Zwanglos entschleunigen

Sooo lecker und für jeden Geschmack: Hessische „Woscht“

80 Bioweinsorten am Fuße der Amöneburg

Man kommt im Sakko, in Shorts oder steigt im Sportdress vom Rad. Man sitzt im idyllischen Mühlenhof unter freiem Himmel, bei Regen unter dem Zeltdach oder im historischen Pumpenraum. Dresscode: Fehlanzeige. Sitzordnung: Je nach Laune. – Das Motto der Brücker Mühle könnte „zwanglos entschleunigen“ lauten.
Das Hofgut am Fuße der Amöneburg ist ein Ort zum Einkehren und Einkaufen und bietet nebenbei etwas für die Bildung. Ein Anwesen mit Konzept. Müllermeister Thomas Kleinschmidt und Diplom-Agraringenieurin Sabine Walter haben etwas jenseits des Gewöhnlichen geschaffen. Nach dem Publikum zu urteilen und nach den Autokennzeichen der Gäste hat sich das bis vor die Tore des Landkreises herumgesprochen.

Strom für Eigenbedarf und öffentliches Netz

Die Brücker Mühle heißt nicht nur Mühle, sie arbeitet auch noch und kann besichtigt werden. Über fünf Stockwerke geht die Führung, die nach Vereinbarung während der Öffnungszeiten möglich ist. Ökologie und nachhaltiges Wirtschaften gehört zum Konzept der Inhaber. Mit der 1903 eingebauten Francis Turbine wird komplett emissionsfrei der eigene Strom erzeugt. „Überschüssige Energie,“ so Thomas Kleinschmidt, „geben wir ins öffentliche Netz.“  
Im Mühlen-Naturkostladen findet man vorwiegend Produkte aus ökologischem Anbau. Auf Ware aus der Region liegt der Schwerpunkt. Zahlen sprechen für sich: Über 2 000 Bioprodukte liegen für den Kunden bereit, von den rund 60 Käsesorten stammen etwa 40 von hessischen Biohofkäsereien aus Knüll, Burgwald und Kellerwald. Kaum ein Käse ohne Wein. 80 Bioweinsorten aus Deutschland und Europa treffen wohl jeden Geschmack. Selbstgepresste Speise- und Würzöle sind eine weitere Delikatesse. Frisches, kaltgepresstes Leinöl, Kürbiskernöl, Haselnuss- und Walnussöl stellen ein nicht alltägliches Angebot dar.
Sabine Walter und Thomas Kleinschmidt bezeichnen sich selbst als „Pioniere der Bio-Bewegung aus den 80er Jahren.“ Daher mag auch der Ehrgeiz kommen, jungen Menschen Zusammenhänge und Hintergrundwissen über Ernährung zu vermitteln. Diese Ideen münden in unterschiedliche Bildungsveranstaltungen, Anschauungsunterricht für Schulklassen und Ferienspiele unter pädagogischer Leitung.  
Das Essen vor Ort bildet gleichwohl einen Schwerpunkt der Brücker Mühle. Fleisch, Wurst, Fisch, Gemüse – für’s Auge angerichtet mundet es genau so lecker, wie es schon aussieht. Hausgemachter Kuchen und aromatischer Biokaffee runden das Angebot ab. Im Bereich der Kaltgetränke werden wir mit einem schönen herben Bier und einem frischen Mineralwasser überrascht. Die Etiketten jenseits des Üblichen. Beides aus der Rhön.
Das Betreiberpaar hat erprobt, was bei den Gästen gut ankommt. Es ist eben das, was wenig beliebig und nicht so schnell woanders zu finden ist. Diese Philosophie hat sich inzwischen auch bei Menschen herumgesprochen, die Familienfeste oder Betriebsfeiern organisieren und ihr Event vielleicht mit einer Mühlenführung auflockern möchten.  Gut essen – und mehr!
Daneben ist die Brücker Mühle inzwischen zum beliebten Veranstaltungsort avanciert. Jährlich ist sie zu Pfingsten Gastgeber des bundesweiten Deutschen Mühlentages. Der Brücker Verein, im Vereinsregister eingetragen, organisiert im Laufe des Jahres unter anderem Dichterlesungen, Musikveranstaltungen und einen italienischen Abend.
„Die Brücker Mühle – mehr als Korn und Mehl“ verkündet der Betrieb in seiner Werbung. Wir verlassen diesen außergewöhnlichen Ort zufrieden, gut gesättigt und informiert - und können diesen Slogan ohne weiteres unterschreiben.

Text u. Fotos: Angela Heinemann

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