Spannende Zeitreise

Toyota fasst in Collection rund 70 historische Fahrzeuge zusammen

Von Günther Koch und Rainer Waldinger/Life-Magazin

Blick in die neue Dauerausstellung auf dem Gelände von Toyota Deutschland in Köln-Marsdorf. Fotos: Waldinger

Köln – Mazda hat’s vorgemacht – und 2016 zusammen mit einem Händler in Augsburg auf Basis einer Privatsammlung das Mazda Classic Museum aufgebaut. Toyota zieht jetzt mit der am Deutschland-Stammsitz in Köln-Marsdorf gerade eröffneten Toyota Collection nach. Auch sie baut auf der privaten Sammlung eines Händlers der Marke auf.

Private Sammlung

Rückblick. Peter Pichert vertreibt seit Anfang der 1970er-Jahre in Passau Fahrzeuge der japanischen Marke. Über die Jahre hinweg stellt er laut dem Importeur eine der „größten privaten Toyota-Sammlungen außerhalb Japans“ zusammen, eröffnet 1999 ein ebenfalls privates Toyota-Museum im niederbayerischen Hartkirchen bei Pocking. 2016 stirbt Pichert. Toyota Deutschland tritt nach eigenen Angaben auf den Plan, „um die Auflösung der Sammlung zu verhindern“.

Aus fünf Jahrzehnten

Die stellt in ihrem neuen dauerhaften Zuhause auf dem Marsdorfer Gelände von Toyota Deutschland so etwas wie eine spannende Zeitreise durch die erfolgreiche Geschichte des japanischen Automobilherstellers dar. Rund 70 Exponate aus fünf Jahrzehnten sind in der künftig zumindest zu besonderen Anlässen geöffneten Collection zu sehen. Sportwagen-Ikonen befinden sich genauso darunter wie Umweltpioniere, Geländewagen genauso wie ganz normale Helden des Alltags.

Bond lässt grüßen

Ein Rundgang. Mittelpunkt der Ausstellung dürfte zweifellos das Coupé 2000 GT sein, das Ende der 1960er-Jahre auf Straßen und Rundkursen Weltruhm erlangt – und als Roadster-Umbau im Bond-Film „Man lebt nur zweimal“ Filmgeschichte schreibt. Wie viele von den nur 351 gefertigten Exemplaren es heute überhaupt noch gibt, ist unklar. „Peter Pichert musste jedenfalls“, so Toyota, „lange in ganz Europa suchen, bis er auf das Exemplar stieß, das nun in Köln eine neue Heimat gefunden hat.“

Für den Aufstieg

Eher als Zufallsfund gilt hingegen der Corolla, den Pichert selbst damals, 1971, als ersten Toyota für 7650 Mark verkauft – und einige Jahre später in einer Scheune wiederfindet, was vermutlich seine Sammelleidenschaft entfacht. Gleich in verschiedenen Ausführungen ist das weltweit am meisten verkaufte Modell der Marke in der neuen Sammlung vertreten. Damit wird aus Sicht der Japaner „auch die Rolle dieses Autos gewürdigt, das wie kein zweites für den Aufstieg von Toyota zu einem der größten Automobilhersteller der Welt steht“.

Schier unverwüstlich

Den haben ebenso robuste Offroader wie die Allradlegende Land Cruiser begleitet, der sich seit 1951 schier unverwüstlich durch unwegsames Gelände wühlt und so seine Zuverlässigkeit beweist. Diesen Geländekreuzer soll einer der Bond-Darsteller übrigens, wie es heißt, in der Schweiz als Privatfahrzeug genutzt haben: Roger Moore.

Vorher Exotenstatus

Was heute bei knapp 50 Prozent Hybridanteil an den Verkäufen der Marke in Deutschland alles andere als eine Seltenheit ist, genießt 1999 in der Tat noch Exotenstatus. Zwei Jahre nach der Prius-Premiere bereitet Toyota den europäischen Vertriebsstart des Hybridpioniers vor. Einer der dafür genutzten Prototypen rollt später in die Pichert-Sammlung – und steht heute ebenfalls in Köln.

Bis hoch zum Crown

Ein weiterer Exot ist das liebevoll ausgestattete Celica-Liftback-RT40-Sportcoupé, von dem es verschiedene Versionen zu bestaunen gibt. Der Corona RT40 aus den 1960er-Jahren gehört zu den ersten Toyota in Europa. Die elegante Oberklassen-Limousine Crown hat Peter Pichert den Angaben zufolge besonders am Herzen gelegen. Eine Besonderheit ist zudem der Mittelmotor-Sportler MR2 gewesen. Motorsportlich tragen ein 2006 auf dem Nürburgring bei einem Formel-1- Prolog eingesetzter Celica GT aus dem Jahr 1981 mit Unterschriften der damaligen Piloten Ralf Schumacher und Olivier Sainz sowie ein Celica Turbo mit Allrad aus einer auf 2000 Exemplare limitierten Sonderserie zu der Sammlung bei.

Hommage an Händler

Toyota-Deutschland Präsident Tom Fux versteht sie auch als Hommage an die Händler der ersten Stunde, die mit ihrem Engagement die Marke bei uns erst groß gemacht hätten. Bürgermeister Ralf Heinen verweist bei der Eröffnung mit Blick auf Köln als Zentrum internationaler Automobilhersteller, Zulieferer und Entwickler auf eine „Autostadt im allerbesten Sinn“, fragt eher rhetorisch, wo eine solche Sammlung japanischer Automobilgeschichte besser aufgehoben sei als hier.

Mit Leidenschaft

Für die Familie freut sich Tochter Birgit Pichert nicht nur, dass die Sammlung des Vaters in Köln ein neues Zuhause gefunden hat, sondern „seine Leidenschaft weitergeführt wird“.

KoCom/Fotos: Rainer Waldinger

23. November 2017

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