Giftig oder nicht -

das ist hier die Frage!

  Von Waldpilzen geht eine besondere Faszination aus. Dafür gibt es sicher verschiedene Gründe: Zum einen können die Pilze in den dunkelsten und unheimlichsten  Ecken des Waldes hausen, zum anderen können sie giftig, sogar tödlich giftig, sein. Das Wissen darum wurde in zahllosen Generationen Menschheitsgeschichte mühsam erarbeitet und weitergegeben. Zuständig waren bei uns dafür die Kräuterweiblein, die Kräuter, Beeren und Pilze sammelten und sich mit deren heilenden oder zerstörenden Wirkungen auskannten. Im Mittelalter wurde das zuweilen als Zauber verstanden, die weisen alten Frauen als Hexen bezeichnet und sogar verbrannt.
Verloren gegangen ist das früher mündlich tradierte Wissen bei uns nur teilweise. Denn es ist in zahlreichen Pilzbüchern festgehalten worden, nur ist es in der Bevölkerung wahrscheinlich weniger verbreitet als früher, weil man sich heute weniger direkt aus der Natur ernährt, sondern mehr aus dem Supermarkt. Wenn aber, wie in diesem Jahr, die heimischen Wälder voller wohlschmeckender Pilze stehen und einige Sammler ausschwärmen, dann stellt man fest, dass man eigentlich mehr darüber wissen möchte und dass man in den letzten Jahren doch mehr Kontakt mit der Computertastatur als mit der Natur hatte.
Was ist zu tun? Ein Pilzbestimmungsbuch zur Hand nehmen und damit in den Wald gehen? Sicher sind die Bücher zwar hilfreich, aber sie zeigen den jeweiligen Pilz nur in einer Momentaufnahme, nicht in allen möglichen Wachstumsstadien, Färbungen und Ausformungen. Deshalb empfiehlt es sich, mehrmals jemanden zu begleiten, der sich auskennt, und danach auch nur die Pilze zu essen, die man sicher kennt. Das Bestimmungsbuch wird dennoch immer eine Hilfe sein, wobei gute  Zeichnungen zuweilen hilfreicher sein können als Fotos, wenn der Zeichner wusste, worauf es ankommt. Generell sind Pilze mit einem Schwammfutter aus Röhren unter dem Pilzhut für Anfänger günstiger zu sammeln als Lamellenpilze mit Blättern, weil es weniger Verwechselungsmöglichkeiten mit Giftpilzen gibt.
Jedenfalls ist die spannende Frage „Giftig oder nicht“ wohl das Faszinierendste an den Waldpilzen. Eine weitere Rolle dürfte aber auch spielen, dass es diese Lebewesen in so vielen verschiedenen Farben und Formen gibt. Das hängt mit ihrer Lebensweise zusammen: Sie sind Schmarotzer. Das heißt: Sie entnehmen ihre Nähstoffe anderen noch lebenden oder schon toten Organismen. Deshalb brauchen sie kein Blattgrün, um durch die Fotosynthese sich selber Nährstoffe herzustellen, und können  deshalb alle möglichen Farben annehmen. Weil sie keine Fotosynthese betreiben müssen, können sie - wie erwähnt- ohne Licht auskommen. Deshalb können sie überall ihrer Hauptaufgabe nachkommen, abgestorbenes organisches Material zu zersetzen und wieder in den Kreislauf des Lebens zurückzubringen.
Eine weitere wichtige Aufgabe leisten die sogenannten Mykorrhiza-Pilze, ihre Hyphen (eine Art Wurzelgeflecht, aus dem der eigentliche Pilz besteht) umspinnen die Wurzeln der Waldbäume und helfen ihnen bei der Wasseraufnahme.
Als „Dank“ bekommt der Pilz organische Nährstoffe vom Baum zurück: eine echte Lebensgemeinschaft. So kommen manche Pilzarten nur bei bestimmten Bäumen vor, die ihnen auch die Namen gegeben haben wie Lärchenröhrling, Birkenpilz und Fichtenreizker.
Die Pilze, die geerntet werden,  sind nur die „Fruchtkörper“ oder besser Sporenträger, an denen sich die Sporen befinden, mit denen sich der Pilz verbreiten kann. Der eigentliche Pilz bleibt aber unter der Oberfläche. Die Pilze, die in der Laubstreu wachsen, wuchern dort jedes Jahr ein Stück weiter zu kreisförmigen Gebilden, aus denen  dann die Sporenträger emporwachsen: die sogenannten Hexenringe.

Text/Fotos: Werner Ebert

 

 

 

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