Luigi Fazio serviert den Grana Padano frisch vom Laib.

Ristorante Milano in Wallau

Jeder Gast noch immer eine Herausforderung

Buongiorno Signori! Mit Handschlag begrüßt uns der Mann in blauem Hemd und blauer Schürze. Die Arbeitskleidung täuscht nicht darüber hinweg, dass er der Chef zu sein scheint. „Quanti siete? Wie viele Personen sind Sie?“ Wir sagen, dass wir reserviert haben und merken dabei: Das ist gut so. Der Gastraum des Ristorante Milano in Wallau an der Lahn ist voll an diesem Sonntag Mittag.
Luigi Fazio - den Namen erfahren wir später – bringt uns zum Tisch. „Prego“ sagt er und deutet auf eine einladend gedeckte Tafel. Überall sehen wir appetitlich belegte Teller und Menschen, die es sich schmecken lassen. Fisch, Pasta, Fleisch, Gemüse – einladend hergerichtet. Hier geht jemand zu Werke, dem es Spaß macht, mit sorgfältig zubereiteten Lebensmitteln Menschen zu bewirten.
An unserem Tisch trifft in raschem Takt ein, was wir bestellt haben. Bruschette, Tomatensuppe und das Pendent aus Mischgemüse, die Minestrone. Wasser und Chianti-Wein sind unsere Getränke.

Kunstwerke aus der Küche

Für den Hauptgang gehen wir einmal quer durch die Karte. Salat Grandiosa, Penne Siziliane, Scaloppina Valdostan, Calamaretti, Melanzane. Keinen Bereich möchten wir auslassen beim Italiener im Stadtteil von Biedenkopf. Bei jedem neuen Gang fasziniert die Präsentation der Speisen auf dem Teller. Kleine Kunstwerke kommen aus der Küche - appetitlich dekoriert - das Auge isst mit. Und alles schmeckt fabelhaft.
Die hohe Zahl der Gäste ist Standard im Ristorante bei Luigi und Giacomo Fazio. Seit fast 30 Jahren, so hören wir, betreiben sie ihr Restaurant. Einem Tipp, sich doch in Wallau selbständig zu machen, hatten es die beiden Zwillingsbrüder zu verdanken, dass sie gastronomischer Teil des Marburger Hinterlandes wurden. Giacomos Domäne ist die Küche, Luigi versieht den Service. Beide arbeiteten vorher als Angestellte in der gehobenen Marburger Gastronomie.

Weitgereiste Besucher

So erfahren wir eigentlich erst beim „Test“ und nach dem Begleichen der Rechnung, dass wir in einem alteingesessenen, hochfrequentierten und sehr beliebten italienischen Restaurant gespeist haben. Das Lokal, so Luigi, lebt von der Mundpropaganda, von Stammgästen und von solchen Besuchern, die auch längere Anfahrten nicht scheuen. Die Kreise um Marburg, Biedenkopf, Bad Berleburg, Siegen und Erndtebrück gehören zum „Revier“ der Zwillinge aus Kalabrien, die die Familie von nebenan, den durchreisenden Außendienstler und den Geschäftsmann aus der Nachbarstadt genauso regelmäßig bewirten wie dann und wann den Minister.

Als Gastronom im Jahre 2017 noch ohne Internetseite zu existieren, ist bei Luigi und Giacomo ein Zeichen hoher Auslastung. Als wollten sie sich darauf ausruhen – so wirkt es aber nicht! Man hat das Gefühl, als wollten sie im ganz normalen Alltag immer das Beste geben. Jeder Tag, jeder Gast, jede Speise eine neue Herausforderung.
In der Qualität auch nach 30 Jahren nicht nachzulassen und so viel wie möglich selbst zu erledigen, ist ein Vorsatz, den viele Unternehmer fassen, aber nicht einhalten – aus verschiedenen Gründen. Die Liebe zu ihrem Beruf dürfte dafür verantwortlich sein, dass dieser Vorsatz bei den Brüdern Fazio tagtäglich erneuert wird. Der Erfolg gibt ihnen Recht. Denn die meisten belassen es nicht beim einmaligen Besuch im Wallauer Ristorante Milano.
Auch uns wird es wohl so gehen.
Dass wir ausgerechnet kurz vor der Landesgrenze zu Siegen-Wittgenstein dasjenige Restaurant finden, in dem wir so gut gegessen haben wie schon länger nicht mehr, das hätten auch wir nicht gedacht. Chapeau, fratelli. Hut ab!

von Angela Heinemann

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