diese Pumpe an  Batterien und eine Steuereinheit angeschlossen. Diese technische Ausrüstung kann man mit einem Gürtel am Körper tragen, was zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensqualität führt. Wer wegen Herzschwäche lange im Bett gelegen hat, wird es schätzen, wieder mit Dackel Waldi um den Block gehen zu können. Denn das ist auch ein wichtiges Ziel aller ärztlichen Bemühungen: Die Zeit, die erkrankte Menschen haben, mit Leben zu füllen. Nicht nur, das Leben auf endlose Jahre auszudehnen. Und es geht nicht darum, aus einem Herzkranken einen Leistungssportler zu machen. Mit Waldi ums Haus, das ist das Ziel.

Text/Foto: Rainer Moosdorf

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