Auf gute Nachbarschaft

Ford hat Mustang nachgeschärft und Coupé und Cabrio weitere Aufwertungen spendiert

Von Günther Koch/Life-Magazin

Ford Mustang, hier als 2,3-Liter-Vierzylinder-Fastback-Coupé mit 290 PS. Foto: Koch

Tourettes – Damals, 1964, als der Thunderbird-Nachfolger auf den Markt kam, hatten die wirklich tollen ersten Modelle noch Charakter. Was von Ende der 1970er- bis Anfang der 2000er-Jahre freilich als Mustang angeboten wurde, klagen heute selbst Ford-Mitarbeiter, sei eine „Frechheit“ gewesen. Erst mit der fünften Generation ab 2004 kehrte langsam das Charisma von früher wieder zurück. Seit 2015 sind nun auch deutsche Mustang-Fans nicht mehr auf Grauimporte angewiesen, denn seitdem bieten die Amerikaner die sechste Auflage ihre Pony- und Muscle-Car-Ikone nun auch offiziell bei uns an. Nach der inzwischen erfolgten Aufwertung steht sie ab 39 000 bis 53 000 Euro bei den Händlern.  

Coupé und Cabrio

Das Auto: Der zweitürige Viersitzer, solide verarbeitet, für die Sportwagen-Klasse standesgemäß anmutend, knapp 4,8 Meter lang, Radstand gut 2,7 Meter, Kofferraum 408 Liter beim Fastback genannten Coupé, 332 Liter beim 4500 Euro teureren Stoffdach-Cabrio, tritt im Umfeld etwa von Chevrolet Camaro oder Corvette an. Der Kühlergrill ist breiter. Die LED-Leuchten sind neu. Die Farbpalette ist überarbeitet. Die zwölf Zoll große digitale Instrumententafel prägt das Cockpit. Ziernähte lassen den Mitteltunnel wertiger erscheinen. Vorn ist ordentlich Platz. Für hinten sollten die Strecken nicht allzu lang sein. Die Zeit zum Eingewöhnen ist nötig. Dank des Achtzoll-Touchscreen-Monitors, der ruhig noch intuitiver sein könnte, ist die Bedienung mittlerweile rascher im Griff.       

Spitzenmodell GT

Die Ausstattungen: Im Basispaket sind neben den LED-Scheinwerfern etwa bereits, Zweizonen-Klimaautomatik, Audiosystem mit Vernetzung, Smartphone-Einbindung und Sprachsteuerung, Aluminiumpedale, Polster in Lederoptik, Lederlenkrad, Notbremsassistenz, Adaptivtempomat, Fahrspurassistenz, Fahrspurhaltehilfe, Parkpilot hinten, Rückfahrkamera, Doppelrohr-Auspuffanlage und 19-Zoll-Leichtmetallräder mit 255er-Reifen enthalten. Beim stärkeren GT kommen Hochleistungsbremsanlage, breitere 275er-Reifen hinten und eine Klappenauspuffanlage mit vier Endrohren und dem „Gute Nachbarschafts“-Modus, der Nerven und Nachtruhe von Anwohnern schont, hinzu. Für das Cabrio scheint das Windschott zu fehlen, das beim Offenfahren Verwirbelungen innen reduziert. Wir haben es jedenfalls selbst bei den Wunschausstattungen nicht gefunden. 

Sogar Zehnstufen-Automatik

Der Antrieb: Um den kümmern sich wie gehabt zwei Benziner, der 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbo, im GT der 5,0-Liter-Achtzylinder. Durch den Partikelfilter hat sich die Leistung des kleineren Ottomotors um 27 auf 290 PS verringert, dafür ist die Durchzugskraft mit 440 Newtonmetern größer geworden. Der Achtzylinder hat bei der Leistung um 29 auf 450 PS zugelegt. Je nach Karosserievariante und Getriebe – manuell mit sechs Gängen und spezieller Anpassung der Drehzahl für sanftere Schaltvorgänge mit markanterer Akustik oder neue Automatik sogar mit zehn Stufen für 2500 Euro Aufpreis – sind beide aus dem Stand in 5,5 bis 6,0 oder nur 4,3 bis 4,8 Sekunden auf Tempo 100, in der Spitze bis 233 oder 250 Stundenkilometer schnell. Den Verbrauch gibt Ford zumindest im Datenblatt günstigstenfalls mit 9,0 bis 9,5 und 12,1 bis 12,8 Litern an.      

