Braumeister statt Bankberater

In das Henkelglas mit dem roten Emblem ergießt sich die goldfarbene Flüssigkeit. Bier. Nichts Besonderes. Oder doch? Denn es ist Marburger Bier – gebraut im Steinweg und als „Elisabeth Bräu“ in der Elisabeth Gasthausbrauerei ausgeschenkt.

Bis vor zehn Jahren war Marburger Bier keine Besonderheit: Es wurde in der Marburger Brauerei am Pilgrimstein gebraut. Doch 2003 war dort Schluss. Vier Jahre später rief Oehring sein „Elisabeth Bräu“ ins Leben. „Zum Bierbrauen bin ich gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde“, sagt der 72-Jährige. Er habe als Bankberater in 50 Ländern gearbeitet, hauptsächlich in Lateinamerika – für die Vereinten Nationen, bei einem Schweizer Unternehmen und schließlich selbstständig. Eigentlich wollten er und seine Frau Hannelore in Guatemala noch „ein paar schöne Jahre“ verbringen. Doch nach einem bewaffneten Überfall, „bei dem ich nach vier Schüssen auf mein Auto mit dem Leben davon gekommen bin“, seien die beiden nach einem Umweg über Vietnam wieder in Marburg gelandet. Denn in dem Haus der jetzigen Elisabeth-Brauerei im Steinweg 45, unmittelbar gegenüber der Elisabethkirche, ist Oehring aufgewachsen.
In 2005 haben die Oehrings die verschiedenen Erbteile des Hauses gekauft und das Haus komplett renoviert. „Es gab viel zu tun, 30 Jahre lang war nichts gemacht worden“, erinnert sich Oehring. „Und da es in Marburg keine Brauerei mehr gab, haben wir uns entschieden, Bier zu brauen.“ Doch zuvor musste Oehring das Brauen erlernen. Also ging er nach Oberfranken, denn: „Die Oberfranken brauen die besten Biere der Welt. Es gibt eine solche Vielfalt, dass jeder ein Bier nach seinem Geschmack findet“, ist sich Oehring sicher. Die kleinen Brauer sahen in dem Mann aus Marburg keine Konkurrenz und ließen ihn gerne an ihrem Wissen teilhaben. „Es gab keine Betriebsgeheimnisse.“ Und so habe er das Suden und Brauen nach fränkischer Tradition gelernt – autodidaktisch. Wieder zurück in Marburg wurde eine Brauanlage in den 700 Jahre alten Gewölbekeller gebaut. „Die Steine stammen laut Stadthistorikern vom Bau der Elisabethkirche“, sagt der Braumeister.  Der 72-Jährige ist autodidaktischer Braumeister des marburger Elisabeth-Bräu, das er seit 2007 herstellt. In sechs Edelstahltanks reift das Bier sechs Wochen lang – bis zu 15 Hektoliter wandern im Gasthaus monatlich über den Tresen. „Suden könnten wir bestimmt zehnmal mehr, aber lagern und reifen nach unseren Qualitätsansprüchen nicht. “Und die sind hoch: Ein Jahr lang hat Eckart Oehring am Elisabeth-Bräu getüftelt, bis es seinen jetzigen Geschmack bekam. „Zwischen dem Sudvorgang von drei Tagen bis zum fertigen Bier vergehen sechs Wochen. Das hat den Prozess erschwert, ich musste jede kleine Änderung beim Suden genau dokumentieren“, erzählt der Braumeister.

Seit 2007 bietet er hauptsächlich zwei obergärige Biere an: Ein Helles und ein Dunkles. „Außerdem gibt es manchmal Sonderbiere, wie Weizen, Maibock oder Weihnachtsbock.“ Das Elisabeth-Bräu verkauft er ungefiltert, „denn so bleiben die meisten Geschmacksstoffe erhalten“, weiß er. Im Gegensatz zum industriellen Bier. /Andreas Schmidt, Fotos: Rainer Waldinger

 
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