Aufgeheizte Debatte

IAA (I): Die Ausstellung / „Zukunft erleben“ / Elf Marken nicht dabei

Von Günther Koch/Life-Magazin

 

IAA 2017: Diese einsame Stromladestation ist hoffentlich nicht bezeichnend. Foto: Koch

Frankfurt/Main – Dieselskandal, Kartellvorwürfe, dazu ein Umbruch, der für die Branche gravierend ist: Es sind in der Tat besondere Zeiten, in denen die Pkw-IAA in diesem Jahr in Frankfurt/Main stattfindet! „Die öffentliche und politische Stimmungslage ist extrem anspruchsvoll“, sagt  Präsident Matthias Wissmann vom veranstaltenden Verband der Automobilindustrie bei der Vorstellung der Autoschau, die diesmal unter dem Motto „Zukunft erleben“ steht. Dass sie politisch so aufgeladen ist, dürfte freilich auch an der am 24. September stattfindenden Bundestagswahl liegen

Ambitionierte Ziele

Die Dieseldebatte bleibt aufgeheizt, nachdem der von Volkswagen ausgelöste Betrugssoftware-Skandal überhaupt erst bei der vorigen IAA 2015 bekannt geworden ist, zwischenzeitlich weitere Kreise gezogen hat und auch juristisch bis heute längst nicht endgültig aufgearbeitet ist. Wissmann hält den modernen Diesel dennoch auch künftig für unverzichtbar, wenn man die „ambitionierten Kohlendioxid-Ziele in Europa“ erreichen wolle. Der praxisnähere neue Straßentest schließe die „letzte Baustelle, die der Stickoxidemissionen“. Aber auch der Benziner bleibe auf der Agenda, werde weiter optimiert. Keiner solle daraus jedoch den „falschen Schluss ziehen, wir würden den ‚guten alten Zeiten‘ nachhängen“, sagt der Präsident. „Das Auto der Zukunft fährt automatisiert, vernetzt und emissionsfrei.“

Ein Paradigmenwechsel

Die Ausstellung in diesem Jahr steht für ihn für einen „grundlegenden Paradigmenwechsel“ in den Unternehmen, und zwar sowohl bei den Produkten wie auch bei der Produktion. Wissmann verweist in diesem Zusammenhang insbesondere auf die immer größere Bedeutung der Digitalisierung, zählt als deren Vorteile mehr Sicherheit, weniger Unfälle, weniger zeitraubenden Parksuchverkehr in Städten, einen besseren Verkehrsfluss, geringeren Stopp-&-Go-Verkehr und damit verbunden weniger Verbrauch und weniger Schadausstoß auf. Es gehe zudem um die Einbindung der Verkehrsträger in der Stadt bis hin zum Carsharing.

Milliarden-Investitionen

Bis 2020 kündigte Wissmann für die deutsche Autoindustrie an, bis zu 18 Milliarden Euro in das vernetzte und automatisierte Fahren zu investieren. Für den Hochlauf alternativer Antriebe seien 40 Milliarden Euro vorgesehen. Die Zahl der entsprechenden Modelle soll sich von heute 30 auf dann mehr als 100 mehr als verdreifachen.

Facebook und Google dabei

Und was die Messe selbst betrifft, die vom 14. Bis 24. September wieder auf dem Messegelände in Frankfurt/Main stattfindet und neben der Digitalisierung auch die urbane und einmal mehr die Elektromobilität als Schwerpunkt hat, sind laut Wissmann 228 Welt-, 64 Europa- und 32 Deutschlandpremieren vorgesehen. Hinzu kommen 39 Forschungsstudien. Es gibt die bis zum ersten Wochenende geplante New Mobility World mit Facebook als Partner. Google ist dabei. Rund 1000 Aussteller aus 39 Ländern haben sich angemeldet, unter den Zulieferern auch Rückkehrer wie ThyssenKrupp. Über 50 Pkw-Marken sollen dabei sein, erstmals auch junge chinesische wie Wey oder Chery. 

Andere Kanäle

Allerdings fehlen mittlerweile von Alfa Romeo über DS, Fiat, Infiniti, Jeep, Mitsubishi, Nissan, Peugeot, Rolls-Royce und Tesla bis hin zu Volvo gleich elf Marken. Dagegen ist McLaren wieder zurück. „Die Messe muss sich was einfallen lassen“, sagt der Sprecher eines diesmal nicht mehr vertretenen Konzerns, den wir dazu befragt haben. „Es sind sicher nicht nur die Kosten, aber unsere Endkunden, die finden wir mittlerweile auch über andere Kanäle!“

Weltweit wichtig

„Messen müssen sich, wie das Auto selbst, immer wieder neu erfinden“, ist auch Präsident Wissmann klar, der ebenfalls mit Blick auf die wieder erwarteten rund 900 000 Besucher in der Pkw-IAA weiter eine Leit- und die „weltweit wichtigste Mobilitätsmesse“ sieht, während andere sogar schon von einer „Schicksals-IAA“ sprechen.

Info IAA

Für das Publikum ist die 67. IAA in Frankfurt/Main nach den Presse- und Fachbesuchertagen ab dem 16. September jeweils von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Tages- und Nachmittagskarten sind ab 7,50 bis 16 Euro zu haben, ermäßigt ab 4,50 Euro. Die Pkw-Hersteller finden sich hier: Halle 2: AMG, Mercedes, Smart. Halle 3: Audi, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Porsche, Seat, Skoda, VW. Halle 5: Alpina, Brabus, Ferrari, Jaguar, Land Rover, Maserati. Halle 8: Citroen, Dacia, Hyundai, Lexus, Opel, Renault, Subaru, Toyota. Halle 9: Ford, Kia, Honda, Mazda, Suzuki. Halle 11: BMW, Mini. Agora-Freifläche: McLaren. Die Autozulieferer sind in den Hallen 3, 4, 5, 6 und 8. Die bis 17. September dauernde New Mobility World ist oben in Halle 3. Internet-Information: www.iaa.de.

KoCom/Fotos: Günther Koch

12. September 2017

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