Zusätzliche Fahrmodi

Das Fahren: Wir sind in beiden Varianten im Coupé mit Automatik unterwegs gewesen. Die haben bei uns am Ende nach jeweils zunächst eher moderater, auf kurvenreicherer Strecke dann flotterer Fahrt 11,2 und 16,6 Liter angezeigt. Vom europäisch abgestimmten Fahrwerk, das es in der Grundauslegung bei aller Agilität mit der Härte nicht übertreibt und den Mustang so selbst für längere Strecken tauglich macht, kann man einiges erwarten. 2000 Euro Aufpreis kostet das Adaptivfahrwerk mit speziellem Dämpfersystem. Neben Fahrprogrammen wie Normal, Sport, für die Rennstrecke sowie für Regen und Schnee gibt es noch zwei neue, Drag(ster) für bessere Beschleunigung und My Mode zur Personalisierung. Die elektromechanische Lenkung gibt direkte Rückmeldung. Die innenbelüfteten Scheibenbremsen packen standfest zu.

Bullitt folgt noch

Alles in allem: Die Preise bleiben im Vergleich, nach wie vor ein Wort. Der Vierzylinder ist für die Vernunft, der blubbernde Achtzylinder mehr für die Emotion. Auch dieser Ford, heckangetrieben, nimmt einem dank Elektronik (aber noch klassischer Feststellbremse wohl fürs Driften) vieles, indes nicht alles ab. Man muss gelegentlich noch arbeiten in ihm, etwa wenn es zügiger durch Kurven geht. „Ein Pferd will schließlich geritten werden“, stellt Wolfgang Kopplin jetzt bei der Fahrvorstellung in Tourettes im Hinterland der Provence fest. Der Deutschland-Verkaufschef nennt das Sportcoupé das weltweit meistverkaufte. 2017 hat Ford bei uns immerhin über 5740 Mustang abgesetzt. Beim Verhältnis Vierzylinder/Achtzylinder geht Kopplin prozentual weiter von etwa 20:80 aus, beim Verhältnis Coupé/Cabrio von 55:45, kündigt für August zudem eine Sonderauflage des 464 PS starken Bullitt ab rund 60 000 Euro an. Steve McQueen und der Mustang in dem gleichnamigen Film aus 1968 lassen grüßen! Beides noch Kerle mit Charakter!

Datenblatt

Motor: Ein Vierzylinder-Turbobenziner, ein Achtzylinder-Benziner. Hubraum: 2,3, 5,0 Liter. Leistung: 213/290, 331/450 kW/PS. Maximales Drehmoment: 440/3000, 529/4600 Newtonmeter/Umdrehungen pro Minute. Beschleunigung: Je nach Karosserievariante und Getriebe 5,5 bis 6,0, 4,3 bis 4,8 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Höchstgeschwindigkeit: 233, 250 Stundenkilometer. Umwelt: Laut Ford Mixverbrauch 9,0 bis 9,5, 12,1 bis 12,8 Liter pro 100 Kilometer, 199 bis 211, 270 bis 285 Gramm Kohlendioxidausstoß pro Kilometer. Preis: 39 000/41 500 Euro (2,3-Liter Fastback), 43 500/46 000 Euro (2,3-Liter Cabrio), 46 000/48 500 Euro (5,0-Liter Fastback), 50 500/53 000 Euro (5,0-Liter Cabrio).

KoCom/Fotos: Günther Koch

14. März 2018

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