Digitaler Aufbruch

Mercedes lässt A-Klasse weiter sportlich, aber auch deutlich erwachsener vorfahren

Von Günther Koch/Life-Magazin

Mercedes A-Klasse, hier als A200-Turbobenziner mit 163 PS. Foto: Koch

Trogir – Mit der 2012 neu positionierten A-Klasse hat Mercedes im Kompaktsegment besonders bei jüngeren Kunden punkten können. Sie hat seitdem zudem wesentlich zum Wachstum der Marke beigetragen. Der nicht zuletzt durch den Elchtest bekannt gewordene Baby-Benz, konzeptionell aber der späteren B-Klasse zu ähnlich, ist schon 1997 eingeführt worden. Ab Mai steht nun die gerade in Kroatien vorgestellte vierte Generation zunächst ab 30 231 Euro am Start. Sie tritt nach wie vor im Umfeld etwa von Audi A3 oder BMW 1er an.

Angenehmeres Raumgefühl

Das Auto: Gegenüber dem eher rebellischen Vorgänger hat die rund 4,4 Meter lange und leer um 20 auf 1375 Kilo abgespeckte Neuauflage in allen Außenmaßen zugelegt, wirkt optisch gestreckter. Sie kommt sauber verarbeitet daher, mutet wertig an. Der Radstand misst inzwischen über 2,7 Meter. Mehr Schulter-, Ellbogen- und Kopffreiheit sorgen im avantgardistischer gestalteten Inneren mit den drei markanten Lüftungsdüsen in der Mitte und der bis über zehn Zoll großen Displayeinheit darüber für ein angenehmeres Raumgefühl. Die Rundumsicht ist besser geworden. Der Einstieg hinten gestaltet sich bequemer. Durch seine breitere Öffnung lässt sich zudem der um 29 auf bis zu 370 Liter gewachsene Kofferraum künftig leichter beladen. Die Bedienung ist nach kurzer Eingewöhnung rasch im Griff. 

Multimedia personalisierbar

Die Ausstattung: Das neue Multimediasystem ist personalisierbar, zeigt sich sogar dank künstlicher Intelligenz lernfähig. Die Sprachsteuerung ist mit natürlichem Sprachverstehen verknüpft. Soll sie aktiviert werden, reichen die Schlüsselwörter „Hey, Mercedes“. Die Navigationsdarstellung, die die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung nutzt, kostet leider ebenfalls extra. Es gibt neue Dienste im Rahmen der „Mercedes me“-Vernetzung. Insgesamt stehen vier Ausstattungen zur Wahl. Über der Basisversion setzt eine dabei eher auf Stil, die andere mehr auf Design. Bei der vierten handelt es sich um den AMG. Die aus der Oberklasse bekannten Elektronikhilfen halten die Spur und Abstand zum Vordermann, fahren im Stau selbst los, folgen dem Verkehr, greifen beim Spurwechsel ein, unterstützen in Kurven, legen über Schilder und Navigationsdaten den Tempomat auf das gültige Limit fest, warnen bei Überschreitung, passen das Tempo bei Gefahrenstellen an.

Vorerst zwei Benziner, ein Diesel

Der Antrieb: Im Programm finden sich vorerst drei Motorisierungen, allesamt neue Turbo-Vierzylinder. Der 163 PS starke 1,3-Liter-Benziner A200 mit Zylinderabschaltung und Partikelfilter kann alternativ zur sonst standardmäßigen Siebengang-Doppelkupplungsbox auch als Sechsgang-Handschalter geordert werden. Das größere 2,0-Liter-Pendant A250 mit bis zu 350 Newtonmetern leistet 224 PS, ist in 6,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Beim zunächst einzigen Diesel A180d handelt es sich um einen 1,5-Liter mit 116 PS. Der 2,0-Liter-Selbstzünder aus der E-Klasse soll noch folgen. Auch Elektroantrieb ist ein Thema. Wohl für 2019 ist ein an der Steckdose aufladbarer Plug-in-Hybrid geplant. Die drei A-Klassen zum Start sind in der Spitze 202 bis 250 Stundenkilometer schnell. Deren Verbrauch geben die Stuttgarter zumindest im Datenblatt im Mix mit 4,1 bis 6,5 Litern an.

Spritziger Gesamteindruck

Das Fahren: Wir sind im Diesel und im kleineren Benziner unterwegs gewesen. Bei uns hat der Bordcomputer nach eher moderater Fahrweise und nach wechselnden Stadt-, Landstraßen- und Autobahnfahrprofilen 4,6 beziehungsweise 7,2 Liter angezeigt. Beim Diesel macht sich die verbesserte Turboaufladung bemerkbar. Der Basisbenziner hat bereits einen überaus spritzigen Gesamteindruck hinterlassen. Nach anfangs nur Front- wird es die A-Klasse ab Oktober auch mit Allradantrieb geben. Das Standardfahrwerk ist mit Stahlfederung versehen. In den stärkeren Versionen bietet Mercedes optional ein aufwendigeres mit Dämpferverstellung an, bei dem über vier Fahrprogramme zwischen komfortableren oder sportlicheren Auslegungen gewählt werden kann. In bestimmten Situationen ist in dieser Baureihe nun ebenfalls erstmals teilautomatisiertes Fahren möglich. Die elektrisch unterstützte Lenkung gibt ausreichend direkte Rückmeldung von der Straße. Die Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet, packen standfest zu.

Weniger aggressiv

Alles in allem: Vom früheren „Rentnerauto“-Image ist die A-Klasse längst weg. Sie kommt weiter sportlich, aber auch erwachsener, seriöser und nicht mehr ganz so aggressiv wie zuvor daher. Der digitale Aufbruch im Cockpit leitet eine neue Ära ein.

Datenblatt

Motor: Zwei Vierzylinder-Turbobenziner, ein Vierzylinder-Turbobenziner. Hubraum: 1,3, 2,0, 1,5 Liter. Leistung: 120/163, 165/224, 85/116 kW/PS. Maximales Drehmoment: 250/1620, 350/1800, 260/1750-2500 Newtonmeter/Umdrehungen pro Minute. Beschleunigung: 8,0/8,2, 6,2, 10,5 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Höchstgeschwindigkeit: 225, 250, 202 Stundenkilometer. Umwelt: Laut Mercedes Mixverbrauch 5,6-5,2, 6,5-6,2, 4,5-4,1 Liter pro 100 Kilometer, 128-210, 149-141, 118-108 Gramm Kohlendioxidausstoß pro Kilometer. Preis: 32 326/30 231, 36 461, 31 398 Euro.

KoCom/Fotos: Günther Koch

18. April 2018

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